Kann man „Glücklich-Sein“ erlernen?

Meine Großmutter zitierte gern Bibelsprüche. Einer davon war „Wer bittet, dem wird gegeben, wer suchet, der findet und wer anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matthäus 7:8)

Was hat das nun mit der Suche nach dem Glück zu tun?

Glück kommt nicht von allein, sondern man muss etwas dafür tun!

Aber was? Da ist es gut, wenn man ein bisschen besser versteht, was die Menschen glücklich macht.

Vielleicht kennt der eine oder andere die Maslowsche Bedürfnispyramide. Sie ist eine sozialpsychologische Theorie des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow und beschreibt menschliche Bedürfnisse und Motivationen und versucht, diese zu erklären.

Maslow stellte fest, dass manche Bedürfnisse Priorität vor anderen haben. Luft und Wasser brauchen wir zum Beispiel dringend, ein neues Auto dagegen nicht.

Er ordnete Bedürfnisse nach 5 größeren Kategorien, beginnend mit den Grundbedürfnissen bis hin zu den kognitiv und emotional hoch entwickelten menschlichen Bedürfnissen (Essen-Trinken-Schlafen-Fortpflanzung, Sicherheit, soziale Kontakte, Ansehen, Selbstverwirklichung).

Die ersten vier Kategorien unterteilt er in Mangelbedürfnisse und die letzte in unstillbare Bedürfnisse.

In seiner Theorie führt die Nichtbefriedigung der Mangelbedürfnisse zu physischen oder psychischen Störungen (z. B. mangelnde Ernährung zur Schädigung der Gesundheit, mangelnde Sicherheit zu Ängsten und Traumatas, mangelnde soziale Kontakt zu emotionalen Störungen).

Die unstillbaren Bedürfnisse können, wie ihr Name das schon sagt, nie wirklich befriedigt werden. Viele können schlicht und ergreifend gar nichts mit dem Begriff Selbstverwirklichung anfangen. In den Illustrierten ist eine Definition „Frauen und Arbeiten = eigenes Geld“ zu finden, für Männer eher der Luxus wie in der Werbung „mein Auto, mein Haus, meine Yacht“.

Was man im Leben immer wieder beobachten kann und wie es im Lieblingslied meiner Großmutter heißt: „je mehr er hat, je mehr er will“.

Zurück zum Eingangszitat, nicht jedes Bedürfnis kann man selbst befriedigen, sondern ist manchmal darauf angewiesen zu bitten, zu suchen und anzuklopfen. Und genau diesen Weg  „zu bitten, zu suchen und anzuklopfen“ kann man erlernen.

Und gleich noch eins vorweg: das eigene Geld, der Luxus sind keine guten Bausteine zum Glück. Sie schaden nicht, sie nutzen allerdings auch nicht in dem Ausmaß wie viele sich das vorstellen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Max-Planck-Institut für Ökonomik untersuchten Forscher die empirischen Zusammenhänge zwischen subjektivem Wohlergehen und wichtigen Lebensereignissen der Menschen.

Die Daten basieren auf Angaben, die die Befragungsteilnehmer über mehr als fünfzehn Jahre hinweg regelmäßig zu ihrem subjektiven Wohlbefinden anhand einer detaillierten psychometrischen Skala machten.

Darüber hinaus gaben sie Auskunft über Faktoren wie Einkommen, Familienstand, Gesundheit oder beruflichen Erfolg.

In dieser Untersuchung stellten die Forscher zwei Zusammenhänge fest:

Menschen erleben nach einer Steigerung des eigenen Wohlbefindens auch positive Veränderungen der anderen Faktoren. Wer glücklicher wurde, konnte in der Folge auch über bessere Gesundheit und höheres Einkommen berichten.

Erstaunlich ist das Ergebnis, dass dies im Umkehrschluss aber nicht der Fall ist, denn positive Veränderungen in den Bereichen Einkommen, beruflicher Erfolg, Gesundheit, Familienstand führten in den Jahren danach zu sinkendem Wohlbefinden.

Dieses Phänomen ist in der Forschungsliteratur als hedonische Anpassung bekannt.

Oder:

Der Mensch gewöhnt sich an allem,
(an positive wie negative Lebensereignisse)
auch am Dativ.
(daran gewöhne ich mich wohl nie)

Kann unser Unterbewusstsein Wunder bewirken?

Mein Buch „Entdecke deinen inneren Helfer“ ist nun seit mehr als 4 Monaten auf dem Buchmarkt. Im Gespräch mit meinen Lesern sind Fragen aufgetaucht, die und deren Beantwortung ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Vielleicht können Sie daraus einen zusätzlichen Nutzen oder eine Erkenntnis ziehen.

Frage:
Warum kann unser Unterbewusstsein besser Probleme lösen und Fragen beantworten als unser bewusstes Denken?

Antwort:
Unser bewusstes Denken wird durch alles, was wir in unserem Leben erlebt und erfahren haben eingeschränkt. Vielleicht haben wir als Kind von Eltern oder Lehrer gesagt bekommen: Wenn du weiter nicht lernst, dann wird nie etwas aus dir. Zack, und schon ist es abgespeichert und verstärkt sich bei jeder neuen negativen Erfahrung als unverrückbare Beschränkung und Glaubenssatz, über den wir nicht hinauswachsen können. Unserem Unterbewusstsein ist das jedoch vollkommen gleichgültig.

Was wir aus unserer Umwelt mit unseren Sinnen wahrnehmen beträgt mehr als 11 Millionen Bits in der Sekunde. Was wir bewusst bewältigen sind maximal 50 Bits pro Sekunde.

Das gibt uns einen Eindruck von dem gewaltigen Kapazitätsunterschied zwischen dem Unterbewusstsein und dem bewussten Verstand.

Hinzu kommt, das, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen, wird gefiltert und bewertet. Es wird nur das durchgelassen, was für uns wichtig ist und in unsere Welt passt. Wir formen uns unsere Wirklichkeit, geprägt durch soziale, kulturelle und individuelle Filter.

