Prinzip versus Glaubenssatz

Ich habe ein Prinzip, das heißt:
Schlafe eine Nacht über einen Vertragsabschluss.

Klar, meist habe ich mich schon lange entschieden und doch überlasse ich meinem inneren Team gern die Nacht, damit alles noch einmal, während ich schlafe, ausdiskutiert wird.

Ihr wisst, das innere Team besteht aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, dem Visionär, dem Kritiker, dem Praktiker usw. Während des Schlafes wird in der sogenannten REM-Phase (rapid eye movement) aufgeräumt, sortiert, abgespeichert. Wer aufräumt, sortiert und abspeichert muss auch bewerten, was wird weggeworfen, was aufbewahrt, was kommt in den Kurzzeitspeicher, was in den Langzeitspeicher.

Noch etwas ganz Wichtiges passiert im Schlaf. Im „Traumzustand“ erzeugt das Gehirn vermehrt Theta-Wellen. Wir haben Zugang zu unserem Unterbewusstsein, zu unserer Kreativität und zu unseren Erinnerungen. Spontane Lösungen für Probleme, über die wir vielleicht schon mehrere Tage im Wachzustand gegrübelt haben, stammen meist aus diesem Theta-Bereich. Warum sollte ich auf diese Unterstützung verzichten?

Nun meinte diese Woche ein gut geschulter Verkäufer zu mir, dass er solche „Glaubenssätze“ längst über Bord geschmissen hätte. Diese Glaubenssätze wären nur hinderlich (für wen?) und würden mich begrenzen.

Uups, psychologisches Halbwissen versus Lebenserfahrung?

Ja, so sehe ich das!

Prinzipien sind Regeln und ein Grundgerüst, welche mir das Leben erleichtern. Aus zwei Gründen: Zunächst vereinfacht es das Leben, weil die Prinzipien mir eine „Gebrauchsanleitung“ für wichtige Lebenssituationen zur Verfügung stellen. Prinzipien basieren meist auf Erfahrungen, auf guten oder schlechten, denen man mit dem Prinzip begegnet.

Glaubenssätze basieren ebenfalls auf Erfahrungen, auf guten, dann unterstützen sie uns in unserem Verhalten wie die Prinzipien, und auf schlechten, dann erzeugen sie u. U. immer wieder nachteiliges Verhalten. Glaubenssätze sind oft von außen eingegeben, wie „Mädchen haben keinen Zugang zu Mathematik oder Technik“, „das kannst du nicht“, „wenn du dich nicht anstrengst wird nie etwas aus dir“, „du wirst wie dein Vater enden (nämlich als Alkoholiker in der Gosse)“ und so weiter.

Negative Glaubenssätze schränken uns wirklich ein und leider hat ein Glaubenssatz uns oft so besetzt, dass wir ihn als unsere persönliche Wirklichkeit annehmen. Als „Erziehungsmaßnahme“ dahin geplaudert können sie katastrophale Auswirkungen für ein ganzes Leben haben. Gerade wenn sie von Autoritäten wie Eltern, Lehrer, Pfarrer oder noch schlimmer von Arzt und Ärztin ausgesprochen werden oder innerhalb einer Gemeinschaft, die wichtig für uns ist.

Negative Glaubenssätze sollten, weil sie uns (unbewusst) Angst und Unwohlsein einflößen, mit psychologischer Hilfe aufgelöst werden, z. B. welchen Wahrheitsgehalt haben sie wirklich im heutigen Leben für uns, halten sie überhaupt der Wirklichkeit stand?

Auf jeden Fall sollten wir immer in uns hinein hören:
Ist das, was du glaubst eine echte Hilfe und Halt für dich? Bewährt sich diese Regel in vielen Lebenssituationen? Oder fühlst du ein Unwohlsein in dir aufkommen? Erzeugt der Glaube an die Regel sogar Angst und Übelkeit? Dann sollte diese Regel ganz schnell auf den Prüfstand.

Ich halte es da mit Wilhelm Busch:

Wenn mir aber was nicht lieb,
Weg damit! ist mein Prinzip.

Wie seht ihr das? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir von euren Erfahrungen, Meinungen etc. berichten würdet.

Heiße Sonne – kaltes Herz

Dieses Jahr 2018 meint es richtig gut mit uns. Die Sonne schien schon im April aus allen Knopflöchern. Ich konnte schon sehr früh in den Garten. Sogar die Pflanzen, die sonst bis nach den Eisheiligen auf die frische Luft warten müssen, konnten früher hinaus in die Welt. Die Blumen blühen wirklich üppig und Beerensträucher und Obstbäume haben rekordverdächtig Früchte angesetzt.

Herz, was willst du mehr!

Schlage ich Zeitungen auf, schalte ich Radio oder TV ein, dann schlägt mir allerdings eine eisige Kälte entgegen. Von Tag zu Tag verstärkt sich mein Eindruck, dass wir im Umgang miteinander gerade einen Weg einschlagen, der nichts mit Wärme, Mitgefühl oder Hilfsbereitschaft zu tun hat.

Das erlebe ich im täglichen Leben in der Nachbarschaft. Eigentlich interessiert sich keiner für den anderen. Rücksichtnahme? Wozu? Ich bin doch ein freier Bürger und darf das tun, was mir gefällt. Regeln? Fehlanzeige. Wer sich an Regeln hält, ist doch selbst schuld. Eigentlich kann man schon froh sein, wenn man einfach ignoriert wird.

