Zaunkönig

Gestern habe ich solch ein kleines Kerlchen an einer Futterstelle gesichtet. Aber auch nur, weil er auf einem Ast saß und durch seinen charakteristischen Schwanz, der steil nachoben steht, sich zu erkennen gab. Gleich darauf war er im unten liegenden Laub fast nicht mehr zu sehen.

Nach Grimms Märchen ist der kleine Wicht ein Betrüger, König durch Tricks.

Höher als der Adler konnte er nur fliegen, weil er sich in dessen Brustfedern verbarg, tiefer in  die Erde eindringen als andere Vögel, konnte er nur mit Hilfe eines Mauselochs und wenn die Eule nicht eingeschlafen wäre, wäre er im Mauseloch verhungert. Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, warum mir, während ich hier schreibe, immer wieder die Autoindustrie in den Sinn kommt???

Weil er sich vor den anderen Vögeln, die er austricksen wollte, in acht nehmen muss, sucht er in Hecken und Zäunen Deckung und ruft dort sein „König bün ick! König bün ick!“. Deswegen der Spottnamen „Zaunkönig“.

Ein kleiner Angeber ist er allemal, mit seinem Gesang und seinem Gehabe. Aber ich mag den kleinen Kerl, der mich bei der Gartenarbeit oft lautstark beschimpft. Das Männchen kann mit seinem Gesang bis zu 90 Dezibel laut sein und ist auf 500 Metern zu hören.

Mit einem Zaunkönig im Garten werden nur die Gärtner belohnt, die einen naturnahen, möglichst verwilderten Garten zu bieten haben oder dichte Hecken und einheimische Gehölze wie Schlehe, Haselnuss etc., auf denen eine Vielfalt von Insekten für den Insektenfresser zur Verfügung steht. Auf vielen Zierbüschen, wie auch die fast überall vorhandene Forsythie, sind diese nicht zu finden. Auch der mancherorts beliebte englische Rasen ist für ihn keine Lebensgrundlage. Er braucht zum Nestbau nämlich Moos.

So gilt das energetische, kleine Kerlchen als Symbol für eine natürliche, vielfältige Umwelt.

3 thoughts on “Zaunkönig

  1. Es ist schön, daß sich auch dieser kleine Wicht seit vielen Jahren bei uns im Garten wohlfühlt. Wenn in den Gartenanlagen ringsum die Sträucher und Bäume angepflanzt würden, die lt. Gemeinde beim Bau vorgeschrieben werden, dann hätten viele Tiere hier ein Schlaraffenland. Von Thujen Anbau ist nämlich nichts in den Vorschriften zu finden. Die Artenvielfalt hat im Laufe der Jahre deshalb rasant abgenommen. Schade, so geht vieles an Schönheit verloren. Natürliche Nahrungsquellen werden immer weniger und Feinde wie Katzen immer mehr.

    • Und deswegen sollte man auch nicht das große Gartenputzen im Herbst veranstalten. Unter liegengelassenem Laub finden Vögel Insekten und Samen in den nicht abgeschnittenen Blumenständen. Manchmal ist es eben besser erst später aufzuräumen, wenn man sich sicher ist, dass es nicht noch gebraucht wird. Dazu gehört auch das Moos. Also, nicht ständig Rasen vertikutieren und Anti-Moos-Dünger werfen. Katzen sind wohl wirklich ein großer Feind der Vögel. Aber solange keine Menschen oder „Nutz“tiere bedroht werden, wird es kein Überdenken geben.

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