Ohne diese Beschränkungen durch unsere Erfahrungen, unsere sozialen, kulturellen und individuellen Filter ist unser Unterbewusstsein frei für Lösungen von Problemen. Unser Unterbewusstsein kann alles, was in uns steckt voll nutzen. Wie bei einem Eisberg ist unser Bewusstsein nur ein kleiner Teil, der aus dem Wasser schaut, das was verborgen unter Wasser treibt, unser Unterbewusstsein, macht die Masse aus.

Wenn wir darauf zugreifen können, sieht das manchmal im Ergebnis wie ein kleines Wunder aus. Es ist aber bereits in uns vorhanden, nur tief verborgen und nicht offensichtlich.

Der FRIEDE in uns

Kommentare, die ich zu meinem  dem Frieden gewidmeten Adventskalender 2016 bekommen habe, haben mich zum Teil bewegt, zum Teil erschüttert. In meinem Jahresrückblick 2016 habe ich versprochen eine (nicht repräsentative) Analyse hier zu veröffentlichen.

Einige meiner Leser in den unterschiedlichsten sozialen Netzwerken konnten die Kommentare schon mitlesen. Ich möchte diese hier nicht zitieren, weder die zustimmenden, die ablehnenden, noch die aggressiven. Ich möchte Ihnen ganz allein meine Reaktionen darauf mitteilen.

Denn ich bin allein für meine Gefühle, meine Worte, meine Handlungen, meine Taten verantwortlich. Ich bin nicht verantwortlich für die Reaktionen anderer auf meine Worte. Ach ja, ich bin natürlich auch verantwortlich für meine Reaktionen auf die Reaktionen.

Da hilft dann manchmal nur wie meine Oma sagte, Abwarten und Tee trinken. Warum das? Wir alle neigen dazu, mit spontanen Antworten unseren „fiesen Neandertaler“ aus dem Rucksack zu holen.

Was, Sie haben keinen Rucksack und schon gar nicht einen fiesen Neandertaler?

Schauen Sie mal ganz genau nach, was Ihnen da im Rücken sitzt. Und wenn Sie sich einen Moment Zeit für einen Blick nach hinten nehmen, können Sie auch das kleine, bullige Männchen mit der Keule erkennen, der sofort bereit ist zuzuschlagen.

Also die Keule meiner Kommentatoren habe ich manchmal schon gespürt. Eine Spur Neid, dass es anderen besser gehen könnte, ohne sich angestrengt zu haben. Eine Spur Abneigung gegen anders Aussehende oder anders Gläubige. Eine Spur Unverständnis aus Unwissenheit. Aber auch die Angst, die Unsicherheit und das Unvermögen Auswege zu sehen.

Ich habe aber auch die stärkende Unterstützung gefühlt. Von Menschen, die sich einsetzen, von Christen ohne Scheu vor Moslems, von einer Pfarrei mit Kirchenasyl, von Frieden Träumenden, uvm.

Meine Intention zu Frieden ist einander verstehen, miteinander kooperieren, Aufrichtigkeit, Empathie, Herzensverbindung.

Große Worte! Aber wie kann das gehen?

Ereignisse nimmt jeder auf seine persönlich Art und Weise wahr und interpretiert sie. Jeder hat sein eigenes Verständnis darüber, wie er die Welt sieht, wie er die Welt gern hätte, wie er die Welt zum Funktionieren bringen würde, wenn er nur könnte. So haben wir zu jedem Ereignis auf der Welt viele, viele unterschiedliche Wahrnehmungen, mit unterschiedlichen Gefühlen und unterschiedlichen Bedürfnissen. Jeder sieht die Anderen auf der Welt mit seinen Augen und Vorurteilen.

Wie könnte ein Weg zu einem gemeinsamen Verständnis aussehen?

Zunächst muss ich mir selber klar darüber werden, was ich will. Diese Erkenntnis kann ich meiner Umwelt öffentlich zugänglich machen oder auch einfach als meine eigene Leitlinie für mich festhalten.

Ich sage das, was ich wahrnehme. Also erkläre ich meiner Umwelt, was ich aus den Ereignissen interpretiere, was ich dabei fühle, was meine Bedürfnisse dazu sind. Wenn ich meine Sichtweise, meine Gefühle, meine Bedürfnisse meinem Gegenüber artikulieren kann, kann ich mich meinem Gegenüber verständlich machen. Ich kann meine Gefühle, Bedürfnisse und auch meine Befürchtungen in eine Bitte an ihn verpacken.

Wenn in mir der Wunsch existiert, mein Gegenüber auch zu verstehen, kann mit dieser Bitte eine Unterhaltung zustande kommen, in der auch mein Gegenüber zu Wort kommt und seine Sichtweise, seine Gefühle, seine Bedürfnisse von mir gehört werden. Ein Gespräch kann entstehen, das beiden Seiten gerecht wird.

Wenn ich allerdings nur die Absicht bezwecke, meine Interessen durchzudrücken, dann bricht an dieser Stelle jeder Dialog ab.

Aber auch wenn es zu einem Dialog kommt, können wir auf keinen Fall die ganze Welt ummodeln und verändern. Wir können nur in unserem Umfeld beginnen und hoffen, dass dieser kleine Stein, den wir vielleicht ins Rollen bringen, zu einer großen Lawine anwächst.

Vielleicht können wir alle gemeinsam versuchen, den Weg einmal auszuprobieren und zwar hier, sofort und so wie beschrieben.

Sie werden sehen mit der Absicht im Herzen, einander zu verstehen und alle Bedürfnisse zu berücksichtigen, kann daraus eine echte Herzensverbindung entstehen!

 

Die Macht der Medien

Wenn ich Nachrichten lese, sehe oder höre, kommt es mir oft so vor, als ständen wir vorm Weltuntergang. Geht es nur mir so? oder betrifft es viele? Was machen Sie mit den Meldungen, die Sie beim Morgenkaffee schon dazu bringen in Depressionen zu verfallen?

