4. Dezember 2017 – Barbaratag

Wie ihr vielleicht wisst, hat mein Frauchen Birgitt an der TU Clausthal studiert. Clausthal hat nicht nur eine herausragende Technische Universität sondern war weltbekannt für die Bergakademie und beherbergte auch das Oberbergamt. Deswegen wurde traditionell von den Studenten am 4. Dezember der Barbaratag gefeiert.

Was der Barbaratag ist, hat Frauchen schon einmal genau beschrieben. Wenn ihr wollt, könnt ihr das gern hier nachlesen.

Die heilige Barbara ist Schutzpatronin der Bergleute, weil sie selbst bei der Flucht vor ihrem Vater in einer Bergspalte Schutz fand. Zu ihren Ehren wird in den studentischen Verbindungen von Clausthal dann gehörig gefeiert. So erzählt es immer Frauchen und Mimi und ich graulen uns dann immer.

Nach einer gehörigen Portion Alkohol, (scheint nach Frauchens Erzählungen auf jeden Fall Bestandteil jeder Feier gewesen zu sein), spielten die Studenten der Stadt und ihren Einwohnern so manchen Schabernack.

Sie erzählte von Fahrrädern die oben an einem Laternenmast hingen, von Schubkarren, die wie von Geisterhand auf dem Garagendach landeten und von Gartenpforten und Autos, die bis zur Oberkante mit Schnee zugeschaufelt waren.

Am nächsten Tag war dann ein großes Hallo, um alles wieder an Ort und Stelle zu bringen und wieder frei zu schaufeln.

Haben die Studenten denn gar nichts anderes zu tun?

Aber, wenn ich mir es recht überlege, vielleicht sollte ich Mimi’s Körbchen auch mal zuschaufeln. Graben kann ich wirklich gut, das kann Frauchen bestätigen. Ich finde jede tote Maus oder Ratte unterm Schnee und grabe sie genußvoll aus.. Mir ist bloß schleierhaft, warum dann Frauchen immer so angewidert schaut.

Ob Mimi dann sauer ist? Na ja, lassen wir es am besten so wie es ist. Machen wir uns lieber eine Höhle in Frauchens Bett. Das muss genügend „Bergfest“ sein.

Dann bis morgen.

Eure Vicki

3. Dezember 2017 – 1. Advent

Ich muss euch mal etwas verraten. Pst, es braucht ja nicht jeder zu hören. Schon gar nicht Birgitt und Frauchen, und Vicki ist manchmal auch eine richtige Plaudertasche, zumindest seit sie älter wird.

Es gibt nämlich so Momente, da kann ich im Gehirn von Birgitt und Frauchen die Gedanken lesen. Echt, glaubt es nur.

Das sind solche Momente, wenn Birgitt meditiert oder ganz intensiv arbeitet. Bei Frauchen passiert es mir sehr oft, wenn sie in einem Buch versunken liest oder wenn sie so kurz vorm Einschlafen ist.

Es fühlt sich an, als säße ich direkt in den Schaltstellen ihrer Synapsen. Und ab geht die Post.

Ich sag euch, heute habe ich deutlich gesehen, wie sehr Frauchen mich liebt und wie sie es genießt, wenn ich mich ganz eng an sie rankuschele. Dann wird sie ganz ruhig und ein Glücksgefühl breitet sich um ihre Herzgegend aus. Und dann ist mir auch ganz warm ums Herz geworden.

Und Birgitt hat heute so eine Übung gemacht. Da soll man in den Spiegel schauen und sich lieb zulächeln und etwas Nettes zu sich selber sagen. Was meint ihr, ich habe genau gefühlt, wie das hilft.

Dann habe ich so bei mir gedacht, dass mache ich jetzt auch. Der einzige Spiegel, in den ich selbst reinschauen kann, steht im Schlafzimmer meines Frauchens. Na und wie ich da war, habe ich nicht mehr dran gedacht, weil ich gerade Nachbarskatze über unseren Zaun habe springen sehen. Da musste ich natürlich kräftig bellen und kreischen, wie ich es bei Katzen zu tun gewöhnt bin. Die hellen, spitzen Schreie mögen die nämlich überhaupt nicht. Dabei habe ich mich so aufgeregt, dass ich glatt vergessen habe, dass ich mich wohlwollend im Spiegel begrüßen wollte.

Na, was soll ich euch sagen. Ich geh so gedankenverloren und noch bis in die tiefsten Wurzeln erregt am Spiegel vorbei, sehe hinein … und erschrecke … „Wo kommt denn der Hund her“, schoss mir durch den Kopf und bin erst einmal aus Vorsicht einen Schritt zurückgesprungen.

Das war ganz schön peinlich. Ich hoffe, es hat keiner gesehen.

Es klappt halt nicht alles bei Hunden, was bei Menschen klappt.

Feiert einen schönen ersten Advent. Das werde ich auch gleich machen. Vielleicht fällt ein Leckerli ab.

Dann bis morgen.

2. Dezember 2017

Kennt ihr eigentlich die Erziehung von uns Hunde-Welpen? Ich, Vicki, denke manchmal, die Menschen könnten wirklich davon lernen.

Die Erziehung wird bei uns nicht nur von der Mutter übernommen, – Väter spielen bei uns keine Rolle – , sondern auch von den ganzen Tanten im Rudel.

