Ein Weg zur Gewaltlosigkeit und FRIEDEN

Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Montgomery, ihren Sitzplatz in einem öffentlichen Bus für einen Weißen freizumachen. Sie wurde festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das führte zu einer großen Solidarisierungsbewegung innerhalb der schwarzen Einwohnerschaft. Der Boykott dauerte schließlich etwa 385 Tage. Der gewaltlose Widerstand führte schließlich zu einem Erfolg.

Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt Montgomery für verfassungswidrig und sprach ein Verbot dagegen aus.

Matin Luther King wurde zum Leiter des zur Koordination des Boykotts gegründeten Komitees Montgomery Improvement Association ernannt. 1957 hielt King 208 Reden und schrieb sein erstes Buch – „Schritte zur Freiheit: Die Montgomery Story“. Der gelungene Boykott trug zum Wachstum der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung bei. In den folgenden Jahren schlossen sich ihr auch immer mehr Weiße an.

Am 8. November 1960 gewann John F. Kennedy die Präsidentschaftswahl vor Richard Nixon, nachdem er sich für Martin Luther King eingesetzt hatte. Die Stimmen der meisten schwarzen Wähler hatten Kennedy zum Wahlsieg verholfen.

Martin Luther King schrieb über den gewaltlosen Widerstand.

„Gewaltloser Widerstand ist keine Methode für Feiglinge.

Weder eine Einzelperson noch eine Gruppe von Menschen braucht sich einem Unrecht zu unterwerfen oder Gewalt anzuwenden, um sich wieder Recht zu verschaffen, denn es gibt den Weg des gewaltlosen Widerstands.

Der gewaltlose Widerstand hat nicht das Ziel seinen Gegner zu vernichten oder zu demütigen, sondern seine Freundschaft und sein Verständnis zu gewinnen.

Der Zweck ist Wiedergutmachung und Aussöhnung. Die Frucht des gewaltlosen Widerstandes ist eine neue innige Gemeinschaft, während die Folge der Gewalttätigkeit tragische Verbitterung ist.

Gewaltloser Widerstand ist Angriff gegen die Mächte des Bösen, nicht gegen Personen, die das Böse tun. Der Anhänger des gewaltlosen Widersandes will das Böse vernichten, nicht die Menschen, die dem Bösen verfallen sind.

Gewaltloser Widerstand setzt die Bereitschaft voraus, Demütigungen zu erdulden, ohne sich zu rächen und Schläge hinzunehmen, ohne zurückzuschlagen.

Der Anhänger des gewaltlosen Widerstandes kämpft darum, dass die unterdrückten Völker der Welt in ihrem Ringen um die Menschwürde nicht verbittert werden oder sich in Hassfeldzügen ergehen.

Mit gleicher Münze vergelten, würde den Hass in der Welt nur vermehren. Jeder müsste Verstand und Moral genug haben, um die Kette des Hasses zu zerreißen.

Das kann nur geschehen, wenn wir die Liebe zum Mittelpunkt unseres Lebens machen.

Alles Leben steht in Beziehung zueinander. Wenn ich meinem Nächsten schade, schade ich mir selbst.“

„Niemals Gewalt“ – FRIEDEN

Wer hat als Kind nicht Pipi Langstrumpf oder die Kinder aus Bullerbü gelesen? Astrid Lindgren hat viele Kinderleben begleitet und mit geformt. Im Jahr 1978 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Dazu hat sie eine Rede gehalten „Niemals Gewalt“.

„Müssen wir uns nach diesen Jahrtausenden ständiger Kriege nicht fragen, ob der Mensch nicht vielleicht schon in seiner Anlage fehlerhaft ist? Und sind wir unserer Aggressionen wegen zum Untergang verurteilt? Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir es nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen?

Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.