Meine erste Begegnung mit einer solchen Nachricht hatte ich in der Tagesschau am Abend des 6.Oktobers 1981.  Am 6. Oktober 1981 wurde Mohammed Anwar as-Sadat während einer Militärparade in Kairo erschossen, nicht live aber dennoch als Film anzuschauen im Fernsehen. Da hatte ich zum ersten Mal Zweifel, ob Berichterstattung so sein muss, ob nicht eine verbale Meldung mit einem eingeblendeten Bild vom lebenden Anwar as-Sadat die Meldung inhaltlich genauso gut an das Publikum gebracht hätte.

Ich war erschrocken über die Brutalität zu einer Sendezeit, in der auch noch Kinder vorm Fernseher sitzen durften und habe jahrelang keine Nachrichten mehr geschaut. Auch heute tue ich es nur sehr bedingt.

Ich frage mich auch, warum nur Katastrophenmeldungen eine gute Quote bringen. Sind wir Menschen wirklich mehrheitlich so veranlagt, dass wir uns am besten fühlen, wenn es anderen draußen in der Welt so richtig schlecht geht und wir uns gruseln können? Wenn wir uns anerkennend auf die Schulter klopfen und sagen, bei uns ist eben alles besser?

Aber was machen diese destruktiven, negativen Meldungen mit uns? Können Sie anschließend gut schlafen oder wälzen Sie sich im Bett und fragen sich, kann so etwas vielleicht auch hier passieren? Und zack, verunglückt, stirbt eine bekannte Persönlichkeit genauso wie in unserem Albtraum. Schon fühlen wir uns in unserer Sicherheit bedroht.

Angst macht unfrei, Angst macht uns manipulierbar, Angst soll uns gefügig machen.

So werden wir zu dem Häufchen Elend, das unsere Führung aus uns machen will. Dann können sie uns mit mannigfaltigen Angeboten, wie sie uns beschützen werden, zur Wahlurne locken. So kommt man an die Macht.

Je emotionaler die Diskussion geführt wird, desto mehr reagiert unser urzeitliches Reptilien-Gehirn, der Verstand wird ausgeschaltet und auf Flucht-Reaktion eingestellt. Wir laufen nur noch der „Rettung“ hinterher.

Die Gesellschaft der Deutschen Sprache (GfdS) erklärte „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016. Damit wollte sie darauf aufmerksam machen, dass wir uns in einem „tiefgreifenden politischen Wandel“ befinden.

In der Begründung der GfdS heißt es, dass in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend Emotionen wichtiger seien als Fakten. „Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptiere“. Das sind dann leicht Opfer von Fake-Nachrichten, für die wir wieder Beschützer und Gesetze brauchen.

Was läuft denn da so schief? Ist nur die Medien-Welt Schuld? Oder haben wir Menschen verlernt, oder gar nie gelernt uns unsere eigene Meinung zu bilden?

Ich kann mich noch gut an den Deutsch-Unterricht meiner Schulzeit erinnern, in dem meine Deutschlehrerin mich mit „Erörterungs-Aufsätzen“ gemäß der Hegel’schen Dialektik quälte. Sie hieß noch „Fräulein“ Otto als Zeichen des Unverheiratet-Seins und nicht des Alters, übrigens war sie stolz darauf. In Erörterungen musste ein Problem von allen Seiten betrachtet werden. Einer Aussage = These musste eine Gegendarstellung = Antithese gegenüber gestellt werden. Dann wurden beide, These und Antithese, mit Argumenten hinter füttert. Aus der Vielzahl der Argumente formulierte man dann eine Synthese, man könnte es wohlwollend eine Lösung oder böswilliger einen Kompromiss nennen.

Beim ersten Versuch sagte ich meiner Lehrerin, das kann ich nicht! Ich kann doch nicht Argumente für die Gegenseite bringen! Sehr bestimmt und ohne Widerspruch zu dulden antworte sie, doch das können Sie (wir wurden damals in der Oberstufe noch gesiezt). Das ist eine Methode, die Sie auf das Leben vorbereitet. Sie schult Ihren Verstand, denn Sie werden nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen können und Leben bedeutet Lösungen finden, Kompromisse schließen, offen sein für die Meinung anderer und sie begreifen lernen. Das trägt zum Gemeinwesen einer Gesellschaft bei. Nur wer sich in die Denkweise eines anderen hineinversetzen kann, kann im Leben erfolgreich sein.

Diese Standpauke habe ich mein Leben lang nicht vergessen und ich bin meiner Lehrerin heute noch dankbar dafür. Danke, Fräulein Otto!

Heute werden wir mit unzähligen Meldungen und Interpretationen zugeschüttet. Es fällt schon schwer diese überhaupt zu sortieren und einzuordnen, geschweige denn ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen.

Und schauen wir uns die Schlagzeilen doch einmal an. Es sind singuläre Ereignisse, die fast immer „bad news“ sind:
Massenkarambolagen, Flugzeugabstürze, Terror-Attacken, Naturkatastrophen, Bombardierungen, Hinrichtungen, Kriege, Menschen auf der Flucht,…

„Good news“ erscheinen dagegen sehr selten und wenn schon gar nicht in den Schlagzeilen. Gut, vielleicht bekommt irgendein Star, eine Königin ein Kind oder heiraten. Aber selbst dann überwiegen die Befürchtungen: sie gefährdet ihr Kind, mit 50 noch ein Kind, auch das Kind kann die Ehe nicht retten,…

Wissen wir eigentlich wie gut es uns wirklich geht? Wollen wir das wissen? Lesen Sie von Zeit zu Zeit auch mal etwas Positives? Interessieren Sie sich für die Meinungen der Gegenseite oder lassen Sie nur gelten, was Sie sowieso schon denken?

Ich erinnere mich daran, dass mein Vater gern ein Zitat von Mark Twain zum Besten gab.

Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen, vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.

Gegen emotionale Armut

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Am letzen Freitag versprach ich Ihnen ein Präventionsprogramm um emotionale Armut zu verhindern. Ich möchte Ihnen hier die Zutaten zu einem erfolgreichen Programm vorstellen. Egal ob im Kindergartenalter, in der Schule oder allgemein im täglichen Leben, je mehr Zutaten bekannt sind und gebraucht werden, desto friedlicher, weltoffener und zufriedener werden die Menschen werden.