Also erst einmal sind Welpen ganz unten in der Hierarchie. Was bedeutet, Erwachsene gehen immer vor. Wenn ein erwachsener Hund daher stolziert, dann geht man als Welpe besser aus dem Weg. Beim Fressen sind immer die großen, starken dran und dann erst die kleinen, schwachen. Wobei die Großen immer genügend überlassen, naja fast immer.

Mimi ist so eine Spieletante. Sie spielt gern erst ein bisschen, geht um ihren Fressnapf rum, schaut hinein und vermöbelt, wenn ihr Geschmack nicht 100% getroffen ist, den Napf und erst dann sagt sie sich, dann mal hinein mit dem Mampf. Manchmal guckt sie auch nach ihrem Frauchen, dass diese sie auch ausreichend beim Fressen bewundert und lobt. Ich schimpfe sie als große Schwester immer aus und sage: mit dem Essen spielt man nicht.

Also mir passiert das auf jeden Fall nicht. Ich fresse so schnell ich kann. Sonst kommt noch jemand und nimmt mir etwas weg. So war das nämlich in meiner Welpenzeit. Ich bin nie richtig satt geworden. Bis mein Frauchen das erkannte, das hat gedauert. Aber nun geht’s.

Ups, nun bin ich ein wenig vom Thema abgekommen.

Zurück zur Erziehung. Bellen darf man als Welpe auch nicht als erster. Dann kommt nämlich eine solche „Erziehungsberechtigte“ und legt den Kopf oder ein Pfötchen auf deinen Nacken. Was wiederum bedeutet, noch einen Ton und es kneift. Und Zähne können ganz schon zwicken.

Oder ich war manchmal schneller als die anderen, wenn es an der Tür klingelte. Zack, hatte ich eine Kopfnuss.

Wenn ich mich einem Sitz- oder Liegeplatz näherte, auf dem ein Erwachsener liegen wollte, reichten auch schon die Blicke. Huh, es schaudert mich heute noch, wenn ich an den stieren Blick von Tante Gwendy denke. Der verhieß echt nichts Gutes.

So lernen wir Hunde-Welpen mit der Zeit, wie man sich in einer Hundegesellschaft einfügt.

Wenn die Menschen das so ähnlich machen würden, dann gäbe es nicht so viel Krach und Missverständnisse zwischen Kindern und Erwachsenen.

Also, aus meiner Sicht haben die Menschen-Väter auch nicht sehr viel bei der Kindererziehung zu sagen. Sie dürfen nur mit den Kindern spielen und Unfug treiben. Frauchen sagt immer, in jedem Manne steckt ein Kind. Da hat sie wohl mal Recht.

Menschen-Mütter schreien ihre Kinder oft an (ob die wohl schwerhörig sind?), ohne dann wirklich das abzuverlangen, was sie von ihnen wollen. So kann das nicht klappen. Bei uns Welpen geht das alles ziemlich geräuschlos.

Wenn mein Frauchen mal NEIN sagt, – zuerst höflich, dann bestimmter und dann mit einem Ton, – der geht durch Mark und Bein, obwohl er überhaupt nicht laut ist -, ich sag’s euch, dann gehorche ich lieber. Dabei versichere ich euch, Frauchen hat mich noch nie gehauen oder gezwickt.

Und wenn ihr glaubt, die Kopfnüsse gäbe es bei Menschen nicht, weil diese verboten sind. Päh! Was ist dann bitte, das Reißen an den Armen, wenn ein Kind nicht mitkommen will?

Übrigens Respekt vor Erwachsen haben Menschen-Kinder selten und gehorchen noch seltener, weil es nicht so wie bei uns wirkliche Konsequenzen gibt. Kinder dürfen eben alles.

Tanten gibt es bei den Menschen eher auch nicht. Die werden dann durch die Kindergarten-Tanten und Lehrerinnen ersetzt. Oh, Frauchen sagt gerade, es gibt keine Kindergarten-Tanten mehr, nur noch Kita-Erzieherinnen. Bäh, what a fuck-up. Wo bleibt denn da die Liebe, die jedes Kind doch so nötig hat. Oder brauchen Menschen die nicht?

Und wie kann bitte eine Lehrerin Kinder erziehen? Die soll doch den Kindern Wissen beibringen. So wie etwa in der Hundeschule kleine und auch große Tricks vermittelt werden. Mimi wirft gerade ein, dass sich das auch geändert hat. In die Hundeschule werden nicht mehr die intelligenten Hunde zum Erlernen von tollen Sachen gebracht, sondern die Schwererziehbaren. Mann o Mann, was für ein Sittenverfall.

Unterm Strich:
Bis zu unserer Jugend wurden wir ausschließlich von unseren Müttern und Tanten erzogen. Es gab auch viele liebe Kuscheleinheiten. Unsere Menschen-Hebamme, wie die Züchterin sich nannte, hat uns auch manches Leckerli zugesteckt.

Gemaßregelt wurden wir nur, wenn wir uns nicht eingeordnet haben. Wenn wir es mal richtig übertrieben und überhaupt keinen Respekt gezeigt haben, dann haben wir die Konsequenzen zu spüren bekommen und wir haben auch gelernt uns dann zu entschuldigen, in dem wir uns demutsvoll ducken.

Könnte den Menschen-Kindern auch nicht schaden!

Dann wieder bis morgen.