Noch schlimmer geht es in den sogenannten sozialen Medien zu. Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen, Entgleisungen jeglicher Art sind gang und gäbe.

Aber nicht umsonst heißt es:
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
… und  ein Kreuz eben noch keinen Christen …

Wo ist unsere Kultur geblieben? Die Kultur, die andere leiten soll?

Die letzte Spitzenveranstaltung war für mich der Konflikt zwischen unserem Innenminister und unserer Kanzlerin. Persönliche Beleidigungen, gezielte Diffamierungen ohne Sachbezug gegen die Kanzlerin von Deutschland … Also, in der Industrie oder in jedem kleinem Handwerksbetrieb wäre ein solcher Stänker fristlos gekündigt worden. Selbst die Firmenpension wäre ihm gestrichen worden.

Natürlich darf und muss man sich im Leben wie in der Politik auseinandersetzen. Natürlich darf man streiten das die Fetzen fliegen. Da wo zwei Menschen zusammenkommen, treffen auch immer zwei Meinungen und Ansichten aufeinander.

In der Partnerschaft weiß wohl jeder, dass Verletzungen nicht so leicht wieder zu kitten sind. Ein kleiner Stachel bleibt und die Wunde bricht beim nächsten Konflikt wieder auf, meist noch viel mächtiger als ursprünglich.

Aber öffentlich, unter gebildeten Menschen, sollte man doch meinen, dass die Fähigkeit trainiert wird, um eine Sache zu diskutieren.

Dies wäre aus meiner Sicht ein notwendiges Thema im Kindergarten, in der Schule, in der Arbeit, in der Familie. Lasst uns alle zusammen lernen wie wir miteinander streiten ohne zu beleidigen, ohne jemanden nieder zu machen oder sogar zu verletzen, seelisch oder körperlich.

Da wo die Sonne zurzeit heiß scheint, ist das Herz eiskalt oder vielleicht schon ganz und gar weg. Wo ist die Liebe hin? Anstelle von Mitgefühl und Freude tragen die Menschen Wut und Verachtung in der Brust. Die Volksvertreter, besonders ihre Führer, schüren Zwietracht und Hass, sprechen bewusst oder auch unbewusst das Niedrige, Abgründige, Böse in uns an. Steht uns eine traurige Zukunft bevor?

Ich beginne am besten im Kindergarten (ach ja, ich vergesse immer, dass ein Kindergarten heutzutage eine Kita ist), weil das richtige Streiten nur sehr, sehr selten in der Familie erlernt werden kann. Da ist das Machtspiel zwischen den Partnern oft schon am Toben. Vorleben ist also nicht.

Deswegen ist auch im Kindergarten nicht zu erwarten, dass die Tanten (Erzieherinnen) das ohne vorherige Schulung können. Gut, beginnen wir also bei der Ausbildung der Erzieherinnen. Oder doch eher wo anders?

Und wie? Wie die Wut, den Hass, die Diffamierung überwinden, die manchmal schon am Gartenzaun beginnen?

Wisst ihr was? Das und vieles mehr verrate ich euch bald.

All das gehört nämlich zu meinem neuen Projekt, was gerade im Entstehen ist:

„Mehr Mitgefühl – weniger Gier, mit Mitmenschen und der Natur“
ein  Weg zu einer fürsorglichen Gesellschaft.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen diese Phase des Hasses und der Wut mit ein bisschen Unterstützung hinter sich lassen können. Sie können sich weiterentwickeln. Klüger werden. Verstehen, dass Wut, Hass und Verachtung ihnen selbst schaden. Sie werden beginnen, zusammen zu halten, in einer fürsorglichen Gemeinschaft leben.

Alles andere wäre ja Leben ohne jeglichen Sinn.

Das innere Team

Stellt euch vor, ihr habt ein Problem, was ihr lösen müsst. Sagen wir mal, ihr wollt einen tollen Urlaub machen.

Habt ihr euch schon einmal überlegt, was da so in eurem Inneren abgeht? Wahrscheinlich melden sich  viele innere Stimmen, die mitdiskutieren wollen.

Als erstes legt wahrscheinlich der große Träumer oder Visionär los. Er sieht vielleicht sofort, wie ihr in der warmen Sonne am Strand liegt, unter einer Palme, einen Drink in der Hand, während das Rauschen des Meeres in euren Ohren klingt. Vielleicht sieht der Träumer auch schon das Hotel im Hintergrund, kleine Bungalows mit einem Himmelbett, aus dem ihr direkt auf das Meer schauen könnt und davor euer persönlicher Swimmingpool.

An der Stelle kommt ein sorgenvoller Angsthase (Pessimist), der aufgeregt die Arme schwingt. Während er näher kommt, hört ihr, wie er ruft: wer soll das bezahlen. Das ganze Jahr musst du wieder dafür arbeiten und hast wieder keinen Cent mehr für die anderen vielen wichtigen Dinge in deinem Leben übrig.

Puh, was nun?

Da erscheint in dir ein selbstbewusst aussehendes Wesen, der Techniker oder Praktiker. Er läuft zum Reisebüro und kommt mit einem Stapel voller Prospekte zurück. Alle sind gefüllt mit Palmenstränden. Er liest und rechnet. Der Blick auf die Preise zeigt, mit ein paar Abstrichen ist das machbar.

Schon steht der Umsetzer bereit. Er holt die Koffer vom Kleiderschrank und sortiert, was mit genommen werden soll.

Na, kennt ihr das?

Vielleicht tauchen auch einige andere von euren inneren Anteilen auf.