Wer einen guten Kuchen backen will, muss bekanntlich sieben Sachen haben. Für ein erfolgreiches Programm gegen die emotionale Armut brauchen wie nur drei wichtige Säulen: die emotionale Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und zu benennen, die kognitive Fähigkeit, den Problemen des Lebens positiv und mit dem Willen sie zu lösen gegenüber zu treten und die kommunikative Fähigkeit, nonverbal Zeichen zu erkennen und verbal seine Vorstellung klar zu formulieren, zu zuhören und Kompromisse schließen zu können.

Hört sich eigentlich ganz einfach an, nur wo lernen wir das?

Wer viel Glück hat, erlernt die Fähigkeiten bereits in der Ursprungsfamilie. In vielen Familien wird aber kein Wert darauf gelegt, dass aufkeimende Gefühle erkannt, benannt und ernst genommen werden. Ist ein Junge weinerlich, folgt der Spruch: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Mädchen dürfen zwar weinen, müssen aber „lieb“ sein und sich nicht wehren. Bevor Kinder ihre Gefühle richtig wahrnehmen, werden sie durch übergestülpte gesellschaftliche Normen reglementiert. Es wird erwartet, dass die Gefühle totgeschwiegen werden und man funktionieren muss. Wer sich selbst nicht versteht, wie soll der die Regungen und Gefühle anderer verstehen?

Wer schon nicht die eigenen Gefühle erkennt, der ist wahrscheinlich auch nicht in der Lage die Heftigkeit eines Gefühls einzuschätzen. Wenn ein Kind so richtig zornig wird, dann kann es schon einmal vorkommen, dass es dem anderen Kind einen Gegenstand über den Kopf zieht. Wenn dann Eltern nicht erklären, welche Schmerzen es dem anderen zugefügt hat, dann empfindet es kein Gefühl für sein Gegenüber und wird beim nächsten Mal wieder impulsiv und hart zuschlagen. Wenn die überzogene Handlung erkannt werden kann, kann auch eine angemessene erfolgen.

Am 28.10. habe ich mit der Biologie der Empathie beschrieben, wie anhand von Gesichtsausdrücken viele Menschen nachempfinden können, was ein anderer Mensch empfindet. Und das dies für unser friedliches Zusammenleben sehr wichtig ist. Allein an der Körperhaltung und am Blick können wir erkennen, ob ein Mensch aggressiv, devot oder selbstbewusst reagieren wird. Kann ich mich in einen anderen hineinversetzen, kann ich auch Lösungen finden, die für beide passen.

Ein erfolgreiches Präventionsprogramm könnte z.B. beinhalten:

  • Zum Beginn eines Tages abfragen, wie die Gefühlslage der Teilnehmer ist.
  • Emotionale Probleme thematisieren und gemeinsam nach Lösungen suchen. Viele Fragen stellen und sich in die Gemütslage des Berichtenden hineinversetzen.
  • Diskutieren lernen mit dialektischer Erörterung: These, Antithese, Synthese
    So wird erlernt zu einem Thema auch die Gegenargumente zu sammeln, zu verstehen und These und Antithese zu einer sinnvollen Synthese zusammen zu führen.
  • In Projekten die Kooperation stärken. Wenn alle unterschiedlichen, vorhandenen Fähigkeiten eingebracht werden, kommt man schneller zu einem besseren Ergebnis.
  • Lernen Kritik so anzubringen, dass sie nicht beleidigend oder herabwürdigend ist, sondern zu einem besseren Verständnis führt. Es hilft dabei den eigenen Standpunkt als „Ich“-Botschaft auszusprechen. Ich sehe… Ich empfinde… Ich fühle…
    Keine direkten Anschuldigungen oder aggressive Schlussfolgerungen ziehen, die es dem Anderen schwer machen Botschaften auf- und anzunehmen.
  • Beim Gespräch Blickkontakt aufnehmen, auf Körperhaltungen und Gesichtsausdruck achten.
  • Während des Tages immer wieder stressabbauende Tätigkeiten einfügen wie körperliche Bewegung, Entspannungstechniken wie Meditation, geführte Phantasiereisen, etc.
  • Den Tag beschließen, dass jeder seine Sorgen des Tages berichten und bewerten darf. Gemeinsam können kreative Wege besprochen und gefunden werden.
    Auf diesem Weg kann die Erkenntnis reifen, welches Gefühl hinter Verletzungen und Wut steckt und wie man mit Ängsten und Traurigkeit umgeht. So wird die Selbstverantwortung geschult, dass jeder Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen muss und Verpflichtungen eingehalten werden müssen.

Dieses oder ähnliche Programme führen zu mehr

  • Selbstsicherheit
  • Selbstbeherrschung
  • Rücksichtnahme (auch auf Schwächere)
  • Hilfsbereitschaft
  • Konfliktlösungsfähigkeit
  • Anteilnahme
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Offenheit

In den USA gibt es seit einigen Jahren Schulen, die mit großem Erfolg die Lebenskunst-Schulungen (Self Science) anbieten.

Auch in deutschen Kindertagesstätten, Schulen, Universitäten werden vermehrt Schulungen der sozialen und emotionalen Kompetenz vorangetrieben. Argumente dafür sind u.a.( Quelle: Bildung von sozialen Kompetenzen in der Schule, Gisela Steins, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, 2014)

„Soziale Kompetenzen stehen heute nicht mehr im Mittelpunkt der Erziehung; Disziplin bzw. die damit verbundenen Fähigkeiten sind out. Das bedeutet: Man kann nicht erwarten, dass Kinder bereit sind, diese Investition von sich aus zu tätigen.“

„Wir tun gut daran, diese Kulturtechniken weiterzugeben, denn von ihnen hängt ganz entscheidend die Zukunft unserer Gesellschaft ab. Viele negative Ereignisse der Menschheits-geschichte wären anders verlaufen, hätten die Beteiligten fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten eines angemesseneren Umgangs miteinander zur Verfügung gehabt.“

Emotionale Wüste

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Wenn ich den Medien Glauben schenken kann, wird mir manchmal ganz schwindelig darüber,  in welcher emotionalen Wüste wir und unsere Kinder heute leben. Verzeihen Sie mir, wenn ich so pauschal schreibe. Ich meine natürlich immer nur eine relative Ausprägung. Wenn Sie das auch empfinden oder Ihnen der Stiefel passt, dann ziehen Sie sich ihn bitte an und lesen bis zum Ende weiter.