1. Dezember 2017

Jetzt warten die Menschen wieder 24 Tage auf die Geburt dieses Christkindes. Und weil sie es nicht erwarten können, feiern sie schon jeden Tag ein bisschen. Da werden Lichterketten aufgehängt, Kerzen angezündet, Tannen aufgestellt, Kekse gebacken und, was mir ganz und gar unverständlich ist, Geschenke gekauft, die niemand wirklich braucht.

Wenn ich, Mimi, an meine Mutti denke, dann erinnere ich mich immer an ihre Ermahnungen.

Lass das mit den Rüden. Das macht nur Ärger und Arbeit. Gut, eine Zeit lang bekommst du das beste Essen und Leckerlis. Dann schwillt dein Bauch immer mehr an. Das Hochspringen auf’s Sofa wird immer beschwerlicher und dann … diese Krämpfe … Danach zutzeln 5 bis 6 Welpen an deinen Zitzen und du musst immer bei ihnen bleiben. Ihnen das Bäuchlein mit der Zunge massieren, ihre Hinterlassenschaften auflecken. Und wenn die Welpen erst mal wieder aus dem Haus sind, also von neuen Rudelführern adoptiert wurden, dann bist du auch nicht mehr wert als die anderen Hunde im Rudel.

Bei meinem Wurf hat meiner Mutti Serra die Tante Motti geholfen. Das ist bei Hunden nun mal etwas Besonderes, da können auch die Tanten säugen. Dann durfte meine Mutti auch mal aus ihrer Wurfbox heraus und nicht nur zum Pipi und Würstchen machen.

Beim Umgang mit den Rüden beneide ich ja immer meine große Schwester Vicki. Die knurrt erst und wenn das nicht hilft, knallt sie den Rüden eine. So stark bin ich nicht. Ich renne dann immer zu meinem Frauchen und sage: Auf den Arm, aber ganz schnell!

Vicki sieht das Kinderkriegen noch kritischer als ich. Wenn sie einen Rüden sieht, knurrt sie nicht nur und verteilt Kopfnüsse, sondern setzt sich auch ganz schnell auf das begehrte Hinterteil. Deswegen nennt ihr Frauchen sie auch immer „die eiserne Jungfrau“.

Vickis Mama Holly war auch noch viel strenger. Meiner Mutti hat es noch Spaß gemacht, mal hinternwedelnd vor dem Zuchtrüden, der natürlich nach ganz harten Kriterien ausgewählt wurde, herzulaufen.

Zuchtrüden und auch Zuchthündinnen müssen nahezu allen Regeln des Zuchtvereins genügen. Sie müssen die richtige Größe, das richtige Gewicht, die richtige Fellfärbung, den richtigen Habitus, das richtige Gebiss und ein freundliches Wesen haben.

Ehrlich, wenn die Menschenfrauen auch so hart wären, … hehe …, dann würden wohl viele Männer durchfallen, … kicher, kicher …

Also die Mama von Vicki, Holly, war sowieso eine Einzelgängerin. Sie lag am liebsten allein in einer Hundehöhle. Wenn jemand vorbei ging, gab sie mal vorsichtshalber warnende Knurrgeräusche von sich. Eigentlich hätte sie gut auf Kinder verzichten wollen. Leider war sie bei den Ausstellungen trotz Knurren und Schnappen nach den Händen ihrer Friseurin Champion geworden. Da half kein Jammern und Weinen, sie musste ran an die Fortpflanzung.

Holly hat ihre Vicki aber ganz doll lieb gehabt. Sie waren sich halt sehr ähnlich. Wenn wir bei unserer Züchterin zu Besuch waren, sind die beiden immer zusammen strawanzen gegangen.

Ja, so aus Hundesicht ist das Fortpflanzen nun auch kein Spaß. Wenn wir den Menschen zuhören und vor allen Dingen, was wir so beobachten, dann hätten die Menschenmütter ihren Töchtern auch lieber das beigebracht, was unsere Mütter uns sagten.

Falls sich ein Mann nähert, vorab schon mal unfreundlich knurren und bei Annäherung eine Kopfnuss!

Nur zwei Männer hat Vicki je an sich herangelassen. Der eine war Laurin, ein kastrierter Chihuahua, und Jazz, ein Bolonka Zwetna. Beide verstanden/verstehen sich auf das gewisse Ohrkrauli und Geflüster. Laurin hat es übrigens mal ganz bös mit der Kopfnuss getroffen. Er ist mit seinem Kopf gegen die Holzbank geschlagen. Sein Herrchen hat nur gesagt, musste er mit rechnen.

Übrigens, wie man sieht, ist Vicki ihrem Frauchen sehr ähnlich. Sie scheren sich kein bisschen an Rassenunterschieden. Das geht ihnen ganz einfach an dem gewissen Körperteil vorbei.

Ich habe das mit dem Krauli-Wauli auch einmal probiert, wie ihr auf dem Bild sehen könnt (übrigens das links bin ich). NA JA … Ich kann das mit der Kopfnuss nicht, daher lasse ich mich lieber nicht anschmusen, sondern laufe gleich weg.

Wenn die Menschen auch zu dieser Erkenntnis kämen, dann müssten die Häuser und Wohnungen nicht so groß sein. Die Nicht-Mütter könnten so viel und so lange arbeiten, wie sie wollten oder auch nicht. Die Nicht-Väter könnten, wenn sie Spaß daran hätten, Karriere machen, aber sie müssten nicht notwendiger Weise viel verdienen, um einer Familie was bieten zu können. Es gäbe keine unglücklichen Kinder, die den Maßstäben  ihrer Eltern entsprechen müssten, die manchmal sogar das erhoffte aber ungelebte Leben der Eltern leben müssen.