Vielleicht die exzentrische Diva, die ruft, ich will aber alles!

Oder der Optimist, der sagt, ist noch immer gut gegangen.

Oder der Sorglose, der sagt, lasst uns doch erstmals loslegen, dann wird es schon weiter gehen.

Ganz hinten im Eck sitzt der Beobachter, der alles nur beobachtet und noch nicht weiß, wie er sich verhalten soll.

Und zum guten Schluss taucht der Glückliche auf. Alles ist geplant, auf Machbarkeit geprüft, vielleicht eine Nummer kleiner als erträumt, was auch den Pessimisten beruhigt, der Koffer ist gepackt. Los geht es! Ganz ohne Sorgen!

Damit das auch wirklich funktioniert, gibt es gute Methoden, die eine Vision entstehen lassen, einen Plan vorbereiten und die Umsetzung kontrollieren.

Eine Methode ist nach Walt Disney benannt. Er nutzte mehrere Stühle und auf jedem Stuhl ließ er nur einen inneren Teil sprechen.

Auch die 6 Denkhüte von de Bono lassen sich für unser inneres Team einsetzen

Vielleicht willst du auch einfach einmal nur ausprobieren, wer dein inneres Team ist und wie es denkt und handelt. So kannst du dich richtig kennen lernen.

Also, am 28.07.2018 könnt ihr in einem Workshop euer inneres Team mal richtig kennen und vor allen Dingen, nutzen und steuern lernen.

Informationen findet ihr hier Seminar „Das innere Team“ auf Seite 21.

Natürlich leite ich euch auch gern persönlich in einer Coaching-Sitzung an.

Deine innere Weisheit

Wisst ihr, welche schier unvorstellbare schöpferische Kraft unser Unterbewusstes besitzt?

Diese innere Weisheit, die tief in uns sitzt, hat ein Potential, das unserem bewussten Denken, Wollen und Wünschen weit überlegen ist.

Spitzensportler, Leistungsträger aller Art, viele schillernde, erfolgreiche Persönlichkeiten und Ausnahmetalente wissen dies längst und machen sich diese innere Kraft, unsere innere Weisheit, durch Selbsthypnose, Autosuggestion und andere gezielte mentale Übungen zum Verbündeten. Sie lassen sich von ihrer inneren Weisheit führen und helfen.

Warum sollten wir darauf verzichten?

Jeder kann erlernen auf seine innere Weisheit wie auf einen kleinen, eingebauten inneren Helfer zu vertrauen. Das klappt bei dem einen sehr schnell, eine anderer muss länger und ausdauernd üben, bevor er Zugang zu seinem inneren Potential bekommt.

Ich persönlich meditiere dafür täglich und übe so täglich meine innere Weisheit zu erkennen und sie wahrzunehmen, wenn sie zu mir spricht. Am besten ist, man widmet sich in der Meditation einem Thema, das einen gerade bewegt und geht anschließend achtsam durch den Tag.

Ihr werdet erstaunt sein, wie schnell ihr dann eure innere Weisheit reden hört!

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß wahrscheinlich, dass ich zu diesem Thema ein Buch verfasst habe: „Entdecke deinen inneren Helfer“. In dem Buch sind viele Anwendungen und Wege aufgezeigt.

Für Menschen, die lieber mit einer Lehrerin den Weg zu ihrer inneren Weisheit finden möchten, habe ich einen Workshop entwickelt.

Hier begeben wir uns gemeinsam auf eine Reise der besonderen Art und lernen unser Unterbewusstsein näher kennen. Wir entdecken gemeinsam die Kraft, die in jedem von uns steckt und machen die Erfahrung einer intensiven und verfeinerten Wahrnehmung in allen  Lebensbereichen.

Wir bekommen Antworten auf die Fragen:
Wie kann uns unser innerer Helfer bei der Erhaltung unserer Gesundheit, bei unserer persönlichen Entwicklung, in unserem beruflichen Umfeld und beim Erreichen unseres inneren Gleichgewichts helfen?

Der Workshop findet erstmalig am 08. Juli 2018 an der Paracelsus-Schule in Augsburg statt. Ich freue mich darauf euch persönlich begleiten zu dürfen. Genaue Daten könnt ihr hier nachlesen: Workshop „Entdecke deinen inneren Helfer“ .
Wer noch Fragen dazu hat, die sind herzlich willkommen.

Und für die, die gerade nicht in Augsburg und Umgebung zu Hause sind, auch für euch werde ich eine Lösung finden. Meldet doch einfach euer Interesse an.

Aus NEGATIV mach POSITIV !

 

Oder wie kann ich erreichen, dass ich die Ereignisse, die mich immer wieder aus der Fassung bringen, gelassener betrachte und sie mich nicht mehr aufregen oder traurig stimmen?

Es wird immer wieder in unserem Leben Ereignisse geben, die bei uns negativen emotionalen Stress auslösen. Das sind Momente, in denen wir einem bestimmten Druck ausgesetzt sind. z.B. einem Zeit- oder Leistungsdruck, die uns erschöpft zurück lassen. Momente, in denen wir uns ausgeliefert, ausweglos und hilflos fühlen. Momente, in denen wir uns wertlos, verlassen und einsam fühlen. Momente, in denen wir uns schuldig fühlen, in denen wir uns schämen. Aber auch Momente, die uns wütend und ärgerlich machen.