Die jetzt Kinder sind, werden ja einst die Geschäfte unserer Welt übernehmen, sofern dann noch etwas von ihr übrig ist. Sie sind es, die über Krieg und Frieden bestimmen werden und darüber, in was für einer Gesellschaft sie leben wollen. In einer, wo die Gewalt nur ständig weiterwächst, oder in einer, wo die Menschen in Frieden und Eintracht miteinander leben

„Überall lernt man nur von dem, den man liebt“,
hat Goethe einmal gesagt, und dann muss es wohl wahr sein.

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken. Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seine Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt.

Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben – das ist erschreckend, aber es ist wahr.

Eine alte Dame berichtet mir einst. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“.

Eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte.

Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“

Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, „Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“

Sie legte den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: „NIEMALS GEWALT!“

Vielleicht wäre es gut, wenn wir alle einen kleinen Stein auf das Küchenbord legten als Mahnung für uns und für die Kinder:

NIEMALS GEWALT!

Es könnte trotz allem mit der Zeit ein winziger Beitrag sein zum Frieden in der Welt.“

Hoffnung auf FRIEDEN

Können wir überhaupt auf eine friedvolle Gesellschaft hoffen? Sind nicht in jedem von uns Teile von Rache oder Gewalt vorhanden? Hat nicht jeder von uns einen Feind oder sogar ein Feindbild von anderen Gruppen? Könnten wir wirklich ohne Zorn und Hass leben?

Wieder möchte ich Max Frisch zu Wort kommen lassen.

„Wenn wir (einfach gesprochen) glücklich sind oder zumindest lebendig – zum Beispiel durch  eine Art von Arbeit, die nicht nur Lohn einbringt, sondern Befriedigung – oder durch eine Art des Zusammenlebens von Menschen, das Selbstverwirklichung zulässt.

Was meint Freiheit, ein so missbrauchbares Wort, im Grunde anderes?

Freiheit nicht als Faustrecht für den Starken, Freiheit nicht durch Macht über andere.

Selbstverwirklichung – sagen wir, wenn es möglich ist, kreativ zu leben.

Wie viele Menschen haben in den vorhandenen Gesellschaften aber die Möglichkeit, kreativ zu leben?

Das ist durch Wohlstand allein noch nicht gegeben.

Ob der Überlebenswille der Gattung ausreichen wird zum Umbau unsrer Gesellschaften in eine friedensfähige, weiß ich nicht.

Wir hoffen. Es ist dringlich.

Das Gebet entbindet nicht von der Frage nach unserem politischen Umgang mit dieser Hoffnung, die eine radikale ist.

Der Glaube an eine Möglichkeit des Friedens ist ein revolutionärer Glaube.“

Wenn wir dem Frieden dienen wollen, dann müssen wir uns aber auch damit auseinander setzten, wie wir ohne Gewalt Widerstand leisten können.

Wie Otto von Bismarck es ausdrückte:

„Wer seine Ansicht mit anderen Waffen als denen des Geistes verteidigt,
von dem muss ich voraussetzen,
dass ihm die Waffen des Geistes ausgegangen sind.“

Wunsch nach FRIEDEN

Meine Freundin Susanne Sow hatte zu ihrem diesjährigen Geburtstag nur einen einzigen Wunsch. Sie wollte keine Geschenke. Aber sie wünschte sich, dass ihr Wunsch möglichst weit verbreitet und wahr würde.

Lesen Sie selber und hören Sie sich die Vertonung und Interpretation von Gisela Hüttis an. Wenn Sie Susanne und Gisela unterstützen wollen, dass ihr Wunsch um die Welt geht, dann teilen Sie gerne (natürlich mit Quellenangabe).

 

Ich wünsche mir
von Susanne Sow, 04/2016

Ich wünsche mir, dass weiße Tauben am Himmel fliegen,
und süße Träume in der Nacht,
dass Mars und Venus sich lieben
und dass dich das glücklich macht.