Vicki und ich sind uns einig. Wir haben es sehr gut mit unseren Single-Frauchen getroffen. Die haben nie überhaupt in Betracht gezogen, dass wir uns reproduzieren müssten. Manchmal gibt es so Äußerungen von anderen Hundehaltern, ob unsere Frauchen nicht gern so niedliche Kinder von uns haben wollten … Boah, da wird mir ganz schlecht. Und ich glaube meinem Frauchen auch.

Jeder Mensch kann das für sich entscheiden. Wir Hunde leider nicht immer. Deswegen ein Hoch auf unsere Frauchen. Wir leben gern in Single-Haushalten und besuchen uns lieber jeden Tag.

Aber, wenn ihr auf das besondere Kind warten wollt, dann nur zu. Wir werden euch gern mit Geschichten unterhalten.

Dann bis morgen!

Start für den Adventskalender 2017

Heute melden sich hier mal Vicki und Mimi zu Wort.

Wir haben Birgitt ein wenig zugehört. Sie ist ein bisschen müde und von den Reaktionen auf ihren Adventskalender 2016 etwas frustriert.

Den Adventskalender 2016 hatte sie ganz dem FRIEDEN gewidmet. Birgitt glaubte und glaubt immer noch, dass Frieden das größte Gut auf dieser Erde ist. Sie erzählt uns immer, wie privilegiert ihre Generation ist, die von Geburt an ohne Krieg leben durfte und nicht die Schrecken und Gräuel erleben musste, von denen die Älteren berichteten. So war Birgitt ganz erschrocken, dass ihre Beiträge, erstellt von großen und kleinen Persönlichkeiten, eher Unfrieden stifteten bis hin zu Hasstiraden.

Wir leben nun schon eine längere Zeit in unserer Menschenfamilie und haben manche Erzählung vernommen und unsere eigenen Schlüsse daraus gezogen.

Wir wissen aber auch wie viel Freude es den meisten Lesern von Birgitts Adventskalender (immerhin wäre das nun schon der 5. Adventskalender) gemacht hat. Deswegen haben wir beschlossen unsere Erfahrungen über die vorweihnachtliche Zeit mit euch zu teilen. So könnt ihr euch erfreuen und Frauchen ist ein bisschen entlastet.

Na ja, wir können den PC nicht so gut bedienen wie sie und wenn Siris und Cortana unser Bellen, Heulen, Winseln, Brummen und Zirpen nicht verstehen … dann bleibt doch ein bisschen Arbeit an ihr hängen … Aber wir versprechen, wir werden sie dabei oft zum Lachen bringen … und dann ist es sicher wieder gut.

Und schon beginnt die erste Geschichte.

Frauchen sagt, die Weihnachtszeit beginnt für sie immer am Buß- und Bettag. Das war früher wohl mal ein arbeitsfreier Tag und somit der Start zum Kekse Backen, Weihnachtsschmuck Basteln, den Adventskalender Bestücken und Weihnachtssachen aus dem Keller Holen.

Frauchen erzählt immer, dass der Buß- und Bettag sogar in Bayern mal ein Feiertag war. Dann wurde Franz-Josef Strauß durch BMW genötigt diesen abzuschaffen. Sonst hätten sie das Werk in Regensburg nicht gebaut und keine Arbeitsplätze geschaffen. Die Entscheidung das Werk zu bauen erfolgte 1982 und die Grundsteinlegung war 1984. Frauchen ist immer ganz und gar erstaunt, dass es in Wikipedia immer anders dargestellt wird. Angeblich wurde der Buß- und Bettag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung bundesweit geopfert. Sie fragt sich, ob sie noch das Geld für immerhin 14 Arbeitstage einklagen kann … Ist das nun schon der Tribut an unsere postfaktische Gesellschaft? oder schlicht und ergreifend Geschichtsfälschung?

Auf jeden Fall will Frauchen heute anfangen Weihnachtslieder zu üben.
Au weia, hoffentlich müssen wir da nicht jaulen …

Psychische Störungen in anderen Kulturen

In der Psychoedukationsschulung „Psychische Störungen nach Flucht und Migration“ am Max-Planck-Institut für Psychiatrie wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass in anderen Kulturen die bekannten Erkrankungen ein anderes Erscheinungsbild haben können. So ist es wahrscheinlich, dass in Ländern, die psychische Erkrankungen tabuisieren, diese einen somatischen Ausdruck bekommen. Der oder die Betroffene äußert körperliche Defizite anstatt auf Traurigkeit, Kummer, Angst oder ähnliches zu verweisen.

So berichteten die Helfer, dass Männer eher über Rückenschmerzen oder wandernde Schmerzen über den gesamten Körper klagen und Frauen sich schnell in eine Ohnmacht zurückziehen.

Für diese kulturspezifische Störungen ist oft das notwendige Wissen und damit Verständnis gar nicht gegeben ist, weil eine „kulturgebundene Psychopathologie“ nicht vorhanden ist.

Ein vielleicht noch wichtigerer Faktor kommt hinzu, nämlich die Sprachbarriere. Bei psychischen Erkrankungen ist die Gesprächstherapie eine tragende Säule. Aber wie soll man die durchführen, wenn keine geschulten Dolmetscher vorhanden sind?

