Es geht weiter!

Heute vor 5 Jahren ist meine Mutter gestorben. Ich denke täglich an sie. Und je länger die Zeit verstreicht, desto mehr erinnere ich mich.

Ich erinnere mich an ihre Zartheit, ihr Zupacken, ihre Warmherzigkeit, ihre Offenheit, ihre Geschicklichkeit, ihre Fantasie, ihr Lachen, ihr Weinen, ihre warmen Hände, ihre Verzweiflung, ihre Traurigkeit, … und besonders an ihre großzügige Liebe.

Ich habe sehr viel von ihr gelernt, nicht aufzugeben, sich nicht von Trauer und Verzweiflung beherrschen zu lassen.

Am besten sagen das Worte von Robert Lee Frost:

Ich kann das,
was ich über das Leben gelernt habe,
in drei Wörtern zusammenfassen:
Es geht weiter!

Eure Birgitt

Dreimal werden wir noch wach …

Kurz vor Weihnachten weckte mein Vater uns immer mit dem Lied „dreimal“, „zweimal“ oder wie es in dem Weihnachtslied wirklich heißt „einmal“ werden wir noch wach.

Weihnachten.

Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freun;
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unserm Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heissa, dann ist Weihnachtstag!

Wie wird dann die Stube glänzen
Von der großen Lichterzahl,
Schöner als bei frohen Tänzen
Ein geputzter Kronensaal!
Wißt ihr noch vom vorgen Jahr,
Wie’s am Heilgenabend war?

Wißt ihr noch mein Reiterpferdchen,
Malchens nette Schäferin?
Jettchens Küche mit dem Herdchen
Und dem blank geputzten Zinn?
Heinrichs bunten Harlekin
Mit der gelben Violin?

Wißt ihr noch den großen Wagen
Und die schöne Jagd von Blei?
Unsre Kleiderchen zum Tragen
Und die viele Näscherei?
Meinen fleißgen Sägemann
Mit der Kugel unten dran?

Welch ein schöner Tag ist morgen,
Viele Freuden hoffen wir!
Unsre lieben Eltern sorgen
Lange, lange schon dafür.
O gewiß, wer sie nicht ehrt,
Ist der ganzen Lust nicht wert!

nach Karl Friedrich Splittegarb

In dem Lied wird auch mehr oder weniger klar, dass es sich um ein Fest der Geschenke und Naschereien handelt. Hier kommt kein Weihnachtsmann, kein Christkind oder himmlische Chöre vor. Allein die Eltern, die sich um den ganzen Glanz und Gloria bemühen. Natürlich darf der erhobene Zeigefinger nicht fehlen: Nur wer seine Eltern ehrt, ist den ganzen Aufwand wert.

Eure Birgitt

Der Traum zum vierten Advent

Die Weihnachtszeit lädt ein zum Träumen. Macht es euch kuschelig, hinterm warmen Ofen oder unter einer Decke, mit einer Tasse Glühwein und würzigen Plätzchen. Vielleicht passiert euch auch dann das, was in dem Gedicht von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben festgehalten wurde.

Der Traum

Ich lag und schlief, da träumte mir
Ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
Ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,
Die brannten ringsumher;
Die Zweige waren allzumal
Von goldnen Äpfeln schwer.

Und Zuckerpuppen hingen dran,
Das war mal eine Pracht!
Da gab’s, was ich nur wünschen kann
Und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
Und ganz verwundert stand,
Nach einem Apfel griff ich da,
Und alles, alles schwand.

Da wacht‘ ich auf aus meinem Traum,
Und dunkel war’s um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
Sag an, wo find‘ ich dich?

Da war es just, als rief er mir,
„Du darfst nur artig sein,
Dann steh‘ ich wiederum vor dir;
Jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
Dann ist erfüllt dein Traum,
Dann bringet dir der heil’ge Christ
Den schönsten Weihnachtsbaum!“

Ich wünsche euch zum vierten Advent einen verträumten Abend.
Und dann schön artig sein und alles befolgen.
Dann, ja dann, geht der Traum in Erfüllung.