All diese Momente haben eines gemeinsam. Negative Überzeugungen, die tief in unserem Unterbewusstsein über uns schlummern, dringen ungefragt in unser Bewusstsein und lösen die Katastrophenstimmung in uns aus und verstärken sie zusätzlich.

So negativ diese Situationen sind, haben wir dennoch die Chance, gerade in ihnen und mit ihnen, eine positive Veränderung mit Hilfe einer anderen Betrachtungsweise zu erreichen. So wie Epiktet (um 100 nach Chr.) sagte:

„Nicht die Dinge an sich regen uns auf,
sondern die Art und Weise, wie wir sie betrachten.“

Ich weiß (aus eigener Erfahrung), dass es manchmal nicht so leicht klappen will, wie die Theorie sich anhört, aber mit ein bisschen Übung wird es von Mal zu Mal leichter und einfacher. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also, nicht schon beim ersten Mal aufgeben und sagen, das geht bei mir nicht, sondern immer wieder versuchen und von Mal zu Mal besser werden.

Nun zur Theorie!

Schritt 1:
Wenn gerade so richtig schlechte Gefühle auftauchen, nehmt ein Blatt Papier zur Hand und unterteilt es in der Mitte. In die linke Spalte werden nun alle negativen Gefühle aufgeschrieben. Geht ruhig richtig in das miese Gefühl hinein, weint, schreit, was immer euch in den Sinn kommt. Aber schreibt es auf! Alle Sorgen, alle Unruhen, alle Ängste, usw.

Schritt 2:
Wenn der Zettel mit mindestens fünf Gedanken gefüllt ist, dann stellt euch folgende Fragen zu jedem einzelnen Gedanken.
Hilft mir der Gedanke mein Problem zu lösen?
Hilft mir der Gedanke mein Ziel zu erreichen?
Hilft mir der Gedanke mich so zu fühlen, wie ich mich gern fühlen würde?
Entspricht der Gedanke wirklich den Tatsachen?

Schritt 3:
Wenn ihr die Fragen mindestens dreimal mit JA beantwortet habt, dann gibt es eigentlich nichts mehr weiter zu tun.
Ist das nicht der Fall, dann nehmt das Blatt Papier wieder zur Hand und schreibt in die rechte Spalte, welche Gedanken besser zur Lösung, Zielerreichung, für bessere Gefühle wären und kommt auf den Boden der Tatsachen zurück.

Schritt 4:
Nehmt immer wieder den Zettel zur Hand und lest euch laut vor, welche positive Sichtweise gut für euch wäre. Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass es ungefähr 21 Tage braucht, bevor sich eine „gesunde“ Sichtweise auch im Unterbewusstsein verankert hat.

Nun könnt ihr sicher sein, dass Situationen, die euch bisher beunruhigt haben, weniger oder gar keine negativen Empfindungen auslösen werden.

Ein positiver Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist, dass wir unsere Gedanken viel besser beobachten. Wir erlernen so ganz nebenbei, dass wir Herr über unsere Gedanken werden können. Und so wie wir uns unser Fernsehprogramm selbst auswählen und umschalten, wenn es uns nicht gefällt, so lernen wir unsere Gedanken zu steuern.

Nur nicht ungeduldig werden!
Wenn wir über Jahre unser Gehirn trainiert haben, Angstgedanken zu wiederholen, dann braucht es seine Zeit und Übung stattdessen unsere Hoffnungen zu bestärken.

Und denkt dran, hier geht es nicht um eine sportliche Leistung sondern um die Zufriedenheit in eurem Leben.

Warum es sich lohnt nach dem Anfang zu suchen: Abhängigkeit

Süchte gibt es viele und viele sind so gar nicht als Sucht bekannt. Vielleicht erfüllen sie auch nicht alle Kriterien einer Sucht und sind so normal, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass so etwas von so was kommt.

Und doch laufen sie mir immer wieder über den Weg. Wie gesagt, vielleicht sind es nach der reinen Lehre auch keine Süchte. Nennen wir es Abhängigkeit. Wobei Sucht und Abhängigkeit Synonyme sind.

Gemäß Definition der WHO im ICD-10 existiert eine Abhängigkeit, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.
  • Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
  • Nachweis einer Toleranz, im Sinne von erhöhten Dosen, die erforderlich sind, um die ursprüngliche durch niedrigere Dosen erreichte Wirkung hervorzurufen.
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Konsums sowie ein erhöhter Zeitaufwand, um zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
  • Anhaltender Konsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen.

Da kann man sich schon die Frage stellen, sind es immer Stoffe, die in die Abhängigkeit treiben oder können es auch soziale Beziehungen sein.

Ist ein Mann oder eine Frau abhängig von seiner Partnerin oder von ihrem Partner, wenn er oder sie verrückte Sachen ausführt um zu gefallen oder nicht allein zu sein?

Wo ist die Schwelle zwischen einer „normalen“ Beziehung, auch unter Freunden und Freundinnen, zu einer Abhängigkeit? Wann endet Liebe und Freundschaft und wo beginnt die Abhängigkeit?

Jeder von uns wird sicher schon einmal erlebt haben, dass er mehr in eine Beziehung einbringt als er zurückbekommt. In einer gesunden Beziehung werden sich Geben und Nehmen in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Und doch gibt es Ausnahmesituationen, in denen die Waagschale sich auf einer Seite neigt. Wohlgemerkt Ausnahmesituationen, die beginnen und wieder enden und nicht eine lange Zeit andauern. Das kann eine besondere Belastung sein, wie Studium, Ausbildung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trauer uvm. Alles hat irgendwann ein Ende. Bei einer Krankheit kann es allerdings schwierig sein, wenn sie chronisch oder unheilbar ist.

