Zum Tag der Familie

Family sitting in hammock

Zum heutigen Tag der Familie habe ich mir überlegt, was ist heute denn eine Familie? Nahliegend ist es, mal bei Wikipedia nachzuschauen, was die sagen. Was ich da gelesen habe, fand ich sehr beeindruckend.

Zunächst etwas über den Ursprung des Begriffes Familie.

„Der lateinische Begriff familia (die Hausgemeinschaft), abgeleitet von lat. famulus (der Haussklave), bezeichnete ursprünglich nicht die heutige Familie (Eltern und deren Kinder), sondern den Besitz eines Mannes (des pater familias), den gesamten Hausstand: seine Ehefrau, Kinder, Sklaven und Freigelassene sowie das Vieh. Familia und Pater waren keine Verwandtschafts-, sondern Herrschaftsbezeichnungen. Der biologische Erzeuger (Vater) hieß genitor, nicht Pater.“

Aha, ist doch schon viel modernes dabei: Hausgemeinschaft, Besitz eines Mannes, Herrschaftsbeziehung, biologischer Erzeuger nicht Vater.

Zur Funktion der Familie:

„Ob die biologische Reproduktionsfunktion der Spezies „Mensch“ der Institution „Familie“ bedarf, ist umstritten.“

„Die wirtschaftliche Funktion ist eine wichtige Funktion. So erbringt sie Schutz und Fürsorge für Säuglinge, für kranke und alte Familienangehörige, ernährt, kleidet und behaust sie.“
(Habe ich da was verpasst? Ist eventuell der Staat die Familie?)

„Für in ihr geborene Kinder erbringt sie eine legitime Platzierung in der jeweiligen Gesellschaft.“
(Horcht, horcht!)

Nun beginnt der Wandel (1850 – 1950):

„Folgendes Bild bietet sich:

  • verheiratetes Elternpaar, mit Entscheidung für Ehepartner aus Liebe (Liebesheirat)
  • eigene (leibliche) Kinder, mit Entscheidung für Kinder aus Liebe und kaum noch aus wirtschaftlichen Überlegungen
  • Haushaltsgemeinschaft aus einem verheirateten Paar und dessen in der Regel leiblichen, unmündigen Kindern
  • lebenslange, monogame, heterosexuelle Ehe
  • Traditionelle Rollenverteilung innerhalb der Geschlechter: der Vater war der Haupternährer, besaß höchste Autorität („Familienvorstand“); die Mutter hatte in ca. 70 % der Fälle einen Nebenerwerb und stand der Haushaltsorganisation vor (Schlüsselgewalt).
  • Wohn- und Arbeitsstätte waren räumlich getrennt

Nun kommt die „moderne“ Pluralisierung der Lebensformen (spätes 20. Jahrhundert):

„Dieser Wandel der Haushalts- und Familienstrukturen zeigt sich vor allem in der Anzahl der Alleinerziehenden und der kinderlosen Ehepaare sowie der nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften.

Neben der „Normalfamilie“ haben sich verschiedene alternative Lebensformen herausgebildet:

  • Einpersonenhaushalt
  • Alleinerziehendenhaushalt
  • Nichteheliche Lebensgemeinschaft
  • Kinderlose Ehe
  • Getrenntes Zusammenleben
  • Wohngemeinschaft
  • Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft
  • Gleichgeschlechtliche Ehe
  • Regenbogenfamilie
  • Fernbeziehung oder Commuter-Ehe (beide Partner arbeiten unter der Woche getrennt wohnend und sehen sich oft nur am Wochenende)
  • Kinder mit mehreren (biologischen und sozialen) Müttern und Vätern (Adoptiv-Familien oder Stieffamilien; man spricht auch von sogenannten „binuklearen Familien“, wenn die geschiedenen – nicht sorgeberechtigten – Elternteile den Kontakt mit ihren Kindern aufrechterhalten)
  • Polyamore Familien, d. h. Familien mit mehr als einer Partnerschaft unter den (mindestens drei) Erwachsenen

So, mit dieser verwirrenden Erkenntnis lasse ich Sie nun allein!!!
Ich frage mich nur, was schützt nun der Staat?

