Würde und FRIEDEN

Leszek Kołakowski, ein polnischer Philosoph, der 1977 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, hat ein Essay über „Erziehung zum Hass, Erziehung zur Würde“ geschrieben.

„Wenn wir wirklich lieben, sind wir gegenüber dem Gegenstand unserer Liebe unkritisch. Wenn wir wirklich hassen, sind wir sowohl gegenüber uns selber, als auch dem Gehassten gegenüber unkritisch, denn kritisch zu sein, heißt differenzieren zu können, und der Hass macht uns zu jeder Differenzierung unfähig.

Das ist also die Geheimwaffe des Totalitarismus. Das ganze geistige Gewebe der Menschen mit dem Hass zu vergiften und sie dadurch ihrer Würde zu berauben. In meiner Zerstörungswut bin ich selbst zerstört, in meiner Selbstgefälligkeit kann meine Würde nicht gerettet werden. Sowohl meine Integrität als auch die Kommunikation und die Solidarität mit anderen gehen verloren.

Hassenden werden nicht Freunde dadurch, dass sie einen gemeinsamen gehassten Feind haben.

Und zu sagen, dass der Hass mit Hass zurückgezahlt werden soll, heißt zu sagen, dass man zuerst die Gründe für die Gerechtigkeit des eigenen Kampfes verlieren muss.

Die Erziehung zur Demokratie ist die Erziehung zur Würde, und das setzt die Freiheit vom Hass voraus.

Eine Freiheit vom Hass, die nur durch die Flucht vor den Konflikten erreicht wird, ist eine scheinbare Tugend, wie die Keuschheit eines Kastraten.

Nichts ist gewöhnlicher und trivialer, als dass ein an sich unbedeutender Konflikt zur tödlichen Feindseligkeit anwächst, weil die Weise, ihn zu behandeln, neue und immer schärfere Konflikte erzeugt.

Versöhnlichkeit und Kompromissbereitschaft ohne Feigheit und ohne Konformismus, die Fähigkeit, den Überschuss der Feindseligkeit zu beseitigen, ohne Zugeständnisse in dem zu machen, was man als Kern der Sache betrachtet.

Das ist gewiss eine Kunst, die niemandem als Naturgabe zwanglos zukommt. Von unserer Fähigkeit, uns diese Kunst anzueignen, hängt aber das Geschick der demokratischen Weltordnung ab.“

Ein deutsches Sprichwort sagt: Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.

Manchmal ist aber Reden Frieden und Schweigen Krieg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.