Wird aus einer  Ausnahmesituation ein Dauerzustand, dann kann der Partner in eine Abhängigkeit geraten. Vielleicht ist der oder die Betroffene zunächst nicht abgeneigt mehr einzubringen. Vielleicht wird es zur Gewohnheit und beide Partner verändern sich. Der eine in den, der immer fordert und der andere, in den, der immer bereit ist zu leisten. Vielleicht, weil es ihm viel „besser“ geht, so als latentes Schuldgefühl, wo es gar keine Schuld gib, oder als falsch verstandenes „Mitleiden“, wobei das besser durch „Mitempfinden“ ersetzt werden sollte.

Warum aber wird der eine zum Despot und der andere zu einem Getretenen? Meines Erachtens stecken ähnliche Ursachen dahinter. Wenn man ein bisschen zurückschaut, werden Gemeinsamkeiten in der Kindheit und Jugendzeit aufgedeckt.

Betroffene berichten sehr häufig von folgenden Erfahrungen:

  • Sie wurden als Kind fast nie gelobt sondern kritisiert, bestraft oder sogar geschlagen.
  • Ihnen wurde das Gefühl vermittelt, nicht „richtig“ zu sein, weil ihnen immer wieder gesagt wurde, wie sie „richtig“ zu sein hätten.
  • Dadurch versuchten sie sich anzupassen, um Ärger zu vermeiden.
  • Einige wuchsen in Verhältnissen auf, in denen es kein oder kaum Interesse der Eltern an ihnen gab. Es gab zwar keine Kritik oder Strafe, aber auch keine Zuwendung. Dies ist häufig in den sogenannten besseren oder gut situierten Kreisen der Fall.
  • Es gibt auch Betroffene, die als Kind Opfer von Missbrauch wurden. Die Sucht ist in diesen Fällen oft der Versuch, Scham und Schuldgefühle zu bekämpfen.

Die Ursachen für Sucht und Abhängigkeit sind fast immer in einem Mangel an Liebe, Zuwendung und emotionaler Bindung zu suchen ist. Dieser Mangel entsteht in einer Lebensphase, in der emotionale Wärme besonders wichtig ist, in der Kindheit oder Jugend. Oft werden diese Erlebnisse bis weit ins Erwachsenenalter mit sich herumgetragen und verursachen Leid beim Betroffenen und denen, die diese lieben.

Wichtig ist es für Betroffene drei Fähigkeiten zu erlernen:

  • ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstsicherheit zu stärken
  • soziale und kommunikative Kompetenzen aufzubauen:
    Dazu gehört die Fähigkeit zu erkennen, was die anderen Menschen bewegt, wie sie sich fühlen, Konflikte zu schlichten und zu lösen, und die eigenen Bedürfnisse unterzuordnen.
  • einen Sinn im Leben zu finden und das Leben intensiv zu spüren, seine Höhen und auch seine Tiefen und diese in Dankbarkeit anzunehmen.

Die Kraft der Imagination

Manche Menschen glauben, sie könnten sich in einer Hypnose-Sitzung keine Bilder vorstellen, geschweige denn einen ganzen Film ablaufen sehen. Bestenfalls „sehen“ sie Farben. Gut, das kann so sein. In dem Fall muss man ein bisschen „üben“ und ausprobieren, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist.

Oft sind das die KlientInnen, die sich viele Gedanken machen, grübeln, sich um alles sorgen und vielleicht sogar unter Ängsten leiden oder deren Erinnerungen an Erlebnisse aus der Vergangenheit noch sehr präsent sind und sie weiter belasten.

Tatsache ist, wir alle nutzen unsere Vorstellungskraft, immer dann, wenn wir uns an Vergangenes erinnern, alle möglichen schrecklichen Szenarien ausmalen oder einfach einen Plan für die Zukunft machen.

Das große Missverständnis ist eben, dass die KlientInnen meinen, sie müssten etwas Bildhaftes vor sich sehen. Wir nehmen aber auch über andere Sinneskanäle wahr, wie riechen, schmecken, fühlen und hören. Einige Menschen haben dazu weitere Wahrnehmungen. Sie können Stimmungen spüren oder wie eine meiner Klientinnen, die Stimmungen als Farben wahrnimmt.

Wir haben also vielfältige Möglichkeiten uns etwas vorzustellen, zu imaginieren. Und wenn es für die Sorgen reicht, dann sollten wir nur üben, neben negativen Gedankengängen auch die positiven zuzulassen.

Mit nur 2 Minuten Aufwand an 21 Tagen ist die Wandlung der Denkweise des Gehirns schon möglich wie der Glücksforscher Shawn Achor sagt.

Ich empfehle Ihnen jeden Abend vor dem Schlafen 3 Dinge aufzuschreiben, die den Tag für Sie angenehm gemacht haben und für die Sie dankbar sind. Rufen Sie sich diese noch einmal  genau ins Gedächtnis. Versuchen Sie sich an so viele Wahrnehmungen wie möglich zu erinnern, was Sie gefühlt haben, was Sie gerochen haben, was Sie gehört haben, was Sie geschmeckt haben und was Sie alles gesehen haben. Nach 21 Tagen werden Sie merken, dass Ihr Gehirn die positiven Erlebnisse vor Ihrem inneren Auge wieder lebendig werden lässt.