Cocooning, ein Trend, der in den 80er des letzten Jahrhunderts beginnt.
Wenn die Welt zu stressig, kompliziert und bedrohlich wird, zieht man sich zurück in die eigenen vier Wände.
Cocooning steht auch für die schwindende Lust der Menschen hinauszugehen und Neues zu entdecken, Andersartiges und Fremdes kennen zu lernen. Täglich können wir sehen, dass die Eigenverantwortung abgegeben wird an höhere Instanzen, die Politik, das Arbeitsamt, die Gewerkschaften etc.
Cocooning steht aber auch für eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber unseren Mitmenschen in unserer Gesellschaft, die die Rechte des Individuums so betont. „Hauptsache mir geht es gut.“ Was kümmert mich mein Nachbar, meine Mitmenschen, andere Länder, die Umwelt, die Natur usw.

Die Menschen fühlen sich ungerecht behandelt. Bekommt ein Anderer einen Pfennig mehr, argwöhnen sie, dass Ihnen dieser fehlen wird. Die Grundstimmung ist niedergeschlagen und Endzeit mäßig. Gleichzeitig sind die Menschen abhängig von Führern, weil sie keine Eigenverantwortung übernehmen wollen. An Miseren sind immer die Anderen schuld.

Depressionen nehmen erschreckend zu.
Wer einsam ist, keinen anderen Menschen zum Sprechen und Austauschen hat, ist seinen Befürchtungen und Sorgen allein ausgeliefert. Das vermittelt die Angst, ungeliebt zu sein. Die Gesellschaft fordert von uns aber, dass wir immer perfekt funktionieren. Die so suggerierte Unzulänglichkeit gepaart mit mangelnder Anerkennung und Liebe kann zu ernsthaften Depressionen führen.

Aufmerksamkeits- und Denkprobleme sind nicht allein ein Problem unserer ADHS-Kinder.
Viele Erwachsene können nicht still sitzen, sich nicht konzentrieren, sind nervös, erledigen ihre Aufgaben schlampig. Gleichzeitig dreht sich ihr Gedankenkarussell ohne Unterlass um unrealistische, unerfüllbare Träume, impulsives Handeln eingeschlossen. Da wird gekauft ohne zu bedenken, wie das bezahlt werden kann.

Aggressivität und Straffälligkeit nehmen eklatant zu.
Polizisten werden verprügelt, weil sie Falschparker erwischen. Feuerwehrmänner und Rettungssanitäter werden nicht nur bei ihrer Arbeit behindert, sondern sogar massiv körperlich angegriffen oder bedroht. Jugendliche treiben sich in Gangs herum, die sie unter Druck setzen, zu klauen, Drogen zu nehmen, zu pöbeln, zu randalieren uvm. Kinder wollen in der Schule dem Lehrer nicht gehorchen, stören den Unterricht durch schwatzen, spielen mit dem Smartphone usw. Eltern bedrohen, erpressen und schlagen die Lehrer.

Wow, was ist da passiert? Vor noch nicht allzu langer Zeit waren Lehrer und Amtspersonen noch Respektspersonen.

Und bitte, das alles ist kein Problem von ethnischen, religiösen, rassischen oder Einkommens-Gruppen. Dieses Problem ist ein weltweites unabhängig von der gesellschaftlichen Klasse. Wenn Familien, gesellschaftliche Strukturen es nicht mehr schaffen unseren Kindern und somit auch uns ein stabiles Fundament für das Leben zu geben, was können wir dann überhaupt noch ausrichten?

Da wo aus finanziellem oder gesellschaftlichem Druck beide Elternteile gezwungen werden arbeiten zu gehen, immer mehr Kinder in Ein-Eltern-Familien aufwachsen, sind diese Kinder sich selbst, dem Fernseher, Krippen und Kindertagesstätten überlassen. Die unzähligen kleinen Gesten zwischen Eltern und Kind, die dafür sorgen, dass ein Kind sich verstanden und geliebt fühlt, mit denen es Mitgefühl für andere erlernt, bleiben da auf der Strecke. Und damit die emotionale Kompetenz, die das Gefühlsleben bildet, Sicherheit vermittelt und Voraussetzung für Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit gegen Unbilden des Lebens, ist.

Deswegen brauchen wir vorbeugende Maßnahmen schon im Kindesalter, um emotionale und soziale Defizite aufzufangen und bestmöglich zu verhindern.

Im nächsten Blog-Eintrag werde ich Ihnen ein Programm vorstellen, dass sich bereits in der Praxis bewährt hat.

Übrigens:
Ja, ich habe keine Kinder. Ich kann mich aber noch richtig gut an meine Kindheit erinnern und an meine Erfahrungen, meine Bedürfnisse und meine Ängste. Ich erlebe täglich, was eine belastende Kindheit für Auswirkungen im Erwachsenenleben hat. Und deswegen wage ich oder besser muss ich wagen, aufzurütteln und vorbeugende Maßnahmen anzubieten. Auch wenn einige dieser Maßnahmen gegen unsere landläufigen gesellschaftlichen Meinungen/Einstellungen und die zurzeit vorherrschende politische Stimmung verstoßen.

Wozu man Emotionen auch gebrauchen kann

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Lachen kann ansteckend sein. Fängt einer in einer Gruppe an schallend zu lachen, stimmen meist die anderen, auch ohne zu wissen warum, in das Gelächter ein. Emotionen verhalten sich wie ein ansteckender Virus. Wir schicken mit jeder Emotion Signale aus, die subtil auf das Gegenüber wirken, leider auch Wut und Hass, Vorurteile und Aggressionen.