Ich wünsche mir Freundlichkeit überall auf der Welt,
und dass jeder leben kann, wie er will,
dass einer vor den anderen sich stellt,
und in deinem Herzen sei es still.

Ich wünsche mir, dass es keine Grenzen mehr gibt,
und dass es völlig einerlei,
wo auf der Welt dein Zuhause liegt,
und dass du für immer frei.

Ich wünsche mir, dass wir Hunger und Not besiegen,
und wenn etwas unbekannt,
lernst du es kennen, nicht bekriegen.
Das Zepter sei in deiner Hand.

Ich wünsche mir, dass Angst und Tränen vergehen,
und dass unwichtig jede böse Macht,
dass du mit anderen Augen lernst zu sehen,
und dass dich das ruhig macht.

Ich wünsche mir, dass meine Träume in Erfüllung gehen,
und ich mich fühl wie eine Königin.
Die Liebe wird ganz oben stehen.
Sei ohne Zweifel auf dem Weg dorthin.

Musik und Interpretation Gisela Hüttis:
https://www.youtube.com/watch?v=0GeEWo-WAx8

Schwestern-FRIEDEN

Die Bindung von Geschwistern ist meist die dauerhafteste in einer Familie. Eltern gehen von uns, Partner werden ausgetauscht, Freunde kommen und gehen, Geschwister bleiben erhalten.

Geschwister können Rivalen für‘s Leben werden oder sich ein Leben lang unterstützen und lieben.

Wie jeden 17.Dezember widme ich den Blog-Eintrag meiner großen Schwester.

Eine Großmutter wollte meiner Schwester schon vor meiner Geburt einen Stachel ins Herz senken. Sie malte ihr in den schwärzesten Farben aus, dass sie von meiner Geburt an alles mit mir teilen müsste: die Aufmerksamkeit der Eltern, das Spielzeug, etc.

Glücklicherweise „entschärften“ unsere Eltern diese Sticheleien.

Unsere Kindheit war ausgesprochen glücklich miteinander, auch wenn wir uns natürlich nicht nur „grün“ waren. Ich ging z.B. so gern mit zu ihrer Freundin Hannelore. Da gab es immer feinen Saft und einen Fernseher, auf dem ich die Augsburger Puppenkiste schauen durfte. Das war natürlich für die beiden Freundinnen mit ihren Geheimnissen und Tuscheleien manchmal lästig. Also versuchte mich meine Schwester in rasendem Galopp abzuhängen. Was sie dann aber doch nicht über‘s Herz brachte. Heute verstehe ich das.

In meiner Pubertät habe ich sie dann wohl recht gereizt. Sie schruppte Samstags den Flur und half Mutti im Haushalt und ich …. machte mich stundenlang fein für die Disco…

Etwas später im Studium wurde das gegenseitige Verständnis sehr viel besser. Bei einem Altersunterschied von 10 Jahren relativierte sich alles so langsam.

Meine Schwester folgte mir sogar irgendwann nach München. Und wir bauten zusammen ein Doppelhaus.

Da waren wir wieder den Zweiflern eines „Schwestern-Friedens“ ausgesetzt. Nachbarn äußerten sehr offen ihre Bedenken, wie lange das gut gehen könnte, so unter Geschwistern. Das dauert nun schon über 23 Jahre.

Auch, wenn ich heute von Zeit zu Zeit die Tür zuwerfe und innerlich zu mir sage „dusselige Kuh“, bin ich sehr glücklich mit meiner Schwester verbunden.

Was macht nun aus einer Geschwister-Rivalität eine Geschwister-Liebe?

Ich bin davon überzeugt, dass das einzig und allein die Eltern mit ihrer Erziehung können. Ja, wir haben wunderbare Eltern gehabt.Ich habe eine wunderbare Schwester. Danke an meine Familie.

Appell für den FRIEDEN

Künstler haben eine besondere Möglichkeit sich einzusetzen.

