Vorbereitung auf den Ruhestand?

Rentner

Ist das denn notwendig?

Früher wurden in meiner damaligen Firma angehende Rentner und deren Partner auf den kommenden Ruhestand „vorbereitet“. Wie diese Vorbereitung aussah, kann ich leider nicht erzählen. Um ehrlich zu sein, hat mich das damals nicht interessiert.

Mittlerweile selbst älter geworden wie auch viele aus meinem näheren Umfeld wird das Interesse größer. So hörte ich auf einem gemeinsamen Treffen mit Ehemaligen die Frage von zukünftigen Rentnern: Wie läuft das denn, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist?“

Wenn man noch weit entfernt ist, stellt man sich das Rentnerdasein so idyllisch vor. Den ganzen Tag Zeit für die Dinge, die man immer machen wollte, aber aus Zeitmangel nie geschafft hat. So ähnlich wie nie endende Ferien. Oder ein bisschen so, wie die Werbung die Rentner sieht: aktiv, braungebrannt, immer Geld in der Tasche…

Wenn die Zeit aber nicht nur naht, sondern sogar vor der Tür steht, packt die meisten doch die Panik oder mindestens ein ungutes Gefühl. Was fängt man nur an mit den 40, 60 oder gar mehr Stunden, die man bisher in und mit der Firma verbracht hat?

Ein guter Freund fragte mich vor kurzem, machst du nicht sowas mit „Senioren-Coaching“? und in der S-Bahn kam ich mit einem Herrn ins Gespräch, der mir erzählte, dass er heute seinen letzten Arbeitstag hätte und sehr daran interessiert wäre, wie nun die neue Freizeit gestaltet werden könnte, damit keine Langeweile aufkäme und es ihn auch ein bissen bedrückt, wie das nun mit seiner Frau funktionieren wird.

So wie es für die Karriere und schwierige Situationen und Lebenslagen einen Coach gibt, habe ich mich der Themen der Neu-Ruheständler auf dem Weg zum Profi-Ruheständler angenommen.

Der Eintritt in den Ruhestand beinhaltet zusätzlich einen kleinen Wermutstropfen. Dieser Lebensabschnitt ist derjenige, in dem es nicht mehr nur bergauf sondern bergab geht. Das Ziel sollte jedoch sein, sich möglichst lange auf einem hohen Niveau zu bewegen.

Es gibt natürlich keine allgemein gültige Vorgehensweise. Es gibt allerdings einige Fragen, die sich jeder, der diesen neuen Lebensabschnitt betritt, stellen und nach bestem Gewissen beantworten sollte.

Dabei möchte ich auch anregen, das Ende des Weges nicht aus den Augen zu verlieren. Dieser Teil kann sehr mühselig, langandauernd und sehr verwirrend sein. Ich weiß nicht, ob man sich wirklich darauf vorbereiten kann. Aber man kann sicher Vorsorge treffen.

Wenn ich nun für den einen oder anderen in Rätseln gesprochen habe, möchte ich hier ein paar konkrete Ausführungen anfügen.

Der jung-dynamische Ruheständler wird sich zunächst in die Freiheit stürzen, Reisen unternehmen, sich sportlich betätigen, vielleicht Weiterbildungs-angebote annehmen. So weit so gut. Sie oder Er wird aber auch bemerken, dass der Partner wieder neu in sein Leben tritt. Über viele Jahre war der Partner nur am Abend und am Wochenende Teilnehmer an seinem Leben. Da erscheint die Frage am Horizont:

Wie stellt sich der Partner die neue Freiheit vor? Ist es für sie/ihn überhaupt eine neue Freiheit oder wird hier nicht eher ihre/seine eingeschränkt?

Häufig tauchen auch gleich beim Abschied nehmen aus dem Berufsleben alte Kränkungen und Verletzungen auf, die aufgearbeitet oder auch nur „losgelassen“ werden müssen.

Der Freundeskreis wird sich verändern. Oft ersetzen Arbeitskollegen in der aktiven Berufszeit die Freunde/Bekannte. Wie wird dieser Kreis sich verändern und wo findet man neue Bekanntschaften?

Wie ich oft beobachte, reicht es nicht, sich extensiv in den Sport zu stürzen, Rad fahren, Joggen, etc. Für einige werden mit zunehmendem Alter körperliche Einschränkungen eine Rolle spielen. Wie geht man damit um?

Welchen Sinn hat mein Leben jetzt?

Und schließlich findet man vielleicht auch einen Weg zur spirituellen Bildung.

Wer im Berufsleben schon von einem Coach begleitet wurde, dem wird es nur logisch erscheinen sich weiter begleiten zu lassen. Wer es noch nicht ausprobiert hat, der könnte jetzt die Gelegenheit beim Schopfe packen und es ausprobieren.

Ein Coach kann die Rolle eines engen Vertrauten einnehmen, der einen neutralen Raum für respektvolle und wertschätzende Gespräche bietet, in dem wichtige Erkenntnisse gewonnen und Zugang zu den eigenen Möglichkeiten geschaffen werden können.

Einen persönlichen Coach zu haben, kann enorm hilfreich sein. Er kann dabei unterstützen, sich selbst besser wahrzunehmen, die persönlichen Stärken zu nutzen und den Sinn in der neuen Lebenssituation zu erkennen und zu fördern.

2 thoughts on “Vorbereitung auf den Ruhestand?

  1. Es ist sehr, sehr wichtig, sich rechtzeitig auf die neue Situation einzustellen!
    Ich erinnere mich noch gut an einen Mitarbeiter, der gar nicht genug davon erzählen konnte, wie er sich auf seinen Ruhestand freuen würde. Jeden Tag könnte er dann endlich mit seiner Frau was unternehmen. Er wurde sehr nachdenklich, als ich fragte, wie es denn seiner Frau und ihm wohl wirklich gehen würde? Jeder der beiden hatte doch jahrelang seine Freiräume täglich. Als er nach einigen Monaten vorbeikam, war er nicht mehr so euphorisch. Das war ja wie in der ersten Zeit der Ehe, man musste sich neu kennenlernen.

    • Es gibt 3 einschneidende Ereignisse im Leben einer Partnerschaft, wenn Kinder in ihr Leben treten, wenn die Kinder sie verlassen und wenn die Partner in den Ruhestand gehen. Alle 3 Ereignisse bringen die Partnerschaft komplett durcheinander und die Beteiligten müssen sich neu orientieren. Meines Erachtens ist der Schritt in die Rente der größte. Die beiden Partner müssen wirklich noch mal neu anfangen. Ein bisschen Vorbereitung ist da nicht schlecht. Es macht vielleicht sogar Spaß und ist für beide oft viel aussichtsreicher, wenn ein Außenstehender moderiert und kleine Hilfestellungen gibt. Beim Sport ist ein Coach oder Mentaltrainer doch auch vollkommen normal.

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