Ohne die Emotionen eines Gegenübers zu erkennen, sich einzufühlen und auf sie einzugehen würde keine soziale Gruppe existieren können. Das ist in Freundschaften, Ehen, Familien, Vereinen, ja im gesamten Zusammen- und Miteinanderleben so.

Menschen, die ihren Mitmenschen empathisch gegenüber treten, sind dann auch meist diejenigen, die gut führen, organisieren, mitreißen können. Sie halten eine soziale Gruppe zusammen und am Leben. Sie sind Kitt und Motor, Versteher und Richtungsweiser.

Die Grundlage dazu lernen wir schon in jüngsten Jahren. Wie wir bereits lesen konnten, können schon kleine Kinder den Schmerz anderer erkennen und tröstend auf sie einwirken. Diese Grundlage wird im weiteren Lebensverlauf immer mehr verfeinert und verbessert.

Beobachtet man eine Gruppe spielender Kinder und ein neu dazukommendes Kind, kann man schon die zukünftigen Mauerblümchen oder Partylöwen erkennen. Vorausgesetzt, das Kind hätte keine Gelegenheit, sein Verhalten anzupassen.

Was machen nun die zukünftigen Partylöwen so anders? Sie schauen erst einmal längere Zeit zu. Intuitiv erkennen sie die Regeln innerhalb der Gruppe und werden versuchen, sich möglichst ähnlich zu verhalten. Sie können erkennen, welches Kind aus der Gruppe am ehesten bereit ist, es in das Spiel zu integrieren. Vorsichtig wird das noch außenstehende Kind spiegeln, was das andere macht. Nicht von vornherein seine Regeln verkünden, sondern sich anpassen und unterordnen, den Platz annehmen, dem ihm die Gruppe zuweist. Erst später wird es seine Anregungen und Spielvorschläge einbringen. Diejenigen, die sich nicht so geschickt verhalten, werden oft mit rüden, direkten Worten zurückgewiesen: mit dir spielen wir nicht.

Die Kunst des Miteinanders ist es also zu verstehen, was empfindet der Andere. Wie kann ich mich empathisch in ihn hinein versetzen und mich durch verstehen und einfühlen „sympathisch“ machen.

Leider kann dieses Vorgehen auch manipulierend benutzt werden. Prediger, Politiker und andere Führungspersönlichkeiten können somit jede Stimmung erzeugen, die ihnen nützt, Vorurteile bestätigen, sie manifestieren, Andersartigkeit ins Abseits stellen und sogar verteufeln: Mit dir spielen wir nicht!

Wehe, wenn sie ihre „soziale Kunst“ missbrauchen.

Dann werden aus Führern – Verführer, aus Verstehern – Despoten, aus Richtungsweisern – Untergangsauslöser.

Die Biologie der Empathie

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Anhand von Gesichtsausdrücken können die meisten Menschen nachempfinden, was ein andere Mensch empfindet. Und das ist für unser friedliches Zusammenleben sehr wichtig.

Wie oft in der Forschung kommt jemand durch Beobachten, durch Forschen mit Tieren und durch Verletzungen oder mehr oder weniger gelungene Operationen beim Menschen auf neue Erkenntnisse. Die Forschung mit Tieren ist ein probates Mittel. So kam Leslie Brothers, Psychiater am California Institute of Technology, bei Versuchen mit Rhesusaffen auf empathisches Verhalten. In diesem Versuch brachte man Rhesusaffen bei, dass ein bestimmter Ton mit einem schmerzhaften Stromstoß verbunden war. Danach zeigt man ihnen, dass der Stromstoß zu vermeiden war, wenn sie einen Hebel betätigten. Danach setzte man zwei Affen in getrennte Käfige, zwischen denen nur eine Sichtverbindung bestand, aber kein Ton zu hören war. Dem ersten Affen wurde der Ton vorgespielt, dieser zeigte den Ausdruck von Angst. In dem Moment wie der zweite Affe den Gesichtsausdruck sah, betätigte er den Hebel, um den Stromstoß für den ersten Affen zu verhindern.
DAS IST EIN AKT DER EMPATHIE.

Man fand im Weiteren heraus, dass bestimmte Bereiche der Sehrinde mit bestimmten Bereichen des Mandelkerns verbunden sind und die Geste eines Gegenübers genau dort bewertet wurde. Die Emotionen eines anderen nachzufühlen macht es erst möglich, dass eine Gruppe von Affen friedlich zusammenleben kann.

Eine ähnliche Beobachtung wurde vom Psychologen Robert Levenson, Universität von Kalifornien, bei Ehepaaren gemacht. Die Ehepaare sollten erraten, was der Partner während einer hitzigen Auseinandersetzung empfindet. Dabei wurden die Ehepartner gefilmt und ihre Reaktionen wie Hautfeuchtigkeit, Herzschlag, Blutdruck, Atmung etc. aufgezeichnet.

Dann spielte man die Filme jedem Partner noch einmal getrennt vor. Diejenigen unter ihnen, die sich in das Empfinden und Gefühl des Partners hineinversetzen konnten und die Reaktion richtig bewerteten, hatten harmonische körperliche Reaktionen. Also, wenn der Herzschlag des Beobachteten sich in den ursprünglichen Aufzeichnungen verlangsamte, oder die Haut feucht wurde, reagierte der Beobachtende mit den gleichen Reaktionen.

Die Partner, die beim Ansehen des Filmes wieder reagierten wie in der Auseinandersetzung, lagen in der Bewertung der Empfindungen des anderen daneben.

Daraus wurde gefolgert, wenn das emotionale Gehirn eine starke Reaktion zum Beispiel Zorn oder Wut im Körper auslöst, ist die Empathie offensichtlich stark eingeschränkt. Empathie setzt voraus, dass man sich auf seinen Gegenüber einlassen kann, ohne die eigenen Gefühle Oberhand nehmen zu lassen. Nur dann kann das emotionale Gehirn die subtilen Signale des anderen Menschen aufnehmen und nachfühlen.

