Laub, Herbst und Regenwurm

Ich, ein Laubbaum, muss ein paar Worte zu Laubbläser oder -sauger loswerden. Es ist für mich enorm wichtig, weil sie viele meiner kleinen Helfer bedrohen.

Überall sind sie zurzeit zu kaufen und im Einsatz zu hören. Dabei hat die Natur eine eigenständige Müllabfuhr mit Recycling.

Vorm Winterschlaf ziehen wir Laubbäume einen Teil der Nährstoffe aus unseren Blättern zurück. So bekommen sie die wunderschönsten Farben bevor sie zu Boden fallen. Wir ziehen nicht nur die Nährstoffe zurück in unsere Äste und Stamm, sondern entledigen uns auch von nicht verwertbaren Substanzen sozusagen unsere Fäkalien, die wir wie jedes Lebewesen auch einmal loswerden müssen.

Die Immergrünen wie Nadelbäume und Koniferen haben da eine etwas andere Art als wir Laubbäume. Aber auch sie entledigen sich ihrer überflüssigen Nadeln mit ihren Baumfäkalien, nur halt nicht so vollständig wie wir Laubbäume. Dazu vielleicht einmal später.

Alles, was zu Boden fällt, wird schon von unseren fleißigen Helfern erwartet. Da sind Asseln, Käfer, Bakterien, Pilze, Springschwänze, Milben und ganz wichtig die Regenwürmer. Und sofort beginnt das große Fressen.

Die einen zerkleinern, die anderen ziehen Laub und Nadel unter die Erde.

Schauen wir uns die Regenwürmer genauer an. Sie würden, wenn man sie nur ließe, nicht nur alle Baumärkte arm machen, sondern auch die Düngemittelfabriken und die Wasserschutzbauer.
(detailliert nachzulesen unter http://de.wikipedia.org/wiki/Regenwürmer)

Die nachtaktiven Regenwürmer füllen ihren Darm mit humusreicher Erde und vermodertem Pflanzenmaterial. Sie ziehen nachts die Blätter in die Erde, um sie dort verrotten zu lassen und später als Nahrung zu verwerten. Die aufgenommene Nahrung wird anschließend zerrieben und verdaut.

Sie fressen sich kreuz und quer durch die Bodenschichten ihres und damit auch unseres Lebensbereiches. Sie nehmen dabei Humuserde, Bakterien, Pilzsporen und zahlreiche Einzeller, die verdaut und als Nahrung genutzt werden können, auf.

Der Regenwurm scheidet die Erde mit gefressenen Bodenbestandteilen wieder aus, fördert die für den Boden nützlichen Mikroorganismen und hemmt  bzw. vernichtet die bodenfeindlichen.

Haben Sie die kleinen Krümelpyramiden ihrer Hinterlassenschaften schon einmal im Rasen gesehen? Zunächst denkt man meist, es sei die Hinterlassenschaft eines anderen Tieres. Wenn man jedoch hineintritt, gibt es keinen unangenehmen Duft sondern riecht einfach erdig.

Also ohne diese fleißigen Helfer würden wir Bäume glatt in unserer Sch… ersticken.

Oder es kommt doch so ein wildgewordener Mensch mit Laubsauger daher und befreit uns. Das wäre aber eher eine Hilfe zu letzten Hilfe. Wir brauchen die Regenwürmer noch aus einem anderen Grund. Wenn die Regenwürmer keine Nahrung finden, dann geht es uns auch an den Kragen.

Bei ihren Wanderungen durch die Böden bilden Regenwürmer Röhren. Die gebohrten Röhren werden mit Schleim und Exkrementen der Würmer ringsherum ausgekleidet und somit für den raschen Auf- und Abstieg stabilisiert. Man nennt diese Verfestigung auch „Tapete“. Sie dient u. a. uns Pflanzen als Dünger. Die lufthaltigen Gänge sorgen dafür, dass aerobe Bakterien mit genügend Sauerstoff versorgt werden und sich abgestorbene Pflanzenteile besser zersetzen. In den vertikal gebohrten Gängen können unsere Pflanzenwurzeln schneller in die Tiefe wachsen.

In Deutschland finden sich derzeit 39 Regenwurmarten aus 6 Gattungen.