Eure Birgitt

Wer besteht den Test?

Habt ihr schon einmal überlegt: Wer sitzt eigentlich hinter Gittern und wer davor? Ist es nicht immer nur eine Betrachtungsweise?

Im Zoo ist das einfach. Stehe ich vorm Tigerkäfig, bin ich frei und fühle ich mich gleichzeitig geschützt. Der Tiger könnte es anders sehen, er fühlt sich vielleicht eingesperrt. Beim Haitauchen ist es genau umgekehrt. Der Hai darf frei um mich herumschwimmen und ich sitze geschützt im Käfig.

Wo ist nun die „freie“ Seite?

Die Diskussionen um die Begegnungseinschränkungen zum Weihnachtsfest verdienen es auch einmal von zwei Seiten betrachtet zu werden.

Sperre ich mich in einen Käfig, wie beim Haitauchen, dann darf ich keinen an mich heranlassen, der den Virus übertragen könnte. Oder ich halte alle auf Distanz und feiere eine Zoom/Skype-Partie, über WhatsApp-Video, oder ähnliches, sozusagen wie im Zoo, wenn ich den Tiger hinter den Käfig-Gittern betrachte.

Das fällt uns besonders schwer bei Menschen, die wir lieben und/oder zur Familie zählen. Wir kennen diese Menschen gut, sehnen uns nach ihnen und haben schon immer so gefeiert, wie wir es auch dieses Jahr planen. Da ist Distanz wahren unmöglich.

Die Oma mit COPD denkt nicht daran, dass ihr Enkel aus einem Corona-Hot-Spot für sie sogar tödlich werden könnte. Oder die Tante, die wegen ihrer Krebserkrankung ein runtergefahrenes Immunsystem hat, verzichtet nicht auf den Familienbesuch.

Ich habe ein bisschen Angst um euch. Zurzeit höre ich immer wieder herzzerreißende Geschichten, warum man die gemeinsame Feier stattfinden lassen will. Da wird darüber gepuzzelt und hin und her geschoben, wie man den Vorschriften entsprechend Heiligabend mit dem Teil der Verwandtschaft, am ersten Feiertag mit einem weiteren Teil und am zweiten Feiertag mit dem Rest feiern könnte.

Es ist ein gewagtes Spiel. Und ganz ehrlich, hat sich der eine oder andere nicht schon immer mal gewünscht, auf gewisse Familienmitglieder und Besuche zu verzichten. Das wäre doch eine gute Gelegenheit, ohne jemanden vor den  Kopf stoßen zu müssen.

Kennt ihr das Spielchen aus der Kita, in dem die Erzieherin den Kleinen eine Schachteln hinstellt und sagt, die darf nicht geöffnet werden, bevor sie wieder da ist? Wenn die Schachtel nicht geöffnet wird, wird eine Belohnung in Aussicht gestellt. Damit wird getestet, ob die Kinder schon in der Lage sind, sich selbst zu kontrollieren, etwas aufzuschieben und zu verzichten.

Wer von euch besteht diesen Test???

Eure Birgitt

Mein liebstes Adventlied

Vor ein paar Tagen habe ich darüber nachgedacht, welches Lied mir zuallererst einfällt, wenn ich an die Adventszeit denke.

Es kommt ein Schiff geladen … das ist mir sofort eingefallen. Schaut man in Wikipedia nach, dann ist es eines der ältesten adventlichen Chorale.

Welches Adventslied oder welcher Choral kommt euch gleich in den Sinn?

Übrigens, glaube ich, dass ich als Kind den Text nicht verstanden habe…

Es kommt ein Schiff,
geladen bis an sein‘ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewig’s Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein’ teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig’ Geist der Mast.

Der Anker haft‘ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Das Wort tut Fleisch uns werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muß es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß’ Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben
und geistlich aufersteh’n,
ewig’s Leben zu erben,
wie an ihm ist gescheh’n.