Ihre Vorstellungskraft ist nun geweckt und wird immer stärker. Aus Gefühlen entstehen so vielleicht Farben, aus Farben Gerüche, aus Gerüchen Geschmacksrichtungen. Es ertönen Klänge und Stimmen und die Trance-Welt berührt Sie mit allen Sinnen. Bei der nächsten Hypnose-Sitzung werden Sie schnell Zugang zu Ihren inneren Filmen finden.

Wenn das Leben gerade schwierig ist

Was kann ich selber tun, wenn ich gerade in einer schwierigen Lebenssituation stecke?

Die meisten von uns haben schon als Kinder gelernt, dass wir anderen, unseren Eltern, unseren Lehrern, unseren Freunden, und später im Erwachsenenleben, unserem Partner, unseren Kindern, unserem Chef, usw. gefallen sollten. Das macht das Miteinander leichter. Aber wer fragt da nach unseren Bedürfnissen?

Was macht uns selbst eigentlich zufrieden und glücklich?

Erstaunlicherweise wissen viele Menschen das gar nicht. Sie funktionieren gemäß den Anforderungen, die an sie gestellt werden und stellen sich selbst zurück.

Oft glauben Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, dass ihnen die Kraft und die Möglichkeit fehlen, diese zu ändern. Wer seine Situation als ausweglos sieht, sucht eben nach keinem anderen Weg.

Heute möchte ich Ihnen ein paar Anregungen geben, wie Sie sich auf sich selbst besinnen können.

Führen Sie eine „Freudeliste“!

Schreiben Sie auf diese Liste ganz konkrete Aktivitäten, die Ihnen wirklich Freude bereiten. Wenn Sie die Liste lesen, sollten in Ihnen angenehme Gefühle aktiviert werden.
Hier ein paar Beispiele, die auf meiner Freudeliste stehen:

  • Kochen
  • Gärtnern
  • mit meinem Hund kuscheln
  • dem Gesang der Vögel lauschen
  • die Wolken betrachten
  • Klavier spielen
  • Musik hören
  • ein Buch lesen
  • philosophische Gespräche führen
  • meinen nächsten Blog-Beitrag formulieren
  • Freunde treffen
  • meinen Mitmenschen eine Freude machen

Versuchen Sie mindestens 50 Aktivitäten aufzuschreiben, die ihnen Freude bereiten.

Lesen Sie die Liste, wenn es Ihnen gerade nicht so gut geht und lassen Sie sich inspirieren.

Versuchen Sie möglichst viele von diesen freudvollen Aktivitäten in Ihren Tagesablauf zu integrieren. Damit üben Sie, Ihren Tag positiv zu gestalten.

Ebenso wichtig ist, dass Sie verteilt über den Tag immer wieder innehalten und sich ehrliche Antworten auf die folgende Fragen geben.

  • Wie geht es mir gerade?
  • Was sagt mir mein Körper gerade?
  • Was täte mir jetzt gut?
  • Wie kann ich es mir leichter machen?

Machen Sie es sich zur Routine, z.B. immer zur geraden/ungeraden Stunde in Ihrer Wachzeit, dieses kleine Ritual durchzuführen.

Atmen Sie dreimal tief ein und aus, ein- und aus, ein und aus. Dann beantworten Sie die Fragen.

Schon nach ein paar Tagen werden Sie bemerken, wie schön es sich anfühlt, achtsam mit sich selbst zu sein.

Wer bin ich?

Den größten Teil unseres Lebens spielen wir ein Spiel „Tun wir so, als ob“. Wir leben hinter einer Maske und versuchen, etwas zu sein, was wir nicht sind.

Nach meiner ersten größeren Beförderung, die mit der Teilnahme am wöchentlichen Jour Fixe der Führungsmannschaft verbunden war, saß ich oft in dieser Runde und sagte zu mir: „Birgitt, jetzt spielst du wieder erwachsen sein.“ Viele Überzeugungen, Regeln und Anordnungen, die hier verabschiedet wurden, entsprachen nicht meinem wahren Wesen. Ich musste nicht Mitarbeiter wie eine Zitrone auspressen, sie unter Druck setzen um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Ganz im Gegenteil, ich war und bin der Meinung, wenn man einen Gemeinschaftsinn erleben lassen kann, dann steht der eine für den anderen ein, wie bei den Musketieren: Einer für Alle und Alle für Einen. Damit lag ich in den Augen meiner Mit-Führungskollegen und Vorgesetzten leider falsch. Und irgendwie musste ich „mitmachen“.

Wir leben in einer schönen Welt des Scheins. Jeder stellt etwas dar, was er gern sein möchte oder was die Umwelt von ihm erwartet und bemerkt gar nicht, dass er zu einem Menschen aus Pappmachée wird. Wenn man anklopft ist keiner zu Hause nur hohle Luft.

Oft können wir aber nicht so schnell unsere Maske ablegen, weil wir glauben, dann stünden wir nackt und bloß vor dieser Welt. Und manchmal haben wir uns schon so an unsere Maske gewöhnt, dass wir wirklich glauben, es wäre unsere eigene Haut.

Wenn wir ein Leben leben, indem wir anderen eine Fassade vorführen, verlieren wir den Kontakt zu dem, was wir wirklich sind. Wenn wir uns auf Rollen und Masken zurückziehen, sind die Worte, die wir sagen, leer. Die Menschen werden uns zwar zuhören, aber nicht glauben.