Es ist schon schwierig, wenn Menschen im „normalen“ Leben mit unterschiedlichen Kulturen aufeinander treffen. Weitaus schwieriger ist es, wenn ein Teil dieser Menschen unter Gewalt, Verfolgung, Todesangst, Folter gelitten hat. Das können wir wohl gar nicht nachvollziehen. Aber wir können uns sicher vorstellen, dass diese Menschen seelische Erkrankungen ausbilden.

Deswegen finde ich es notwendig, zu unterstützen, wo man kann.

Immer wenn zwei unterschiedlich Erfahrungs- und Erlebnishorizonte aufeinander treffen, dann ist es notwendig, aufeinander zu zugehen, miteinander zu reden, versuchen sich gegenseitig zu verstehen. Das scheitert nicht selten an der Sprache, weil wir verlernt haben auch Gesten und Mimik einzusetzen. Beobachten Sie einmal Kinder, die auch ohne gemeinsame Sprache miteinander spielen, Spaß haben und lachen.

Jeder kann etwas zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Dann wenn man keine Angst voreinander hat, wenn man in der Andersartigkeit kein Problem sondern eine neue Sichtweise erkennen kann.

Nein, ich plädiere nicht dafür, dass man jeden Menschen lieben soll. Auch unter den Flüchtlingen und Migranten gibt es solche, denen ich lieber aus dem Weg gehe. Aber ich werde weder mir noch Ihnen den Weg versperren, sich kennen zu lernen.

Auch wenn die meisten von uns mittlerweile jedes Jahr im „Ausland“ Urlaub machen, ist das Verständnis für andere Kulturen nicht gewachsen, sondern eher geschrumpft. Kaum jemand macht sich die Mühe neben Strand oder Bergen auch die darin lebenden Menschen näher kennen zu lernen. Reisen bildet halt nicht immer.

Meine langjährige Erfahrung als Projektmanagerin hat mir oft gezeigt, dass sogar enger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung erst Rassismus fördern kann.

Es gibt sicher kein für alles gültiges Rezept, wie man Verständnis für andere Kulturen entwickeln kann. Die Geschichte zeigt uns aber auch, dass aus einer Vermischung Neues, Wertvolles entstehen kann.

Und das Schönste ist, wie meine gute deutsche Freundin mit ghanaischen Wurzeln sagt, wenn man aus zwei Kulturen das Beste extrahiert und zu etwas noch Besserem zusammenfügt.

In diesem Sinne,
seht die Bereicherung und nicht den Aufwand und das Geld.

In diesem Sinne,
seid offen und zugewandt.

Ich freue mich immer, wenn ich im Garten arbeite oder wir Gassi-gehen, dass unsere neuen Nachbarn im „Asylanten“-Haus, freundlich grüßen. Die, die die deutsche Sprache schon ein bisschen beherrschen, fragen nach wie es geht und freuen sich auf meine Gegenfrage. Besonders freue ich mich über die aufgeschlossenen, fast perfekt deutsch sprechenden Kinder einer afghanischen Familie. Dann weiß ich, dass wir richtig handeln.

Wer sich weiter informieren möchte, dem empfehle ich das Buch:
Psychotherapie nach Flucht und Vertreibung:
Eine praxisorientierte und interprofessionelle Perspektive auf die Hilfe für Flüchtlinge
von Maria Borcsa,‎ Christoph Nikendei

Psychische Störungen nach Flucht und Migration – Ein Projekt des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie

„Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle in Deutschland im Herbst 2015, war das Engagement der Mitarbeiter vielerorts groß. Während sich die Max-Planck-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit anderen deutschen Forschungsorganisationen auch dazu entschloss, langfristige Angebote zur Integration zu erarbeiten, entstand gleichzeitig eine von einem großzügigen Spender der Max-Planck-Förderstiftung ermöglichte Initiative. Max-Planck-Direktor Herbert Jäckle übernahm die Schirmherrschaft und gab ihr den Namen „People for People“. „Dem Spender der Förderstiftung geht es um das Menschliche. Er möchte Konzepte aus den Instituten fördern, die direkt den Flüchtlingen zugutekommen.“ Finanziert werden sollen dabei jene Aktivitäten, die sich aus öffentlichen Mitteln nicht finanzieren lassen. Kurz nach Jahresbeginn waren insgesamt 25 Projekte ausgewählt worden.“
Quelle: https://www.mpg.de/fluechtlingshilfe

Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München startete das Projekt „Refugee Psychiatry”. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie bietet ein Psychoedukationsprogramm für Flüchtlinge und Helfer an, um einen Beitrag bei der Versorgung von Menschen mit psychiatrischen Störungen nach Flucht und Migration zu leisten.

„Eine 2015 durchgeführte Studie an syrischen Flüchtlingen in der Türkei zeigt, dass zwei Drittel von ihnen Tod, Folter oder Entführung eines engen Freundes oder Familienmitgliedes beobachtet oder selbst erlebt haben (Alpak et al., 2015).
20 bis 30 Prozent der Flüchtlinge leiden unter einer schweren Depression oder einer ausgeprägten Posttraumatischen Belastungsstörung und brauchen eine Behandlung (Steel, Chey et al., 2009).“
Quelle: http://www.psych.mpg.de/refpsych

Ich habe an dieser 8-reihigen Schulung teilgenommen und viele Erkenntnisse gewonnen, die nicht nur auf Flucht und Migration sondern auch auf unser ganz normales Leben zutreffen.