Eisenia, Lumbricus und Dendrobaena gehören zu den Gattungen, die stets rot pigmentiert sind. Sie leben im Laubwald im Oberboden. Die pflanzlichen Abfallprodukte werden verzehrt und dadurch abgebaut.

Die Gruppen Octoclasium, Eiseniella und Allobophora, die alle Schattierungen zwischen schwarz, grau und bläulich bis grünlich aufweisen, jedoch nie rot pigmentiert sind, leben im tieferen Erdreich und nehmen viel Mineralboden in ihrem Darm auf. Ihre Ausscheidungs-produkte bestehen aus einem Gemisch von organischen und anorganischen Teilen. Diese werden im Boden ausgeschieden, so dass sie nicht nur zur Lockerung und Durchlüftung des tieferen Bodens beitragen, sondern den Mineralboden auch mit organischen Substanzen anreichern.

Bereits 1881 beschrieb Charles Darwin in seinem Buch „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer“, dass Regenwürmer beständig die aus den tieferen Schichten des Bodens stammende Erde durch ihren Darm hindurch an die Erdoberfläche befördern und dadurch zur Auflockerung und Belüftung der Böden beitragen.

Durch diese Tätigkeit kam das 5 Mark-Stück, dass der Landwirt auf unserem Grundstück beim Anlegen des Rasens verloren hat, nicht wieder zum Vorschein. Es ist wahrscheinlich einfach in tiefere Erdschichten „versunken“.

Die Steine auf unserem Grundstück, die, wie meine Schwester sagt, immer wieder „gekalbt“ haben, sind auch mit den fleißigen Regenwürmern zu erklären. Sie kamen entgegengesetzt zum 5 Mark-Stück nach oben an die Oberfläche.

Beim Hochwasserschutz können die Regenwürmer ebenfalls helfen. Weil durch ihre Röhren ein unterirdisches Belüftungssystem entsteht, in dem Regenwasser schneller versickern kann, um es dann ganz allmählich ans Grundwasser abzugeben. Der katastrophenträchtige Oberflächenabfluss wird somit auf ein Minimum verringert. Im Gegensatz zum Maisanbau, der die Verdichtung beschleunigt, viel Dünger und Chemikalien braucht. Maisanbau wird deswegen unter Umwelt-Experten auch „die Syphilis der Landwirtschaft“ genannt.

Eine französische Bauernweisheit sagt:

„Der liebe Gott weiß, wie man fruchtbare Erde macht, und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut.“

Ihre Tätigkeit bewirkt eine Bodenverbesserung. Erfahrungen haben aber auch gezeigt, dass sich übermäßige künstliche Düngung eher ungünstig auf die Regenwurmfauna auswirkt.

Deswegen verzichten Sie bitte auf die lärmenden Laubbläser und -sauger! Verzichten Sie auf das „Fegen“ der Gärten im Herbst!
Übertriebenes Aufräumen  und Wegschaffen von Laub und Reisig nimmt vielen Lebewesen den Lebensraum wie z.B. den Regenwürmern und den Igeln.

Lassen Sie etwas Laub auch auf Ihrem Rasen liegen und häufen Sie ein paar Reiser in einer Gartenecke an. Machen Sie es bitte den Lebewesen in und auf der Erde etwas leichter.

Genießen Sie lieber die Herbstsonne und erholen Sie sich bei einer Wanderung im farbenfrohen Laubwald! Schauen Sie einmal hin, was sich so alles im Boden tut!

Wir Pflanzen, Bäume und Tiere (größer und ganz klein) werden es Ihnen danken.

2 thoughts on “Laub, Herbst und Regenwurm

  1. Leider leben viele Menschen nicht mit der Natur, sondern gegen sie. Um zu sehen, was im Garten für fleissige Helfer an der Arbeit sind, müssen die Augen aufgemacht werden. Wir können uns die Fitnessprogramme sparen, wenn wir den fleissigen Helfern zur Hand gehen. Laub zusammenharken, unter Büsche verteilen, ein wenig Erde draufgeben macht auch müde und die Schlaftabletten sind überflüssig. Die Amseln freuen sich, wenn sie die Laubblätter drehen und wenden können, das ist für sie ein Feiertag weil da Futter zu finden ist.

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