Kopf und Bauch

Realist zu sein bedeutet, sich von seinem Verstand und analytischem Denken leiten zu lassen, nicht von seinen Gefühlen. Sachlich sein, immer danach fragen „Was habe ich davon? Was kommt unterm Strich dabei für mich raus?“, keine Gefühle zulassen, denn die führen nur in die Irre, ist die Definition unserer Zeit.

Die Vernunft gilt als das Maß aller Dinge.

Doch immer mehr kommen Neurowissenschaftler und Psychologen zu ganz anderen Ergebnissen:

Das Denken lässt sich von den Gefühlen nicht trennen.

Was macht uns Menschen denn wirklich aus, uns authentisch = original: der Verstand, die Gefühle, die Intuition und nicht zu vergessen unser Unbewusstes.

Das Unbewusste wurde bisher dank Freud als etwas Bedrohliches, Gefährliches, Verdrängtes gesehen. Sind nicht gerade unsere unbewussten Wünsche ein Teil unserer Motivation im Leben? Ist unser Unbewusstes damit nicht eher Freund als Feind? Verbringen wir nicht manchmal ein ganzes Leben damit herauszufinden, was wir eigentlich wollen, wofür wir „bestimmt“ sind?

Wenn wir authentisch werden wollen, benötigen wir die Einbeziehung aller Wahrnehmungsebenen. Ohne die Gefühlswelt kann es gar keinen Realismus geben. Wird der Bereich der Emotionen verdrängt und als unrealistisch abgewertet, fehlt ein großer, vielleicht sogar entscheidender Anteil zur ganzheitlichen Betrachtung.

Das kann kein wirklicher Realismus sein!

Wenn wir unsere irrationalen Seiten kennen und zu nutzen wissen, können wir die kreativen Kräfte in uns wecken und kommen selbst bei komplexen Entscheidungen zu Ergebnissen, die uns glücklich machen.

Um unsere Intuition oder unseren unbewussten Anteil in uns zu schulen sind unterschiedliche Techniken geeignet wie Hypnose, Meditation, Fantasiereisen.  Um unseren Gefühlen nachzuforschen ist Selbstbeobachtung ein wirksamer Weg. Achten Sie darauf, was Sie in bestimmten Situationen fühlen, auf was es Ihnen ankommt, welche Emotionen Sie bewegen.

Lassen Sie alle Teile Ihres Selbst bei wichtigen Entscheidungen mitreden. Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihren bewussten Verstand, er ist nur ein kleiner Teil Ihrer gesamten Persönlichkeit. Hören Sie auch auf Ihre Fantasie, auf Intuition und Ihre Gefühle.

Danach können Sie immer noch die Durchführbarkeit Ihrer Träume überprüfen. Erst sollten Sie jedoch herausfinden worin sie bestehen.

 Lerne denken mit dem Herzen und lerne fühlen mit dem Geist.
(Theodor Fontane)

PS: Mein eigenes Erlebnis dazu

Als ich mich vor 6 Jahren entschieden habe meine gut dotierte Arbeitsstelle zu verlassen um mich selbständig den Themen zu widmen, die mir am Herzen liegen, habe ich dazu nur wenige Minuten gebraucht.

Ich hatte eine paar Tage vorher einen beeindruckenden Bericht in einer Talk-Show gesehen: „Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft“ mit Bas Kast.

Deswegen habe ich mich mutig auf mein Bauchgefühl verlassen und habe diese Entscheidung noch nicht einen Tag bereut.

Natürlich habe ich auch meinen Kritiker in mir zu Wort kommen lassen: Kannst du das denn auch finanziell durchstehen? Ich weiß nicht, wer gesiegt hätte, wenn der Kritiker die Oberhand gewonnen hätte. Ich vermute allerdings, dass viele kreative Anteile in mir dann richtig gekämpft hätten.

4 Gedanken zu “Kopf und Bauch

  1. Hallo liebe Birgitt,
    danke für diesen guten Beitrag!
    Ja, ja, wie wichtig ist doch das ganzheitliche Denken, sprich bei Entscheidungen sollten wir immer Körper, Seele und Geist einbeziehen.
    Sonnige Grüße aus Gröbenzell,
    Arnold

    • Ich freue mich, wenn meine Leser etwas für sich entdecken, Bestätigung, Anregung oder eine neue Sichtweise. Besonders freue ich mich aber, wenn ich einen so netten, anerkennenden Kommentar bekomme.
      Herzlichen Dank, Arnold.
      Dir auch sonnige Grüße.

  2. Auch ich habe eine gutbezahlte Arbeitsstelle verlassen, weil sich mein Gefühl, entgegen dem Verstand, damals für das Baby entschieden hat. Ich habe nicht lange nachgedacht. Bereut habe ich das nie.
    Und auch heute ist es noch so, dass ich gerne lebe, wie ich lebe, auch wenn mir die gesellschaftliche Anerkennung für mein Lebenswerk (zwei gesunde, intelligente Kinder) wohl vorbehalten bleibt.
    Liebe Grüße

    • Ja, da ist unsere heutige Zeit merkwürdig anders geartet. Mütter sollten ihre Kinder in Betreuung geben, um sich dann dem Bruttosozialprodukt meist mit einer nicht förderungswürdigen, unterbezahlten Halbtagsstelle zu widmen. Mütter, so wie wir sie verstehen, engen ihre Kinder nach heutiger Auffassung ein, ermöglichen Ihnen nicht schon im Vorkindergartenalter eine zweite Fremdsprache oder Kinder-Yoga zu erlernen, ihre sozialen Kompetenzen zu schärfen.

      Ich will hier ganz ausdrücklich den Müttern meine Anerkennung aussprechen, die Erziehung und Familienleben vor alle anderen Dinge ihres Lebens stellen. Schlimm genug, wenn sie es aus finanziellen Gründen nicht können.

      Also, Hut ab! Bitte, mit vollem Selbstbewusstsein auf das gelungene Lebenswerk zurück blicken und die Gegenwart und Zukunft damit genießen!
      Alles Liebe.

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