Eine Erkenntnis, die mich ein bisschen betroffen macht. Wie wird der egozentrische Lebensstil unserer modernen Gesellschaft damit umgehen? Müssen wir etwas ändern?

Warten wir bis zum nächsten Freitag.

Die Physiologie der Wut

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Eine Zen-Geschichte erzählt am besten etwas über Wut und Beherrschung.

>> Ein großer, harter Samurai ging einmal einen kleinen Mönch besuchen. „Mönch“, sagte er in einem Ton, der sofortigen Gehorsam gewohnt ist, „lehre mich etwas über Himmel und Hölle.“

Der Mönch sah zu dem mächtigen Krieger auf und entgegnete voller Verachtung: „Dich etwas über Himmel und Hölle lehren? Überhaupt nichts kann ich dich lehren. Du bist schmutzig. Du stinkst. Deine Klinge ist rostig. Du bist eine Scham und Schande für die Klasse der Samurais. Geh mir aus den Augen. Ich kann dich nicht ertragen.“

Der Samurai war wütend. Er zitterte, wurde ganz rot im Gesicht, war sprachlos vor Wut. Er zog sein Schwert und hob es in die Höhe, um den Mönch damit zu erschlagen.

„Das ist die Hölle“, sagte der Mönch sanft.

Der Samurai war überwältigt. Das Mitgefühl und die Ergebenheit dieses kleinen Mannes, der sein Leben hergab, um ihm diese Lehre zu geben und ihm die Hölle zu zeigen! Langsam senkte er sein Schwert, erfüllt von Dankbarkeit und plötzlichem Frieden.

„Und das ist der Himmel“, sagte der Mönch sanft. <<
http://www.kusunoki.de/geschichten/geschichte022.htm

Zorn entspricht dem Kampf-Anteil der Kampf-Flucht-Reaktion, die der Mandelkern auslöst.  Dabei muss ein Kampf-Auslöser keine wirkliche körperliche Gefährdung sein, sondern die Reaktion kann auch durch Beleidigung, die Vereitelung eines vermeintlich wichtigen Zieles, Erniedrigung, durch die Bedrohung der Selbstachtung und der Würde hervorgerufen werden.

Wenn eine betroffene Person das so wahrnimmt (und Wahrnehmung ist immer subjektiv), dann setzt das limbische System einen Kraftstoß mittels des Stresshormons ACTH im Körper frei, der diesen auf kraftvollen Kampf oder schnelle Flucht vorbereitet, je nachdem wie er sein Gegenüber einschätzt. Dieser Kraftstoß hält einige Minuten an.

Gleichzeitig werden vom Mandelkern eine Mischung aus Adrenalin, Noradrenalin und weiteren Stoffen in den Kreislauf ausgeschüttet. Diese Mischung hält Stunden sogar Tage an. Das emotionale Gehirn wird in einem Zustand der Erregung gehalten.

Wurde nun der betroffene Mensch bereits vor der eingetretenen Bedrohung provoziert oder verärgert, so schaukelt sich der Erregungszustand hoch. Bis ein kleiner weiterer Anlass das System zum Überlaufen  bringt: ein Wutanfall.

Zorn nährt Zorn: Eine Woge, die noch nicht verebbt ist, schaukel sich hoch mit der nächsten Ausschüttung des körpereignen Hormon-Cocktails. Das emotionale Gehirn läuft heiß. Es kann durch keine Vernunft mehr gebremst werden. Der wütende Mensch greift auf die übelsten Reaktionen zurück, die ihm das Leben je beigebracht hat.

Zorn kann an zwei Stellen besänftigt werden. Sofort, wenn das erste Gefühl einer Zorneswallung auftaucht, kann darauf eingegangen werden, in dem das Gefühl „thematisiert“ wird. Es wird hinterfragt und in Frage gestellt. Dazu braucht man allerdings Übung.

Danach wird es deutlich schwieriger. Wir wissen, dass Zorn Zorn nährt. Dem Wutentbranntem darf auf keinen Fall weiter Öl ins Feuer geschüttet und damit sein Erregungszustand weiter erhöht werden. Wie meine Großmutter gesagt hätte, ein Feuer brennt allein nicht lange. Deswegen ist es oft sinnvoll sich aus der belastenden Situation wie einem Streit oder ähnlichem zu entfernen. Ein Spaziergang in der Natur, wenn einem der Wind ordentlich durch das Gehirn bläst, kann deeskalierend wirken.

Wer schon Entspannungstechniken beherrscht, kann auch diese anwenden. Der Rat „bis 10 zählen und erst dann antworten“, kann genauso regulieren wie „einmal um den Block rennen“, Spielen oder eine Betätigung, die uns normalerweise Freude macht.

Alle diese Methoden wirken am besten, wenn man sie schon beim ersten Auftauchen von zornigen Gedanken einsetzt. Dazu muss man zuvor lernen, die ersten Anzeichen richtig zu werten.

Damit wollen wir uns nächste Woche beschäftigen.

Wut-entbrannt und Hass-erfüllt?

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Was macht uns eigentlich wütend? Wie entsteht aus einer „normalen“ Emotion die überbordende Wut? Wie kann Wut in Hass überschlagen? Was passiert da mit uns? Haben Wut und Hass in der evolutionären Weiterentwicklung eine Daseins-Berechtigung?

Fragen, die sich mir immer wieder stellen, wenn ich Nachrichten über Wutbürger, Amokläufer, aufgebrachte Menschenmengen, radikalisierte Demonstranten, etc. lese, höre oder sehe.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es 4 Grund-Emotionen gibt, die jeder Mensch auf dieser Welt versteht: Furcht, Zorn, Trauer und Glück.

Wut und Hass gehören zu der emotionalen Kategorie „Zorn“, in der sich auch Empörung, Groll, Aufgebrachtheit, Entrüstung, Verärgerung, Erbitterung, Verletztheit, Verdrossenheit, Reizbarkeit, Feindseligkeit, aber auch im Extremfall Hass und Gewaltätigkeit befinden.

Finden wir nicht schon bei dieser Aufzählung Parallelen zu unseren Nachrichten?