Aber einige Menschen würden lieber sterben, als sich von ihren Masken zu trennen. Selbst Menschen, die sehr krank sind, machen sich in erster Linie Sorgen über ihr Aussehen und den Eindruck, den sie auf andere machen.

Wenn jemand die Maske, die wir tragen, in Frage stellt oder beleidigt, fühlen wir uns, als würden wir innerlich sterben. Manche Menschen würden andere töten, um ihr öffentliches Bild aufrecht zu erhalten. Einige töten sich selbst, wenn dieses Bild verschwunden ist.

Wenn jemand die Vorstellung hat, dass nur eine Meinung richtig ist, nämlich die eigene, dann sind alle anderen Meinungen per sé falsch, was wiederum bedeutet, dass viele Menschen „falsch“ sind. Ist diese Anmaßung nicht total arrogant?

Wir leben fast alle eingesponnen in eine Arroganz, die völlig unangebracht ist. Wir glauben, etwas Wertvolles, Wichtiges zu machen. Diese Selbstgerechtigkeit und dieser falsche Stolz hindert uns daran, friedlich und in Liebe miteinander zu leben.

Sollten wir uns nicht eher bemüßigen, diese Arroganz abzulegen? Alles, was wir fühlen, hassen oder ersehnen sind unsere Projektionen auf die Welt. Es wäre besser zu erforschen, woher wir die Projektionen erworben haben.

Manchmal, wenn wir älter werden, wischen die Veränderungen in unserem Leben alte Bilder weg und nehmen schließlich Masken und Spiele fort.

Wer sind wir also, wenn das, was wir zu sein vorgeben, verschwunden ist? Was wird sich dann offenbaren? Warum ist es so schwer, den wahren Menschen „ohne Rang und Namen“ zu finden und Tag für Tag mit ihm zu leben?

Lassen wir mal den „wahren Menschen ohne Rang und Namen“ in uns
zu Wort kommen.

Schreibt ein paar Seiten darüber auf, wer ihr zu sein glaubt.
Wo liegen deine Stärken und deine Schwächen? Wie und wer wollt ihr sein?

Legt diese Seite weg.

Nehmt eine neue Seite und lasst den wahren Menschen ohne Rang und Namen sprechen und sagen, was er darüber denkt.

Die Macht der Demütigung

Klar, früher wurde man an den Pranger gestellt, ausgepeitscht oder gebrandmarkt, wenn man ein Verbrechen oder eine unehrenhafte Tat begangen hatte. Schüler, die ihre Schulaufgaben nicht gemacht hatten oder mit dem Nachbarn getuschelt hatten, wurden in die Ecke gestellt. Prügelstrafe war auch noch Gang und Gebe.

Heute ist das alles verboten und dennoch ist Demütigung immer noch ein Mittel der Macht. Es gibt heute z.B. durch die sozialen Medien noch viel wirkungsvollere Methoden. Diese werden dann auch öffentlich genutzt, um auszugrenzen, sich abzusetzen, Autorität auszuüben.

Im Jahr 2015 soll ein amerikanisches Mädchen sich selbst getötet haben, weil ihr Vater sie „öffentlich“ bestrafte, in dem er ihr ihre langen Haare abschnitt, dies mit seinem Smartphone filmte und in YouTube einstellte. Das Mädchen hatte ein Selfie in Sport-BH und Leggings zuvor an einen Jungen geschickt und das Bild kam irgendwie in Umlauf, was wiederum die Schulleitung bemerkte und den Vater verständigte. Das Mädchen ertrug die Scham nicht mehr und stürzte sich von einer Brücke.

Ich will den Wahrheitsgehalt nicht beurteilen, weil es meiner Recherche nach mehrere unterschiedliche Darstellung gab. Ohne Zweifel gibt es auf Facebook noch eine Seite „Justice for Izabel“.

Als ich die Geschichte von Izabel las, fiel mir gleich eine weitere Geschichte ein, die einem meiner Klienten widerfahren war. Er erzählte mir als 60-jähriger Erwachsener, dass er als 7 oder 8 Jähriger irgendetwas mal in der Schule vermasselt hatte. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die „Tat“ erinnern. Sie scheint in meinem Gedächtnis keine wirklichen Spuren hinterlassen zu haben. Aber das weitere Verhalten seines Vaters lässt mir noch heute das Blut in den Adern gefrieren.

Der Vater beschloss, seinem Sohn nicht zu Hause eine Abreibung zu verpassen (das war damals in den 1960ern noch erlaubt,) sondern schnappte sich seinen Sohn, ging mit ihm zum Schuldirektor. Vor dem Schuldirektor musste der Sohn seine übliche Lederhose herunterlassen. Der Vater zog seinen Gürtel genussvoll langsam aus der Hose und verprügelte den Sohn mit der Gürtelschnalle vor den Augen des Schulrektors.
(So, nun bitte wieder ein-und ausatmen.)

Ich hatte schon beim Zuhören den Verdacht, dass irgendetwas in ihm während dieser Demütigung, (Bestrafung wäre es zu Hause gewesen,) zerbrochen war, was ihn sein ganzes weiteres Leben beeinträchtigt hat. Er hatte kein Vertrauen in andere Menschen mehr, fühlte sich immer ungeliebt, obwohl er immer nach Liebe suchte. Schließlich und endlich fiel er in tiefe Depression, hatte Verfolgungswahn und landete zweimal in der Psychiatrie.