Am Mittwoch habe ich die José Carreras Gala gesehen. Reinhard Fendrich hat dieses eindrucksvolle Lied vorgetragen.

Dabei sind mir die aktuellen Bilder aus Aleppo vor meinem inneren Auge erschienen.

Aber auch der starke Appell, Frieden im Kleinen zu finden und an Frieden zu glauben.

 

FRIEDEN

Text und Musik von Reinhard Fendrich

Was soll man sagen, wenn man sieht,
wie in Flammen untergeht,
was seit tausend Jahren stand.

Was soll man sagen, wenn man hört,
was man in einer Nacht zerstört
und ein Volk ist ohne Land.

Wird die Ohnmacht erst zur Wut,
liegt das Pulver nah der Glut.
Gibt es nur noch einen Traum.

Frieden, ist die Hoffnung, die uns bleibt.
Ist der Wille, der uns treibt,
wenn die Welt in Trümmern liegt.

Frieden ist der Ruf nach Einigkeit
in einer Blut getränkten Zeit,
in der nur die Hölle siegt.

Was heilig ist, das ist gerecht.
Wenn man das hört wird einem schlecht
und man kann nichts dagegen tun.

Denn, was sich in dein Leben frisst
und dich kaum noch schlafen lässt,
sind die Mörder, die nicht ruh’n.

Frieden ist die Menschheitsillusion
seit Millionen Jahren schon.
Ist der Segen, der uns fehlt.

Frieden ist das letzte Rettungsboot
in der großen Elendsflut.
Ist der Mut der aufrecht hält.

Wenn wir daran glauben,
ganz fest daran glauben,
dann werden wir immer mehr.
Wenn wir sie vereinen,
diese Tropfen auf Steinen,
dann sind wir ein Meer.

Frieden, ist die Botschaft, die noch trägt,
wenn der Greif die Taube schlägt.
Ist das Heil nachdem man sucht.

Frieden stiftet nicht das stärkste Heer,
herrscht er nicht zwischen dir und mir,
bleiben wir zum Streit verflucht
und haben’s nicht einmal versucht.

Vorleben wäre ein wundervoller Beginn, der weiter getragen werden könnte.
Wie R. Fendrich singt: aus einzelnen Tropfen könnte dann ein Meer entstehen.

Eigenverantwortung für den FRIEDEN

Unsere moderne Gesellschaft leidet an einer schweren Krankheit:
„Bloß keine Verantwortung übernehmen“.

Wir erwarten, dass der Staat Kindergärten bereit stellt und Kinder erzieht.
Wir erwarten, dass Schulen, deren Auftrag es wäre Bildung zu vermitteln, Kinder für das Alltagsleben tauglich machen.
Wir erwarten, dass Ärzte für jedes Problem die richtige Pille oder geeignete Operation haben.
Wir erwarten, dass die Gewerkschaften unseren Lohn aushandeln.
Wir erwarten, dass das soziale Netz uns auffangen wird.
Wir erwarten, dass das Job-Center uns den richtigen Job besorgt.
Wir erwarten, dass der Staat uns eine ausreichende Altersversorgung bereitstellt.
Wir erwarten, dass der Staat die Versorgung der Alten, Kranken und Gebrechlichen übernimmt.

An unserem Dilemma sind wir nie selbst schuld. Alle sind schuld, der Lehrer, der Lehrherr, der Vorgesetzte, ein unmöglicher Lebenspartner, die Gesellschaft, die Politik. Nur wir selber sind ganz und gar unschuldig.

Kriege werden immer nur von den anderen angezettelt. Wenn die Bevölkerung in anderen Ländern Hunger leidet oder kein Auskommen mit dem Einkommen hat, sind sie selber schuld. Und wir müssen überhaupt keine Verantwortung für diese mit tragen.