Maria, Gottes Mutter,
gelobet musst du sein.
Jesus ist unser Bruder,
das liebe Kindelein.

Aber gesungen habe ich immer aus voller Inbrunst.

Eure Birgitt

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

Kennt ihr auch so ein Geburtstagsglas? Damit wurde das Geburtstagskind in meiner Kinderzeit ausgezeichnet. Ich besitze davon noch 2 Gläser, das auf dem Bild ist das „Erwachsenen-Glas“-

Heute Morgen habe ich es meiner großen Schwester auf den Frühstückstisch gestellt.

Und nun möchte ich mich bei ihr bedanken. Ich habe schon sehr oft im Leben Unterstützung von ihr bekommen. In diesem außergewöhnlichen Jahr 2020 hat sie großzügig manche Rechnung übernommen. Ja, wegen der Corona-Einschränkungen ist auch mein Geschäft sehr reduziert gelaufen. In meinem Studio fanden keine Seminare oder Beratungen statt. Und trotzdem laufen die Kosten weiter. Da meine große Schwester mich sehr gut kennt, hat sie wohl erwartet, dass ich keine staatlichen Hilfen beantragen werde. Ehrlich, viele brauchen das Geld nötiger als ich.

Wieder begleitet mich ein Bibelspruch, den unsere Oma Luise oft auf den Lippen hatte: Einer trage des anderen Last. Galater 6, 2. Das bedeutet nämlich Liebe: erkennen, welche Last der andere trägt und dann diese Last mittragen.

Liebe Schwester, darin bist du perfekt und ich liebe dich von ganzem Herzen dafür.

Deine/Eure Birgitt

Christmette

Wer hat nicht schöne Erinnerung und ein festliches Gefühl an die Christmette oder einen weihnachtlichen Gottesdienst mit Gesang. Wie kann ich dieses Jahr damit umgehen?

Wie so oft fallen mir wieder Omas Weisheiten ein. Oma Luise hat mir schon als kleines Kind beigebracht, dass ich mit meinem Schöpfer immer und überall reden kann und er auch immer ein offenes Ohr hat. Das nennt man beten. Jeder kann sich in ein Zwiegespräch mit seinem Schöpfer vertiefen und benötigt dazu keine Versammlung Gleichgesinnter. Gemeinschaft ist schön, aber Verzicht ist in diesem Falle eine größere Liebe zu den Mitmenschen.

Auch wenn alle Hygiene-Regeln eingehalten werden, ist das Zusammenkommen immer noch mit einem Risiko behaftet, dass keiner zurzeit richtig einordnen kann. Meine Oma hätte gesagt, wer sich in Gefahr begibt, kommt drin um. Ich sage, dafür hat der liebe Gott uns unseren Verstand gegeben.

In Matthäus 22 Vers 21 kann nachgelesen werden, dass wir uns auch an weltliche Regeln und Gesetze halten sollen. „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Jesus redet über Geld und Steuern, aber auch Regeln und Gesetze, die eine weltliche Autorität ausgibt, sind für uns gültig.

Lassen wir uns doch darauf ein, das Weihnachtsfest einmal anders zu feiern. Vielleicht ist es auch eine Chance für uns, es tiefer und ergreifender zu erfahren.

Eure Birgitt

Sorgt euch nicht um morgen

Heute Morgen beim Duschen lief mal wieder das Lied von Mark Forster im Radio „Heute, Morgen, Übermorgen“ (mit allen Träumen und all den Sorgen).

Spontan fiel mir der Bibelspruch, den Oma Luise gern zitierte, ein:

Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. (Matthäus 6,34)

Gerade in einer Zeit, in der viel Unsicherheit uns umgibt, wie wird es weitergehen, wann werden wir wieder „normal“ leben, …, ist es wichtig zu erkennen, dass jeder einzelne Tag gelebt werden will. Zu viele Sorgen machen uns krank und tragen überhaupt nicht zu einer Lösung bei.