Paul Ekman, ein amerikanischer Anthropholge und Psychologe, sagte zum Zorn: „Zorn ist die gefährlichste Emotion. Der ungebremste Zorn ist heute eines der großen Probleme, die die Gesellschaft zerstören. Unsere Emotionen haben sich in einer Zeit entwickelt, als wir noch nicht die Technik hatten, sie wirkungsvoll umzusetzen. Wenn man in vorgeschichtlichen Zeiten einen Wutanfall und einen Moment lang Lust hatte, jemanden umzubringen, war das nicht so einfach. Doch heute ist das ganz einfach geworden.“

Was läuft im Gehirn ab, wenn wir wütend werden?

Wenn wir etwas sehen, hören oder riechen sendet unser Gehirn einen Teil der Informationen direkt an den Mandelkern. Der Mandelkern ist der Bereich unserer emotionalen Erinnerungen. Er hat abgespeichert, ob wir uns zur Flucht oder zum Angriff rüsten müssen. Bevor sozusagen unser Verstand einsetzt, werden u.U. lebensrettende Maßnahmen sofort eingeleitet. Das ist ja auch notwendig, wenn wir einem gefährlichen Tier begegnen oder einer sonstigen gefährlichen Situation gegenüber stehen.

Erst danach wird die vollständige Information verarbeitet, unser „Verstand“ übernimmt die Kontrolle und korrigiert die vielleicht inadäquate Reaktion, in dem er sie neu beurteilt.

Überschäumende Emotionen des Mandelkerns werden im präfrontalen Kortex, also dem, was sich hinter unserer Stirn verbirgt, gezügelt. Dieser „Manager unserer Emotionen“ beauftragt  gleich eine „Kosten-Nutzen-Analyse“ aller erdenklichen Reaktionen und wählt den „Best-Case“ aus. Für den Best-Case haben wir Menschen ein großes Repertoire  zur Verfügung. Wir können beschwichtigen, überreden, um Sympathie werben, Schuldgefühle beim Gegenüber erzeugen, jammern, Verachtung zeigen, stören, behindern, verhindern, weglaufen oder angreifen.

Der Manager unserer Emotionen wird im Laufe eines Lebens geschult. Dabei hat unsere Kindheit einen wesentlichen Einfluss auf die Muster, die wir zur Reaktion auf Situationen zur Verfügung haben.

Die erste Lektion, die schon im Kleinkindalter gelernt wird, ist sich bei Aufregungen selbst beruhigen zu können. Säuglinge werden noch von den Eltern oder einer Betreuungsperson auf den Arm genommen und gewiegt, bis sie sich beruhigen. Dank dieser Erfahrung beginnt das Kind zu lernen, wie es dies auch allein erreichen kann.

Im Kindesalter können Eltern ihren Kindern weiter zeigen, wie man über seine Gefühle sprechen kann, dass emotionales „Fehlverhalten“ nicht gemaßregelt wird, sondern Problemlösungen angeboten werden.

Eltern oder Betreuer vermitteln also die wichtigsten Lektionen und bringen ihnen emotionale Gewohnheiten bei. So können sich die Verantwortlichen auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder einstimmen und diese befriedigen. Auch wenn eine Bestrafung notwendig wird, kann man dem Kind Empathie entgegenbringen und auf die Not des Kindes eingehen. Das ist auf jeden Fall wirkungsvoller, als die Not zu ignorieren und es durch Brüllen und Schlagen willkürlich zu bestrafen.

Im Kindesalter werden also schon die Schalter umgelegt, wie ein Mensch in seinem weiteren Leben reagieren wird. Glücklicherweise bleibt das menschliche Gehirn ein Leben lang lernfähig und kann alte Verhaltensweisen durch neue ersetzen. Das dauert dann aber ein bisschen länger und kann bis dahin viel Leid erzeugen.

Wenn ich kleine Geschichten aus meinem Umfeld höre, dann denke ich oft, was ist da bei der Erziehung schief gelaufen? Oder bin ich nur ein Traumtänzer, der nicht akzeptieren will, dass Wut und Hass zu unserem Leben dazu gehören?

Versucht einmal eure Gefühle zu erkennen und sie zu benennen. Wie drücken sich die Gefühle aus? Wie heftig sind sie? Wie könntet ihr anders damit umgehen? Versucht eure Impulse zu zügeln.

Was glaubt ihr, sind die nachfolgenden Reaktionen angemessen? Wer schädigt sich am meisten?

  • Ein älteres Ehepaar verkauft sein Haus,  das es schon seit über 40 Jahren bewohnt, weil im Nachbarhaus Asylbewerber eingezogen sind.
  • Mit Halbwissen werden Meinungen in sozialen Netzwerken verteilt, die bei genauerer Betrachtung nicht haltbar sind.
  • Verschwörungstheorien verbreiten Angst unter den Leichtgläubigen.
  • Vorm „Anderssein“, ob Glaube oder Äußeres, wird gewarnt und möglichst negativ ausgeschmückt, obwohl nicht eine einzige „Berührung“ zum Andersartigen stattgefunden hat.
  • Auf einem Klosterhof werden schwarze Kinder geschnitten. Man steht sogar auf, wenn diese sich auf eine Bank setzen.
  • Spielenden Kindern im Sandkasten wird von „weißen“ Müttern das Spielzeug aus der Hand gerissen und die eigenen Kinder weg gezogen.
  • Beim Erdkundeunterricht drehen sich alle zu dem einzigen farbigen Kind um, wenn über die Armut und das „primitive“ Leben gesprochen wird.
  • Bei der Wiedervereinigungsfeier halten junge Burschen Plakate hoch, auf denen steht „aus Ostpreußen vertrieben“. Nach Adam Riese ist das nicht möglich. Das können höchstens Eltern, eher Groß- oder Urgroßeltern sein.

Viel besser wären eine positive Einstellung zum Leben, Kommunikation, die Sichtweisen anderer verstehen und eine realistische Selbstwahrnehmung mit realistischen Erwartungen.

Lassen Sie uns in den nächsten Wochen damit arbeiten.