Max Frisch schrieb über Freiheit und Demokratie:

„Man weiß es: je mündiger wir wären, umso weniger Staat wäre vonnöten. Schon das macht den Staat zum steten Ärgernis. Seine Notwendigkeit verweist auf unseren Mangel an Solidarität, unserer Unzuverlässigkeit, unseren Mangel an Vorstellungskraft, wie mein Tun und Lassen sich für die Nachbarn auswirkt oder für die Nachkommen.

Eigentum verpflichtet, so sagt das Grundgesetzt und fügt hinzu: Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Kann man es höflicher sagen? Nobless oblige.

Wenn aber die Eigentümer-Macht, zum Beispiel die Boden-Spekulation, auf solche Noblesse, die ihr die Väter des Grundgesetzes unterstellen, gar keinen Wert legt?

Wir brauchen also den Staat. Der Ruf nach Freiheit, mehr Freiheit vom Staat, ist prüfenswert.

Kommt er von Mitbürgern, die zugleich die Polizei verstärkt haben möchten, so wissen wir, wessen Freiheit da gemeint ist: die Freiheit für die Wenigen, die den Staat, sobald sie ihn in der Hand haben, lieber nicht als Staat bezeichnen, sondern als Vaterland, das Opfer verlangt von der Mehrheit…“

Und als Warnung gab er mit auf den Weg:

„Wer sich nicht mit Politik befasst, hat die politische Parteinahme, die er sich sparen möchte, bereits vollzogen: er dient der herrschenden Partei.“

Und noch einmal Laotse aus dem Tao te King, Vers 3:

Die Tüchtigen nicht bevorzugen,
so macht man, dass das Volk nicht streitet.
Kostbarkeiten nicht schätzen,
so macht man, dass das Volk nicht stiehlt.
Nichts Begehrenswertes zeigen,
so macht man, dass des Volkes Herz nicht wirr wird.

Darum regiert der Berufene also:
Er leert ihre Herzen und füllt ihren Leib.
Er schwächt ihren Willen und stärkt ihre Knochen
und macht, dass das Volk ohne Wissen
und ohne Wünsche bleibt,
und sorgt dafür,
dass jene Wissenden nicht zu handeln wagen.
Er macht das Nichtmachen,
so kommt alles in Ordnung.

Bitte, denkt nach!

Dialog der Kulturen für den FRIEDEN

Wie in unserer medialen Gesellschaft üblich ist der „Kampf der Kulturen“ spätestens seit Erscheinen des Buches „Clatch of Civilizations “ von Samuel Huntington im Jahr 1996 in aller Munde. Huntington zeichnet das Menetekel des Verblassens des Westens und das Erstarken des Islams an die Wand. Thilo Sarrazin schlägt in die gleiche Kerbe. Mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ schürt er Ängste und darf ungestraft rassistische Aussagen tätigen.

2007 erteilten Ilija Trojanow, deutscher Schriftsteller bulgarischer Abstammung, und Ranjit Hoskoté, indischer Schriftsteller, Huntington eine „Kampfabsage“: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen ineinander. Kulturen verfügen nicht über eine unüberbrückbare Abgrenzung von anderen Kulturen und einen unveränderlichen Kern. Dies, so die Autoren, seien nur historische Mythen, denn der Austausch in Kunst, Philosophie oder Wirtschaft führte erst zur Entwicklung der westeuropäischen Gesellschaften hin zu ihrem jetzigen Stand. Anhand von Esskultur, Kunst, Musik, Mode, Architektur und Technologie legen sie dar, dass es immer eine Annäherung oder Durchmischung der Kulturen gegeben hat.

„Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“ war das Motto des Dichters und Sprachgelehrten Friedrich Rückert, der 40 Sprachen beherrschte.

Viele klassische deutsche Dichter waren offen für ferne Kulturen. Viele Gedanken, aber auch poetische Formen und Motive gingen in die deutsche Dichtung über. Die deutsche Klassik ist ein großer kultureller Dialog.