Was mich persönlich allerdings am meisten bewegt hat und mir vor Augen gehalten hat, dass unsere Politiker vollkommen entgegen diesen Erkenntnissen handeln, war das Thema: Depressive Erkrankungen.

An diesem Nachmittag wurde u.a. über Schutzfaktoren und belastende Faktoren beim depressiven Syndrom bezogen auf Geflüchtete gesprochen.

Zu den Schutzfaktoren zählen:

  • Kulturelle Identität
  • Soziale Bindungen
  • Soziale Unterstützung
  • Religiöse Gebräuche
  • Arbeit
  • Familienzusammenhalt

Zumindest zu den Themen Arbeit und Familienzusammenhalt sind unsere Gesetze und deren Auslegung daher eher kontraproduktiv.

Gegen die belastenden Faktoren kann nicht viel getan werden oder man nimmt diese gar billigend in Kauf:

  • Einsamkeit
  • Heimweh
  • Statusverlust
  • sprachliche Probleme
  • Hilflosigkeit
  • Aufenthaltsstatus
  • Arbeitslosigkeit
  • offener oder latenter Rassismus
  • Dissonanz zwischen Normen und Werten der Herkunfts- und der Aufnahmegesellschaft

Und es gibt noch etwas, was mich stark berührt hat. Die Teilnehmer an dem Schulungsprogramm waren aus meiner Sicht nicht sehr zahlreich und bestanden überwiegend aus engagierten älteren Menschen und „Ausländern“, oder politisch korrekt, Menschen (in diesem Falle Ärzte aus Nordafrika und Südamerika) mit Migrations-Hintergrund.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meinen persönlichen Dank für eine hilfreiche, humane Initiative von engagierten Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie aussprechen.

Gäbe es doch mehr so kompetente und engagierte Menschen!

Frau und Bildung

Diese Woche feierten wir 500 Jahre Reformation. Am 31.10.1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen zum Ablasshandel an die Kirchentüre der Schlosskirche zu Wittenberg.

Das war der Beginn der Reformation der Kirche und wie viele Historiker sagen, das Ende des Mittelalters.

Für uns Frauen ist darüber hinaus hoch interessant, dass Martin Luther nicht nur den Ablasshandel kritisierte sondern auch 1524 eine Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ verfasste. So wurde in der Zeit der Reformation auch die Forderung nach allgemeinen Schulen für Jungen und Mädchen laut.

Bis dahin durften nur privilegierte Kinder in Kloster- und Domschulen etwas lernen. Das waren überwiegend Jungen und nur ganz vereinzelt Mädchen. Die große Masse der Bevölkerung bekam überhaupt keine Bildung.

Die Forderung Martin Luthers wurde naturgemäß nur in evangelischen Landen und Städten umgesetzt. In den katholisch gebliebenen Landesteilen verlief die Umsetzung nur sehr zäh. Das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken führte 1592 als erstes Territorium der Welt die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben ein. Im Kurfürstentum Bayern konnte erst 1802 eine 6-jährige Schulpflicht durchgesetzt werden.

Im Laufe der Geschichte ist die Bildung der Frauen immer wieder herabgesetzt, in Zweifel gezogen oder schlicht und ergreifend verboten worden.

Da möchte ich an die Geschichte der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai erinnern. Sie bezahlte ihre Rebellion gegen das Schulverbot für Mädchen, was die Taliban seit 2007 verhängten, fast mit ihrem Leben.

Frauen wurden mit untergeordneten und unterbezahlten Arbeiten beschäftigt. Auch unter der Annahme, dass Männer doch eine Familie ernähren mussten, die Arbeit der Frauen war ja nur „Zubrot“.

Das ging so weit, dass der Eintritt von Frauen in einen Berufszweig mit der Abwertung dieses Berufs einher ging. Diese männlich/weiblichen Lohnabstufungen sind materieller Ausdruck hintergründiger Denkstrukturen und Wertungen. Ich fürchte, dass ist bis zum heutigen Tag so geblieben.

Bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts reichte der Verdienst der Männer oft nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Deswegen mussten auch verheiratete Frauen arbeiten gehen.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts boten die meisten europäischen Staaten den Mädchen und den Knaben eine kostenlose Grundschulausbildung. Sie betrug 6 Jahre für Mädchen, 7 Jahren für Jungen. Nach der Volksschule (heute Hauptschule) gab es für Mädchen keine weiteren öffentlichen Bildungseinrichtungen, die allgemeinbildende oder berufsbildende Fertigkeiten vermittelten.

Frauen durften erst zum Beginn des 20. Jahrhundert an Universitäten studieren. Im Großherzogtum Baden als Vorreiter in deutschem Land wurde 1900 Frauen der volle Zugang zu Universitätsstudien ermöglicht.

Von 1870 bis 1930 verbesserten sich die wirtschaftlichen Lebensbedingungen der europäischen Stadtbewohnerinnen langsam aber stetig. So wurden weniger Kinder geboren. Im Allgemeinen reduzierten die Paare die Größe ihrer Familie, weil es sich als ökonomischer Vorteil erwies.

Die Verringerung der Geburtenziffern ging von den oberen Schichten aus und mit dem Bildungsstand der Frauen einher.

