Mein Urlaubstagebuch 2017: Woche 6

Tag 1:
Auge gut, alles gut!

Muss nur noch ein paar Tage weiter Tropfen einträufeln. Ich bin rundum froh und werde gleich noch beschwingter durch meinen Garten wirbeln. Mittlerweile habe ich wieder Sicht auf Nachbarsgarten und eine imposant hohe Sonnenblume. Allerdings ist die richtig mickrig gegen, die, die daneben steht. Die sehe ich leider nur beim Gassi-Gehen.

Ich freue mich über jede Blume in einem Garten. Das scheint heute keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Stattdessen Thujen, Fichten, Sichtschutzwände,…

Arme Umwelt!

Tag 2:
Der Rasen ist wieder kurz und die Vögel suchen beglückt nach Insekten und Würmern. So langsam nimmt alles Gestalt an. Puh, den Garten nach jahrelanger Vernachlässigung wieder vom „Urwald“ in einen Garten zu verwandeln, bedarf schon ganz schön viel Muskeleinsatz. Da spar ich mir die Mucki-Bude!

Tag 3:
Die Ferienzeit scheint sich dem Ende entgegen zu neigen. Die Nachbarn kommen so nach und nach wieder zurück von ihren Reisen. Und immer die, denen ich von Herzen ausreichend Geld für mindestens 4 Wochen im Süden oder Norden oder Sonstwo wünsche, sind schon nach kurzer Zeit wieder da.

Hallo Gekläff, willkommen Gekreisch und Gezeter!

Dann denke ich immer, habe ich die ruhige Zeit auch wirklich richtig ausgekostet und genossen? Oder hätte ich nicht doch… Ach , jahahahah!

Tag 4:
Heute schießen mir immer wieder die unmöglichsten Gedanken durch den Kopf.

Warum bringt eine Mutter ihrer Tochter nicht bei, dass Fische etwas andere „Ohren“ haben? Es hilft überhaupt nicht, dass lauthals „Fischi, Fischi“ gerufen wird. Vielmehr könnte sich das Kind darüber freuen, wenn es still aber festen Schrittes zum Teich läuft und die Fische sich dann in Erwartung ihres Futters an der Wasseroberfläche tummeln.

Eine kleine Erklärung dazu:
Fische haben zwar Ohren, kleine flüssigkeitsgefüllte Röhrchen hinter den Augen, die in ihrer Funktionsweise unserem Innenohr gleichen. Ein „normales“ Ohr reicht unter Wasser aber nicht aus, um die genaue Richtung des Schalls zu orten. Deswegen haben Fische noch ein weiteres hoch spezialisiertes Organ, um Druckwellen aus der Umgebung wahrzunehmen. Das Hauptsinnesorgan der Fische ist das Seitenliniensystem: ein hochsensibler Ferntastsinn, mit dem die Tiere Erschütterungen, Strömungen und unter Wasser erzeugte Töne wahrnehmen können – und deren Ursprungsort.

Warum gibt es in vielen Gärten „Insektenhotels“, aber keine Nahrung und keinen Ort zur Fortpflanzung?

Warum stehen Viele auf Vintage im Garten, aber schauen auf die kleinkarierten Kleingärtner herab, die bekanntlich alles „wiederverwerten“?

Warum schicken Eltern ihre Kinder in den Waldkindergarten, bieten ihren Kindern im eigenen Garten aber kein eigenes Beet an?

Warum haben Kindergartenkinder 20 Jeans auf der Leine, wo sie doch nur eine nach der anderen tragen können?

Warum brauchen manche Kinder sechs unterschiedliche Fortbewegungsmittel und können doch nur auf einem stehen oder sitzen?

Warum haben manche Kinder ganze „Häuser“ zum Verstauen ihrer Spielsachen und spielen eigentlich nie damit?

Birgitt,
man sollte nicht so neugierig sein…
und als artiges Mädchen nicht so viele Fragen stellen…!

Tag 5:
Es gibt immer freudige Überraschungen mit den Nachbarn! Egal, ob Hilfsbereitschaft, nette Gespräche, Nachsicht beim „Unkraut“ oder ähnliches… Das macht das Herz weit!

Auch die Formulare lächeln mich jetzt, so ausgefüllt, nett an.

Tag 6:
So, nun wird der Schredder wieder rausgeholt und verarbeitet, was gestern noch der Astschere zum Opfer fiel.

Der Ausblick wird immer besser und meine Hoffnung, dass der durch die Pflege meiner Eltern verwilderte Garten wieder ein freundliches, offenes Gesicht bekommt, von Tag zu Tag größer.

Heute Nachmittag soll der Sommer ja dem Herbst weichen. Na, mal sehen, was so kommt und wie weit ich komme.

 Tag 7:
Heute steht in der Weiterbildung im Max-Planck-Institut für Psychiatrie „Posttraumatische  Belastungsstörungen“ auf dem Plan.

Manchmal denke ich an die Generationen meiner Väter und Großväter und an den ersten und zweiten Weltkrieg. Mir kommen dann Erzählungen über Opa Heini und meinen Vater in den Sinn. Darüber vielleicht mal zu einer anderen Zeit ausführlicher.

Wie gut, dass es heute (zumindest in der Theorie) in diesen Fällen Unterstützung gibt. Leider erfahre ich aus einigen Flüchtlingshelferkreisen  auch etwas anderes. Wie schade, wenn man helfen könnte, es aber wieder an irgendwelchen bürokratischen Hürden scheitert.

Noch habe ich meine „Auszeit“ und werde Vieles erst einmal in die Schublade legen.

Aber dann,
geht es mit neuer Energie, neuen Erkenntnissen und Ideen zurück ins volle Leben! Wie angekündigt werden die nächsten Themen etwas mit dem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis von Frauen zu tun haben.

Ich freue mich auf darauf und hoffe, Sie auch!

Ein Gedanke zu “Mein Urlaubstagebuch 2017: Woche 6

  1. Bei deinem neuen Thema hast du dir aber was vorgenommen. Ich denke aber es ist an der Zeit mal unseren „Schwestern“ direkt einen Spiegel vorzuhalten. Gerade nach dem Beitrag „Loverboy“ der mich schockiert hat, warum junge Mädchen so verzweifelt nach Liebe gieren, was läuft da in Familien und der Gesellschaft so schief?

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