Wer kennt nicht Lessings „Nathan, der Weise“ mit der berühmten Ringparabel über die drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Oder Goethes Dialog mit dem persischen Dichter Hafis im Westöstlichen Divan. Auch Schillers Turandot (die auf ein persisches Märchen über eine chinesische Prinzessin zurückgeht) oder Heines Gedicht über den persischen Dichter Firdausi und viele, viele mehr.

In der Dichtung anderer Kulturen und in der eigenen Gemeinsamkeiten zu entdecken, macht Freude. Deswegen eignet sich die Weltpoesie so gut für den Dialog der Kulturen.

Dieser Dialog der Kulturen würde sich auf die deutsche Kultur in mehrfacher Hinsicht positiv auswirken. Viele Deutsche kennen ja die wunderbare Dichtung in ihrer Muttersprache gar nicht mehr. Vielleicht lernt so mancher wieder die Schönheit der deutschen Dichtung durch Beschäftigung mit der Weltpoesie kennen und findet auf diesem Weg wieder Zugang zu den deutschen Dichtern, die an diesen fremden Kulturen dasselbe liebten wie ich heute.

Ich möchte meinen heutigen Beitrag mit einem Zitat von einem meiner Lieblingsdichter Rabindranath Tagore beschließen:

„Nicht der Boden ist das Vaterland,
sondern die Menschen darauf.“

Würde und FRIEDEN

Leszek Kołakowski, ein polnischer Philosoph, der 1977 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, hat ein Essay über „Erziehung zum Hass, Erziehung zur Würde“ geschrieben.

„Wenn wir wirklich lieben, sind wir gegenüber dem Gegenstand unserer Liebe unkritisch. Wenn wir wirklich hassen, sind wir sowohl gegenüber uns selber, als auch dem Gehassten gegenüber unkritisch, denn kritisch zu sein, heißt differenzieren zu können, und der Hass macht uns zu jeder Differenzierung unfähig.

Das ist also die Geheimwaffe des Totalitarismus. Das ganze geistige Gewebe der Menschen mit dem Hass zu vergiften und sie dadurch ihrer Würde zu berauben. In meiner Zerstörungswut bin ich selbst zerstört, in meiner Selbstgefälligkeit kann meine Würde nicht gerettet werden. Sowohl meine Integrität als auch die Kommunikation und die Solidarität mit anderen gehen verloren.

Hassenden werden nicht Freunde dadurch, dass sie einen gemeinsamen gehassten Feind haben.

Und zu sagen, dass der Hass mit Hass zurückgezahlt werden soll, heißt zu sagen, dass man zuerst die Gründe für die Gerechtigkeit des eigenen Kampfes verlieren muss.

Die Erziehung zur Demokratie ist die Erziehung zur Würde, und das setzt die Freiheit vom Hass voraus.

Eine Freiheit vom Hass, die nur durch die Flucht vor den Konflikten erreicht wird, ist eine scheinbare Tugend, wie die Keuschheit eines Kastraten.

Nichts ist gewöhnlicher und trivialer, als dass ein an sich unbedeutender Konflikt zur tödlichen Feindseligkeit anwächst, weil die Weise, ihn zu behandeln, neue und immer schärfere Konflikte erzeugt.

Versöhnlichkeit und Kompromissbereitschaft ohne Feigheit und ohne Konformismus, die Fähigkeit, den Überschuss der Feindseligkeit zu beseitigen, ohne Zugeständnisse in dem zu machen, was man als Kern der Sache betrachtet.

Das ist gewiss eine Kunst, die niemandem als Naturgabe zwanglos zukommt. Von unserer Fähigkeit, uns diese Kunst anzueignen, hängt aber das Geschick der demokratischen Weltordnung ab.“

Ein deutsches Sprichwort sagt: Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.

Manchmal ist aber Reden Frieden und Schweigen Krieg.