 

4 thoughts on “Zum Tag der Familie

  1. Mir kommt der Verdacht, dass der Staat auch nur an sich selber denkt, viele Aktionen sind Wählerstimmenfang. Gerade der Schutz der Alten unserer Gesellschaft, die wirklich sehr der Hilfe bedürfen, sind nur am Rande erwähnt. M. E. gehören die auch zur Familie, oder? Finanzielle Anreize zur Pflege sind allerdings nicht vorhanden, mal googeln!

    • Ein Jahr Kindererziehung bringt in der Rente monatlich €28,61 (der Erziehende unterliegt dabei keinen Beschränkungen bzgl. zustäzlichen Erwerbsarbeitszeit) für ein Jahr Pflege eines Anghörigen wird je nach Pflegestufe zwischen €6,99 und €20,97 (mit Einschränkung der zustäzlichen Erwerbsarbeitszeit auf maximal 30 Stunden) in der Rente berücksichtigt. Wenn Geld eine Aussage zur Wertschätzung macht… dann stimmt es wohl, dass unsere „Alten“ nicht so viel wert sind.

      Und ich möchte zusätzlich zu bedenken geben, Kindererziehung findet in einem Alter der erziehenden Eltern statt, in dem man meist noch viel wegstecken kann. Bei der Pflege von Eltern sind die Pflegenden meist auch schon „ältere Semester“ und nicht mehr so belastbar. Die mentale Belastung ist oft sehr hoch, z.B. wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr erkennen, wenn man weiiß, dass sich Verhalten nicht mehr verbessern sonder nur noch verschlechtern können etc.

      Für unsere Poltiker zählen aber wohl eher die zukünftigen Wählerstimmen und nicht die, die sowieso verschwinden.

  2. ich denke Familie sind die angehoerigen und Personen die zusammen in ein Haushalt leben, die sich gegenzeitig untersturtzen, lieben, helfen, teilen. verstehen, frueher konnten mehrere generationen in ein haushalt leben, und somit wurde die aeltere generation die mit in diesen haushalt lebte versorgt, heute ist das viel schwieriger geworden, platz mangel in unterkunft, frauen die beruflich taetig sind, trennungen von paaren, und wenn diese oder andere problemen auftreten ist es wenn mann der untersturtzung von der staat erwartet wird, die oft nicht rechzeitig oder folgt. Etwas das ich beobachtet habe ist: das reiche ein land ist, folgen viel mehr problemen in der familie, mann bracht nur die meisten 3weltlaender und die situation ist schon anders, diese laender und leute haben sicher viele problemen aber der enge zusammenhalt unter und mit der familie ist sehr stark. also wichtig ist,- egal wie schwer das ist, mann soll die familie selbst untersturzen und sich nicht auf der staat verlassen.
    (Ich hatte es liebe auf English geschrieben weil mein deutsch nicht so gut ist, aber ich hoffe das ich mich so gut wie moeglich ausgedruckt habe das mann verstehen kann was und wie ich denke ueber diese thema. familie ist das A und O von unser leben.)

    • Liebe Patricia,

      danke für diese Sichtweise. Das moderne Leben bringt es mit sich, dass es keine Mehrgenerationen-Haushalte mehr gibt. Zu kleine Wohnungen, die Mobilität der Kinder und deren Berufstätigkeit sind oft der Grund. Es stimmt wohl auch, dass die reichen Länder die meisten Probleme haben und nach dem Staat und dessen Fürsorge rufen.

      Meine (mittlerweile deutschen) Freunde mit Ursprung in Ghana wollen auch lieber dort alt werden als hier. Sie sehen aber auch, dass es dort schon Veränderungen gibt.

      Familie ist für mich auch mehr als nur die heutige Sicht und Basis allen Lebens (nicht nur Daseins). Für mich gehören Eltern, Kinder, Kindeskinder, nahe und weit entfernte Verwandte, Freunde und Haustiere usw. dazu.

      Liebe Grüße nach Argentinien

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