Meine visuellen Erlebnisse während der Augenoperationen

Sicher wird es jedem so gehen, man weiß genau, es gibt keine Alternative und doch beschleicht einen die Angst, was ist, wenn etwas schief geht?

Ich rede von dem grauen Star, der meine beiden Augen langsam schleichend und doch unaufhörlich in einem Nebel versinken ließ und mir damit die Sicht auf die wunderschöne und bunte Welt erschwerte.

Früher hätte es nur die Alternative gegeben, langsam zu erblinden. Ich erinnere mich gut an den Großvater meiner Cousine, der wohl operiert wurde, der danach aber eine sogenannte „Star-Brille“ trug. Sie hatte extrem dicke Gläser und wahrscheinlich war das Blickfeld eingeschränkt. Ich hatte zumindest immer den Eindruck, dass „Opa“ gar nicht mich anguckte, sondern immer über mich hinweg…

Gott sei Dank, gibt es heute künstliche Linsen, die anstelle der eigenen eingesetzt werden und das Sehen wieder scharf ermöglichen. Trotzdem hat mich die Sorge geplagt, was, wenn etwas schief läuft. Zugegeben heute hat man es als blinder Mensch sicher leichter als früher. Es gibt Hörbücher. Dank Siris oder Cortana kann man weiter im Internet surfen, sich etwas vorlesen lassen, etwas schreiben und vieles mehr. Trotzdem kein guter Gedanke.

Bei meiner Suche im Internet nach vielen unterschiedlichen Informationen und Meinungen stieß ich auf einen Artikel veröffentlich im Ophthamologe 2014. Der Artikel mit dem Titel „Visuelle Erlebnisse unter Kataraktchirurgie in topischer Anästhesie“ wurde verfasst von  M. Wenzel, Augenklinik Petrisberg Trier und Universitätsaugenklinik Aachen, D. Sigmann, Augenpraxis Dr. Langefeld Trier, M. Schulze Schwering, Augenklinik Petrisberg Trier und  Department für Augenheilkunde Universitätsklinik Tübingen. Darin steht als erster Satz „Während einer Phakoemulsifikation in topischer Anästhesie berichten uns viele Patienten über visuelle Eindrücke, die sich fortlaufend ändern und die überwiegend als „schön“ empfunden werden.“ Hier der gesamte Artikel:

Danach konnte ich es fast nicht mehr erwarten, ob ich das auch erleben durfte.

Am Tag meiner ersten Operation (rechtes Auge) hatten wir leider einen letzten Wintereinbruch. Meine Nachbarin, die mich netterweise fahren und begleiten wollte, und ich starteten schon sehr früh. Was auch sehr gut war. Kurz bevor wir auf die Autobahn abbiegen wollten und dazu wegen Gegenverkehrs anhalten mussten, fuhr uns jemand auf. Mein erster Gedanke war sofort „toll, ich sage die Operation ab“. Der zweite Gedanke war schon etwas differenzierter „nun habe ich so gut meine Angst besiegt und nun fängt alles von vorn an“.

Aber wir schafften meinen Termin mit 10 Minuten Verspätung. Was total irrelevant war, weil der gesamte Personennah- und Individualverkehr in und um München durch den Wintereinbruch gestört war. Auch mein Operateur war erst mit einer halben Stunde Verspätung erschienen.

Ich bekam vor der Operation eine Tropf-Anästhesie ins Auge und dann ging es los. Meine Gedanken waren vollkommen offen für die anstehenden Bilder, die nun hoffentlich erscheinen würden. Und da waren sie. Eindrucksvoll und schön. Ein Sonnenaufgang am Meer hätte nicht farbenprächtiger sein können.

Damit war meine Angst vor der Operation am zweiten Auge in der darauf folgenden Woche deutlich umgeschwenkt auf eine positive Erwartungshaltung.

Auch die zweite Operation (linkes Auge) bescherte mir Bilder, allerdings mit gemilderter Farbenpracht.

Aber sehen Sie selbst. Ich habe mich, als meine Augen wieder klar sehen konnten, hingesetzt und meine Erlebnisse für Sie gemalt. Leider nur als Moment-Aufnahme und nicht als Film.

Ich möchte allen, die eine bevorstehende Graue-Star-Operation haben, Mut machen.

Es ist eher schön und ich hoffe für alle meine Leserinnen und Leser, dass Sie in einer ähnlichen Situation ähnlich positive, visuelle Erlebnisse haben werden.

Und das Endergebnis ist einfach SCHARF.

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