Politik und FRIEDEN

Politik und Frieden kann das überhaupt zusammen passen, darf man die zwei Begriffe guten Gewissens zusammen nennen? Schon vor vielen Jahren hat Denis Diderot als Herausgeber mit vielen anderen Verfassern  in der „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ darüber geschrieben. Ich denke, dass sich seitdem nichts geändert hat. Aber lesen Sie selbst.

„Die Toleranz ist im Allgemeinen die Tugend jenes schwachen Wesens, das dazu bestimmt ist, mit Wesen zusammen zu leben, die ihm gleichen. Dem Menschen, der durch seine Intelligenz so erhaben ist, sind zugleich durch seine Irrtümer und seine Leidenschaften so enge Grenzen gesetzt, dass man ihm den anderen gegenüber nicht genug von jener Toleranz, jener Duldsamkeit, einflößen kann, deren er selbst so sehr bedarf und ohne die man auf der Erde nur Unruhe und Streitigkeiten sehen würde.

Da man diese erfreuliche versöhnliche Tugend aber geächtet hat, gereichten zahlreiche Jahrhunderte den Menschen mehr oder weniger zur Schande und zum Unglück.

Und hoffen wir nicht, dass wir ohne sie unter uns Ruhe und Glück einmal wiederherstellen können!

Wenn die Intoleranz überall herrschte, so würde sie alle Menschen gegeneinander bewaffnen und auf Grund der verschiedenen Anschauungen immer wieder Kriege heraufbeschwören.

Ist Toleranz nicht Pflicht der Fürsten und Herrscher? Wenn es aber sogar in unserem Jahrhundert noch Menschen gibt, die ihre Augen vor den Fakten und ihr Herz der Menschlichkeit verschließen, wie könnten wir dann Stillschweigen bewahren?

Nein, wie immer es um den Erfolg bestellt sein mag, wagen wir, die Rechte der Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu fordern, und versuchen wir noch einmal, dem Fanatiker seinen Dolch zu entreißen und dem Abergläubischen seine Augenbinde abzunehmen.

Wo Intoleranz herrscht, werden sich die Menschen gegeneinander bewaffnen und aufgrund der verschiedenen Anschauungen immer wieder Kriege heraufbeschwören, aus politischen, religiösen und eigennützigen Gründen.

Es wird unter den Menschen immer verschiedene Meinungen geben. Dennoch sagt ihr, erfordere das politische Interesse, dass man diese Einheitlichkeit schafft. Dass man mit Bedacht jede Meinung verdammt, die zu dem im Staate anerkannten Meinungen im Widerspruch steht. Es heißt, man muss den Menschen nur Meinungen lehren, die in seinem Geburtsort gelten, ohne jemals zu wagen, sie zu untersuchen und zu erforschen. Die barbarischsten Vorurteile sind untertänig zu achten.

Nur die Intoleranz ist die Quelle des Übels. Denn, wenn die verschiedenen Parteien einander duldeten und sich nur durch das Vorbild, die Schicklichkeit der Sitten, die Liebe zu den Gesetzen zu bekämpfen suchten,  so würde im Staat trotz der Verschiedenheit der Anschauungen bald Eintracht und Friede herrschen. So wie in der Musik Dissonanzen den Zusammenklang des Ganzen nicht beeinträchtigen.

Aber, werdet ihr einwenden, der Herrscher müsse seine Anschauung in ganzer Reinheit und mit Entschiedenheit verteidigen. Wenn Vernunftgründe und Ermahnungen nicht fruchten, so träge er zu recht das Schwert, um den Aufrührer zu zwingen zur Einheit zurückzukehren.

Was willst du denn, DU Barbar?

Deinen Bruder umbringen, um ihn zu retten? Hat dich dein Gott mit dieser schrecklichen Aufgabe betraut? Woher weißt du, dass er so geehrt sein will?

Geh, Unglücklicher, dieser Friedensgott missbilligt deine grässlichen Opfer.“