Hexenhäuschen

In der 2. oder 3. Klasse wollten wir im Unterricht ein Hexenhäuschen basteln. Wir bekamen eine Anleitung wie unsere Mütter die Wände und das Dach backen sollten. Das hat meine Mutter aus Lebkuchenteig auch sehr schön und exakt gemacht.

In einer weiteren Bastelstunde klebten wir mit angerührtem Zucker die Lebkuchenplatten auf eine stärkere Pappe und hatten damit das Grundgerüst für das Haus. Nachdem der Zuckerguss angetrocknet war, klebten wir noch die Dachplatten auf das Haus und schnitten aus einer weiteren Lebkuchenplatte 4 kleinere Stücke, die zusammengefügt als Schornstein dienten.

Nun war die Bastelstunde zu Ende und wir sollten das Häuschen zu Hause fertig dekorieren. Also Fenster und Dachziegel aufkleben usw.

Zu Hause angekommen stellte ich mein Häuschen auf das Küchenbuffet und erledigte meine anderen Hausaufgaben.

Der Tag verging und es war Schlafenszeit. Kaum lag ich im Bett und war schon fast auf meiner Traumwolke, da fiel mir brütend heiß ein, ich hatte vergessen mein Hexenhäuschen fertig zu stellen. Mein Herz fing heftig an zu schlagen, mir wurde heiß , ich fing an zu schwitzen und wälzte mich im Bett.

Auf einem Mal öffnete sich die Zimmertüre ganz leise und meine Mutter fragte, Birgitt ist etwas? Ich fing gleich an zu weinen und schluchzte, … das Hexenhäuschen … schnief …

Meine Mutter sagte, nun sei mal ruhig und schlafe dich aus. Morgen sehen wir weiter.

Als ich schweren Herzens morgens aufstand und zum Frühstücken in die Küche ging, siehe da! Da stand ein perfektes Hexenhäuschen auf dem Küchenbuffet. Aus dem Schornstein quoll Rauch aus Watte, das Dach war mit weißen Schokolinsen gedeckt, Fenster und Türen mit weißem Zuckerguss aufgemalt. Sogar ein Zaun aus Lebkuchenlatten umrahmte das Hexenhäuschen. Ich fiel meiner Mutter um den Hals und war ihr unendlich dankbar.

Meine Mutter brachte mich an diesem Tag auf den Schulweg. Wahrscheinlich wegen meines schlechten Gewissens, weil ich die Fertigstellung nicht selbst gemacht hatte. In der Schule angekommen standen bereits einige Hexenhäuschen der anderen Kinder auf dem Lehrertisch. Da nahm mich meine Mutter beiseite und sagte leise zu mir, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben und zu beichten, dass du das nicht selbst gemacht hast. Schau dir die anderen Häuschen an, die haben sicher auch die Mütter gemacht.

Mir fiel ein riesen Stein vom Herzen. Und ich habe lange überlegt, ob wohl der Weihnachtsmann bei der ganzen Sache die Hand im Spiel hatte??? Wie sonst sollte meine Mutti bemerkt haben, dass ich Hilfe brauchte???

Was sagt ihr? Das war doch der Weihnachtsmann, oder?

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