Konzentrieren wir uns bitte auf das Hier und Jetzt, Schaut auf die schönen Dinge, die uns immer noch täglich umgeben. Ein Kinderlachen, ein Scherz, ein liebevoller Blick, ein offenes Ohr, ein Kompliment, eine Aufmerksamkeit, ein Sonnenaufgang, ein Sonnenuntergang. Es gibt so vieles. Seht hin und sucht danach.

Und gleich fällt mir noch ein Lieblingsspruch meiner Oma ein:
Morgen beginnen wieder hundert neue Tage.

Eure Birgitt

Schenken

Die vollen Kaufhäuser vorm Lockdown, die Nachrichten über die Rekorde bei versendeten Paketen, die Diskussion über Geschenke und ob man sie rechtzeitig wieder umtauschen kann, lassen mich nachdenklich werden, um was es beim Schenken geht.

Ich kann mich an manches Geschenk erinnern, dessen Empfang ich mit einem Lächeln überspielt habe, um nicht zu zeigen, dass es in mir drin Entsetzen, Enttäuschung, geradezu Trauer ausgelöst hat. An einem Geschenk kann man die Wertschätzung des Schenkenden zum Beschenkten erkennen. Es ist schlimm, wenn etwas gekauft wurde, nur um die eigene Großzügigkeit darzustellen. Eine kleine Aufmerksamkeit, die erkennen lässt, dass ich gesehen, gehört und anerkannt wurde, ist viel beglückender.

Schenken
Joachim Ringelnatz

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
sodass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk
du selber bist.

Eure Birgitt

3er Advent: Eine Muh, eine Mäh, …

Das Lied geht mir schon den ganzen Tag im Kopf herum. Mein Vater hat es oft gesungen. Er war ein fröhlicher Mensch und liebte deswegen wohl auch fröhliche Lieder.

Irgendwann sagte mir einmal ein amerikanischer Kollege: bei euch ist es komisch, wenn der Herr geboren wird, dann singt ihr getragene Lieder. Wenn er stirb, hören sich die Lieder freudig an. Da ist was dran, oder?

Wie ihr seht, gibt es aber auch fröhliche Lieder wie „eine Muh, eine Mäh“.

In Wikipedia steht dazu:
Die Komposition stammt von Wilhelm Lindemann und ist 1912 erstmals erschienen. Der fröhlich-alberne Text beschreibt einen häuslichen Weihnachtsabend aus der Perspektive der Kinder, die das Kommen von Knecht Ruprecht als Gabenbringer erwarten. Im Refrain des Liedes werden die vielen erhofften Weihnachtsgeschenke in Kindersprache aufgezählt.

Und hier nun der Text:

Wenn der Weihnachtsbaum uns lacht,
wenn die Glocke bim-bam macht,
kommt auf leisen Sohlen,
Ruprecht an verstohlen.
Zieht mit vollen Säcken ein,
bringt uns Bäcker-Leckerein
und packt unter Lachen
aus die schönsten Sachen.
Kommt, Kinder, seht euch satt,
was er für Schätze hat:
Eine Muh, eine Mäh,
eine Täterätätä,
eine Tute, eine Rute,
eine Hopp-hopp-hopp-hopp,
eine Diedeldadeldum,
eine Wau-wau-wau,
ratatsching-daderatabum.

Wenn der Schnee zum Berg sich türmt,
wenn es draußen friert und stürmt,
um die Weihnachtslichter
fröhliche Gesichter.
Alle Stuben blitzeblank,
denn es kommt mit Poltergang
durch die Luft, die kalte,
Ruprecht an, der alte.
Und pustet, prustet – dann
zeigt uns der Weihnachtsmann:
Eine Muh, eine Mäh,
eine Täterätätä,
eine Tute, eine Rute,
eine Hopp-hopp-hopp-hopp,
eine Diedeldadeldum,
eine Wau-wau-wau,
ratatsching-daderatabum.

Ich wünsche euch einen fröhlichen dritten Advent.

Eure Birgitt