Dann kamen die Nationalsozialisten, die sich übrigens als Ziel setzten, den Anteil von Studentinnen auf unter 10% zu drücken!

Die Familie wurde als Keimzelle des Volkes propagiert. Der Muttertag wurde zum Nationalfeiertag erhoben. Doppelverdiener sollten nicht weiter existieren. Deswegen wurde 1936 eine staatliche Kinderbeihilfe pro Kind eingeführt. Ehepaare erhielten Finanzierungshilfen, wenn die Frau nicht außerhalb des Hauses arbeitete. Der Verkauf von Verhütungsmittel wurde verboten. Mütter von vier und mehr Kindern erhielten das Ehrenkreuz für die deutsche Mutter mit der Inschrift: Das Kind adelt die Mutter.

Leider, oder Gott sei Dank, funktionierte dieses Gedankengut nicht. Der Krieg schmiss alles über den Haufen. Frauen wurden in männlichen Berufen benötigt, weil die Männer an der Front kämpften.

1943 betrug der Anteil der studierenden Frauen dann auch knapp 50%.

Ja in Kriegszeiten dürfen Frauen oft das, was sie zu „normalen“ Zeiten nicht durften.

Übrigens, erst seit 1976 hatten Frauen das Recht eine Arbeit ohne Genehmigung ihres Ehemannes anzunehmen. Ich kann mich gut an den Zorn meiner Mutter darüber erinnern, die 1967 eine zweite Berufsausbildung nach ihrem Geschmack machte und dazu die Unterschrift ihres Ehemannes benötigte…

Bildung ist ein hohes Gut und Grundvoraussetzung für ein eigenverantwortliches Leben.

Deswegen, liebe Mütter und Väter,
unterstützt eure Mädchen nach ihren Fähigkeiten und Interessen, damit sie einen auskömmlichen und befriedigenden Beruf erlernen können.

Frau kann sich auch wehren

Sex wird als Waffe zur Unterdrückung und Machtausübung missbraucht.
Die #MeToo Bewegung zeigt das zurzeit sehr deutlich.

Aus vielen Kriegen wissen wir, dass Vergewaltigung von Frauen wie eine Waffe eingesetzt wird. Es geht darum, den Feind über die Gewalt an den Frauen zu demütigen, einzuschüchtern, ihn zu entmenschlichen. Die Körper der Frauen werden zu einer Art Schlachtfeld. Es ist auch eine Demonstration der Macht gegenüber den Männern, die nichts dagegen unternehmen können.

Das ist unmenschlich. Ob es dagegen ein Mittel gibt? Das bezweifele ich.

Ich möchte meine lieben Mit-Frauen aber gern auf eine andere Vorgehensweise aufmerksam machen.

Was Aristophanes in seiner Komödie Lysistrata beschreibt, dazu hat Leymah Gbowee aus Liberia erfolgreich aufgerufen. Aber eins nach dem anderen.

Die Frauen Athens und Spartas hatten vom Krieg ihrer Männer die Nase voll. Unter Führung von Lysistrata besetzen die Frauen Athens die Akropolis und verweigerten sich fortan sexuell ihren Männern. In Sparta veranlasste Lampito ähnliches. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten (mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen), führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg. So die Komödie von Aristophanes 411 Jahre vor Christus.

Die Frauenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee sprach in einem Interview darüber wie der „Sexstreik“ der Frauen zur Beendigung des Bürgerkriegs in Liberia 2003 beitrug.

„In der heutigen Welt ist alles übersexualisiert. Es war eigentlich eine Strategie, um die Männer in unserer Gesellschaft zu mobilisieren, mit männlichen Entscheidungsträgern innerhalb der Kriegsparteien zu sprechen.

Als wir es ankündigten, war es plötzlich überall in den Nachrichten. Diese Medienaufmerksamkeit erwies sich als sehr effektive Strategie.

In Togo haben Frauen vor ein paar Jahren zum Beispiel gegen eine Wahlreform protestiert. Sie führten dazu jahrelang Kampagnen durch. Die Medien haben darüber nicht berichtet. Bis zu dem Tag, als sie zum Sexstreik aufriefen. Da wachten alle Medien auf, auch internationale.“

Ich weiß aus Erzählungen, dass manche Frauen solange „Migräne“ haben bis sie etwas bei ihrem Mann durchgesetzt haben, die nächste Reise, das nächste Paar Schuhe, etc.

Also, liebe Mit-Frauen, ich will nicht dazu aufrufen, eure Männer mit Sex-Entzug zu erpressen. Ich möchte aber gern, dass ihr darüber nachdenkt, dass auch eine Frau sehr wohl und mit Nachdruck NEIN sagen kann. Eben auch unter Androhung von Sex-Entzug.

Und ganz ehrlich, muss Frau sich vor einem „Würdenträger“ klein machen? Steht es nicht in unserer Macht „NEIN“ zu sagen. Ich glaube, kein Mensch sollte in halbwegs normalen Umständen, etwas zulassen, was er nicht will.

Das Thema „Hochschlafen“ ist sicher jeder erfolgreichen Frau begegnet. Wie sollte Frau sonst erfolgreich sein? etwa aus eigener Kraft? Dann müssten eventuell die nicht erfolgreichen Männer darüber nachdenken, warum es bei ihnen nicht klappt. Ganz ohne die Ausrede, „dass ist nur wegen des hübschen Lärvchens“.