Woher kommt dieses Bedürfnis, andere oder die eigenen Kinder vorzuführen und öffentlich bloßzustellen? Was sollen solche Demütigungen bezwecken, aber auch welche Wirkungen entfalten sie? Warum sind sie selbst in Gesellschaften verbreitet, die Würde und Respekt in ihrer Verfassung verankert haben? Lebt hier das „finstere Mittelalter“ wieder auf, das Schlechte im Menschen, die tiefen, teuflischen Abgründe?

In öffentlichen Demütigungen wird stets Macht demonstriert. Indem andere Menschen vor Augenzeugen in die Knie gezwungen und bestraft werden, bekräftigen die Täter ihren Anspruch auf eine herausgehobene, machtvolle Position. Sie versuchen sich auf Kosten des vermeintlich Schwächeren groß zu machen.

Scham ist ein Gefühl von ungeheurer Wucht und mächtiger Wirkung. Sie kann tödlich sein und prägt sich unauslöschlich ein. Dabei ist die Anwesenheit und Zeugenschaft Dritter von größter Bedeutung.

Was macht die Demütigung zu einem so abscheulichen Instrument?

Es ist die Macht und Gewalt des öffentlichen Blicks. Werden andere Menschen Zeugen individueller Fehlleistungen oder Normverstöße, wird das Schamgefühl immer brennender. Je mehr Wert der Betroffene auf Wertschätzung und Anerkennung legt, desto größer werden die Scham und der emotionale Schaden.

Tatsache ist, dass täglich gezielte, absichtsvolle Demütigungen stattfinden. Nicht nur in Familie, Schule, Beruf oder beim Militär, wo sie meist von oben nach unten erfolgen. Sondern auch unter Gleichen, unter Schülern oder Arbeitskollegen, finden sie statt, nur dort heißen sie nicht Demütigung sondern Mobbing. Selbst in der nationalen und internationalen Politik kommen sie immer häufiger vor.

Wer sich falsch verhalten oder die Normen der Gruppe verletzt hat, kann darüber Scham und Reue empfinden und mit oder ohne Unterstützung versuchen es zu ändern.

Wer jedoch gedemütigt wird, weil er oder sie anders ist, weil er oder sie eine andere soziale oder ethnische Herkunft oder Hautfarbe haben, einer anderen Religion angehören, eine andere sexuellen Orientierung oder eine andere körperlichen Gestalt oder Behinderung haben und deshalb Ausgrenzung erfährt, kann keine Reue oder Scham darüber empfinden. Denn all diese Merkmale sind ohne sein Zutun entstanden und können nicht geändert werden.

Menschen reagieren auf unterschiedliche Weisen auf Demütigung. Der eine reagiert mit Depressionen, andere entwickeln offene Aggressionen, wieder andere verbergen ihren Zorn und planen langfristige Rache.

Die stärksten Gefühle der Demütigung in Opfern entstehen, wenn die Opfer ihre Demütiger bewundern, wie es z.B. beim Vater sein kann. In Fällen, in denen solche Opfer Zugang zu Mitteln bekommen, die ihnen Rache für die erlittene Demütigung ermöglicht, kann es passieren, dass diese Rache mit besonderer Brutalität ausgeführt wird und sogar Völkermord einschließt.

Da möchte ich noch einmal daran erinnern, dass in Kapitel 1 unseres Grundgesetzes festgehalten wird:
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Und darauf sollten wir alle achten.

Demütigung macht (dauerhaft) krank und verursacht dadurch hohe gesellschaftliche Kosten.

In einigen Fällen kann Demütigung sogar tödlich enden.

Demütigung ist gewalttätig und kann Gegengewalt erzeugen.

Demütigung kann zu Hass, Kriegen, Unterdrückung und Unversöhnlichkeit führen.

Und das Selbstwertgefühl des Peinigers/Aggressors wird nicht um ein Jota stärker.

Wenn Sie gedemütigt wurden, wenn Sie es nicht schaffen die Gefühle der Demütigung selbst zu bewältigen oder an sich selbst erkennen, dass Ihre Gewaltbereitschaft gegen andere aber auch gegen sich selbst zunimmt, dann wenden Sie sich an einen psychologischen Berater Ihres Vertrauens!

Das Leid einer Demütigung zu kurieren bedarf besonnener therapeutischer Hilfe von geeigneten Helfern.

Ich möchte ein kleines Beispiel bringen, um klarzustellen, dass der Umgang mit Demütigungen auch in der Politik weitreichende Folgen haben kann.

Nelson Mandela war erfolgreich in seinem Bemühen, sich von dem Drang nach Rache zu distanzieren, er hätte auch ein Hitler werden können. Stattdessen verwandelte er die tiefe Demütigung, die er erlebt hatte, in eine Kampagne zur Veränderung demütigender sozialer Strukturen.

Aber auch den Tätern kann geholfen werden. Meist werden sie nicht die notwendige Erkenntnis haben, dass sie etwas ändern müssen. Doch wenn ein Täter zu dieser Erkenntnis kommt, dann kann er lernen die Perspektive des Opfers einzunehmen und versuchen, Gefühle der Demütigung im Anderen zu verstehen, sie im Anderen anerkennen, und sich dafür zu entschuldigen.

Wir sollten in Kindergärten und Schulen damit beginnen, die Selbstwahrnehmung und die Empathie mit Anderen zu erwecken. Dann kann der Kreislauf der Demütigung und der daraus resultierenden Gewalt in Familien und Gesellschaft unterbrochen werden. Dann können selbstbewusste, offene Bürger ohne Gewalt und Hass miteinander leben.

!!! Könnte eine Osterbotschaft sein !!!