Liebe Mit-Streiterinnen,
lasst euch nicht klein machen. Lasst nicht zu, dass ihr benutzt werdet.
Selbstbewusstsein ist die beste Abwehr.

Gegen Gewalt sind alle machtlos. Aber redet darüber. Bleibt nicht allein mit dem Erlebten. Seht zu, dass der Vorfall öffentlich wird. Und bitte, nicht erst nach Jahrzehnten, wie es beim Hashtag #MeToo so oft geschieht, sondern schreit das Unrecht gleich heraus. Auch hier sind die Medien ein Mittel der Wahl.

Frauen und #MeToo

Diese Woche entstand aufgrund des Bekanntwerdens eines Skandals um US-Filmproduzent Harvey Weinstein eine Welle der Empörung und Solidarisierung. Harvey Weinstein nutzte wohl seine Position als Filmproduzent schamlos aus, um Schauspielerinnen sexuell zu belästigen.

Mit dem Hashtag  #MeToo setzte die Schauspielerin Alyssa Milano eine Welle in Bewegung, die zeigt, wie allgegenwärtig sexuelle Übergriffe auf Frauen auch in unserem Alltag sind.

Sicher hat jede Frau eine persönliche Schwelle, die bei der einen hoch und bei der nächsten niedrig liegt.

Ich habe mich z.B. durch Pfiffe von Bauarbeitern nicht beleidigt gefühlt, aber auch nie umgedreht.

Ich denke, dass es auch auf das eigene Selbstverständnis ankommt. Und ganz wichtig, ob Frau gelernt hat NEIN zu sagen oder BIS HIERHER UND NICHT WEITER. Bei einem brutalen Übergriff wird das wahrscheinlich auch nicht helfen. Aber einen großen Teil der Männer wird das schon einmal abschrecken. Für den Rest braucht Frau eine Kampfsport-Ausbildung, was nicht mein Fall wäre.

Ich möchte deswegen allen Eltern von Mädchen sagen, lehrt sie, dass sie der männlichen Welt nicht untergeordnet sondern ebenbürtig sind. Zeigt ihnen, dass sie alles Recht haben, solches Verhalten abscheulich und inakzeptabel zu finden.

Gerichtet an junge Frauen und auch ältere möchte ich appellieren, lernt selbstbewusst aufzutreten. Zeigt, dass eure Meinung, eure Aussage genauso viel wert ist. Euer Körper gehört euch ganz allein. Ihr verschenkt eure Gunst nur an jemanden, den ihr für würdig erachtet.

Selbstbewusstsein ist eine große Schlüsselqualifikation. Es lohnt sich daran zu arbeiten. Allein eure Körpersprache drückt dann aus, „mit der ist nicht gut Kirschen essen, lass lieber die Finger davon“. Wer mit geradem Blick, gerader Haltung und gemessenen Schrittes durchs Leben geht, kann wahrscheinlich schon manche brenzlige Situation von vornherein umgehen.

Oft sehe ich gerade Mädchen und junge Frauen, ihren vorderen Körper schützend, also leicht gekrümmt mit verkreutzten Armen, huschendem Blick abends über den Bahnhofsplatz eilen. Damit zeigt ihr eure Angst ganz offen.

Oder ich sehe junge Frauen, die mit Männern scherzen und kichern. Ich will euch nicht den Spaß am Leben verderben, aber seht euch die Männer doch erst einmal richtig an, bevor ihr mit Wildfremden so offen umgeht.

Auch Kleidung drückt viel aus. Ich kleide mich auch gern modern und sexy, male mich an und rote Lippen gehören genauso wie große, lange Ohrringe zu meinem äußeren Bild. Das heißt aber nicht, dass ich mich überall so zeige. Am Abend in der S-Bahn oder auf öffentlichen Plätzen ziehe ich lieber etwas „Neutrales“ drüber und entferne u.U. sogar meinen Schmuck. Einfach mal darüber nachdenken, was signalisiere ich gerade und ist es der Situation angepasst.

Auch wenn jeder Film, jede TV-Sendung, alle Zeitschriften Sex und offenherzige Frauen darstellen, sage ich dazu, dieser Teil des Lebens wird in den Medien überbetont.

Ihr braucht es nicht mit Jedem zu machen und von Jedem zu akzeptieren, um „IN“ zu sein.

Sexualität ist etwas sehr Schönes, aber eben nur auf freiwilliger Basis. Dann, wenn ihr einen Mann liebt, ihn anziehend findet und keine Absicht dahinter steckt.

Wenn ihr erpresst, unter Druck gesetzt werdet, oder nur „performed“, weil ihr glaubt, das gehört dazu, dann bringt ihr euch um einen Teil von eurem Selbst und bleibt gedemütigt und klein gemacht zurück.

Ich empfehle jeder Frau:
Lernt euch auszudrücken und akzeptiert nur, was auch ihr wollt. Nehmt an einem Selbstbewusstseinstraining teilt. Besucht einen Selbstverteidigungskurs. Lernt gewaltfreie Kommunikation und Deeskalationsstrategien.

Und vor allem:
Schämt euch nicht, wenn es doch zu einem Übergriff gekommen ist. Geht zur Polizei und erstattet Anzeige. Schämen sollte sich nämlich nur der Verursacher eures Leids.

Dass wir Frauen auch eine wirkungsvolle Waffe haben, die wir aber nur sehr, sehr selten einsetzen, darüber berichte ich in meinem nächsten Beitrag.